Nach dem Gewinner-Entwurf des dänischen Büros Dorte Mandrup, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde, wird der leicht geschwungene Neubau auf der Freifläche an der Grenze von Kreuzberg und Mitte die Ruine von hinten leicht einrahmen. Der Entwurf, der sich in einem internationalen Architekturwettbewerb durchsetzte, erinnert dabei an die Mahnmal-Ruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die in den 50er-Jahren ebenfalls mit Neubauten angereichert wurde.
In der Auslobung des Wettbewerbs, an dem renommierte Büros aus mehreren Ländern teilnahmen, waren die Architekten gebeten worden, auf rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche der Dauerausstellung sowie Sonderausstellungen, Gastronomie und Museumsvermittlung Platz zu geben. 700 Quadratmeter sind für Freizeit- und Kulturangebote des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg vorgesehen, der das Gelände am Askanischen Platz zur Verfügung stellt. Im Foyer ist ein eintrittsfrei zugänglicher "Raum des Ortes" geplant, in dem die Geschichte des Anhalter Bahnhofs beleuchtet wird.
Der 1881 eröffnete Prunkbau war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der größten Fernbahnhöfe in Berlin. Kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 stieg dort unter anderem Bertold Brecht in letzter Minute in den Zug, während die Gestapo schon seine Wohnung stürmte.
Im Gegensatz zu Brecht und Exilanten wie Willy Brandt und Ernst Reuter, die nach dem Krieg wieder zurückkehrten, verloren viele der Künstler, Kommunisten und jüdischen Intellektuellen für immer ihre Heimat. "Sie gingen in die Leere und hinterließen ein Leere", sagte Museums-Initiatorin Herta Müller am Freitag in einer bewegenden Rede. Die Literatur-Nobelpreisträgerin von 2009 setzt sich schon seit Jahren für ein Exilmuseum ein und hat gemeinsam mit Ex-Bundespräsident Joachim Gauck die Schirmherrschaft für das Ausstellungshaus übernommen, das 2025 eröffnet werden soll. "Bis heute gibt es in Deutschland keinen zentralen Ort, an dem die Vertreibung Hunderttausender durch die Nationalsozialisten ins Exil sichtbar werde", betont Herta Müller.
Die Idee, das Exilmuseum an der Postal-Ruine anzusiedeln, hatte Ex-Kultursenator Christoph Stölzl. Als Gründungsdirektor wünscht er sich ein "Museum der Seelengeschichten." Dabei soll sich das Museum weniger auf das Ausstellen von Objekten konzentrieren, sondern vielmehr die Geschichten der Exilanten medial und in szenografisch inszenierten Räumen erzählen.
So bekomme der Ort, der viele Jahre im Schatten der Berliner Mauer lag, auch ein touristisches Zentrum, freut sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Dazu sei er von Gedenkorten wie der Topografie des Terrors und dem Bunker mit dem Berlin-Story-Museum umgeben. Schräg gegenüber im ehemaligen Deutschlandhaus wird demnächst die Stiftung Vertreibung Flucht Versöhnung wiedereröffnet.
Privates Engagement
Die Baukosten von derzeit 27 Millionen Euro sollen über Spenden und private Mittel finanziert werden. 6,3 Millionen Euro hat alleine schon der Kunsthändler und Mitbegründer der Villa Grisebach, Bernd Schultz, gespendet. "Ich bin bewegt und begeistert von so viel bürgerschaftlichem Engagement", sagt Joachim Gauck. In einer Zeit in der Flucht überall auf der Welt wieder zum Tagesthema werde, könne das Exilmuseum eine Brücke ins Heute schlagen.
Alle Architekturentwürfe für das Exilmuseum werden vom 29. September bis zum 17. Oktober in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße gezeigt.

Die Gewinnerin


Dorte Mandrup gründete ihr Büro 1999. Neben Architektur studierte sie auch Bildhauerei. Zu Beginn ihrer Selbstständigkeit lag ihr Schwerpunkt auf Umbauten, Gemeinschaftszentren, Kindergärten und Wohnbauten. Spätestens mit der in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden umgesetzten "Wattenmeer-Trilogie" wurde das Büro bekannt für Museumsbauten und Besucherzentren mit starker Formensprache, die in enger Zweisprache mit der umgebenden Natur stehen. Mandrup wurde 2019 vom AW-Magazin zur Architektin des Jahres gekürt und gewann den Kunstpreis Berlin. neu