30 Jahre Mauerfall: Ost-Wirtschaft wächst zu langsam

Symbolbild
Patrick Pleul/dpa20 Prozent hinkt die ostdeutsche Wirtschaft der westdeutschen in der Produktivität hinterher. Ebenso groß ist der Abstand bei den Pro-Kopf-Einkommen. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) über die Wirtschaftsentwicklung der vergangenen knapp drei Jahrzehnte, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.
Der zunächst beachtliche Aufholprozess in den neuen Ländern verlangsamt sich seit Mitte der 1990er-Jahre. Nur während der weltweiten Krise 2008/09 hat die Wirtschaft im Osten stärker zugelegt als im Westen. „Wenn Ostdeutschland nicht schneller wächst, werden wir keine Konvergenz erleben“, sagt Reint E. Gropp, Präsident des IWH. Das Gefälle zwischen Ost und West ist größer als das zwischen Nord und Süd. Die Ursachen für die geringere Produktivität sehen die Wissenschaftler aber nicht in erster Linie in einem Wegbrechen von Industrie nach der Wende, sondern vor allem in einer Subventionspolitik, die darauf zielte, Arbeitsplätze zu erhalten. Das hat nach IWH-Sicht vergleichbare Betriebe im Osten weniger produktiv werden lassen als Firmen derselben Branche in Westdeutschland.
Hinzu kommt der Mangel an großen Firmen. 464 der 500 größten deutschen Unternehmen haben ihren Sitz im Westen der Republik. Allerdings sind auch dort Industriearbeitsplätze seit Ende der 1990er-Jahre verloren gegangen – und zwar doppelt so viele wie im Osten. Dafür entstanden im Westen aber verstärkt Jobs im Dienstleistungssektor in den Städten.
Im Osten floß nach Analysen des IWH hingegen vergleichsweise viel Förderung in Industriearbeitsplätze auf dem Land. „In Zeiten von Arbeitskräftemangel sollte Wirtschaftsförderung deshalb nicht um jeden Preis für Arbeitsplätze sorgen, sondern für Produktivitätssteigerung“, schreiben die Autoren. Wichtig sei, innovative junge Firmen zu unterstützen und verstärkt in die Infrastruktur der Städte zu investieren. Städte seien die zentralen Orte für Wohlstand. Ein Problem sehen die Forscher im Mangel an Fachkräften. Bis 2060 wird die erwerbsfähige Bevölkerung im Osten mehr als doppelt so stark zurückgehen wie in Westdeutschland. Das profitiert vor allem vom Zuzug qualifizierter Ausländer. Dieser fällt im Osten – mit Ausnahme von Berlin – deutlich schwächer aus. Der Abstand zwischen Ost und West könne durch eine entsprechende Politik aber geschlossen werden, so die Forscher. Aus ihrer Sicht können Investitionen in Bildung und Wissenschaft, in attraktive Wohn- und Arbeitsorte und ein weltoffenes Klima den Osten Deutschlands voranbringen.