Ohne Überheblichkeit, nur ein bisschen selbstbewusst und mit Stolz sage ich, zu ihrem runden Geburtstag hätte es die Zeitung verdient, dass ihr ein Ehrenkranz gewunden wird. In der Antike, aus der diese Metapher rührt, hieß der Ehrenkranz Corona und ist damit synonym zu dem Virus, das uns einen Strich durch die Feierpläne macht.
Feiern hätte bedeutet, sich zu treffen, sich die Hände zu schütteln, etwas gemeinsam miteinander zu tun. Feiern steht für ein Maximum an Gemeinsamkeit und Verbundenheit. Feiern steht für "Wir". "Wir" ist das, was unsere Gesellschaft zusammenhält, was wir unseren Kindern als oberstes Gebot lehren. "Wir", das sind Familien, Mannschaften, Vereine und Verbände, Orchester und Chöre, Ensembles, Firmen, Bürgerinitiativen, Parteien, Kirchen und auch Redaktionen. "Wir", das ist Brandenburg, das ist Förderalismus, das sind Deutschland und Europa. "Wir", das sind die Inhalte unserer Zeitung. "Wir" das sind MOZ, OGA und "Ruppi".
"Wir" pausiert aktuell. Es wurde abgelöst von einer staatlich verordneten Zwangseinsamkeit, die als medizinische Präventionsmaßnahme nötig und zum Schutz unserer Mitmenschen unumgänglich ist. Unsere Mitarbeiter*innen arbeiten deshalb mit Laptops und Smartphones vorwiegend mobil oder aus dem Homeoffice. Jedes Ressort, jede Lokalredaktion, jede Abteilung haben wir in zwei Teams oder unterschiedliche Schichten aufgeteilt, die sich nicht mehr begegnen dürfen, damit im Falle einer Erkrankung wenigstens ein Teil arbeitsfähig bleibt, nicht alle in Quarantäne gezwungen werden und die Zeitung weiter erscheint. Das müssen wir üben, und daraus lernen wir für die Zukunft. Corona zwingt uns Arbeitsweisen umzusetzen, die für den digitalen Wandel zweckmäßig sein können. Damit treibt Corona auch ein Stück weit den sogenannten Change-Prozess voran, indem sich regionale Verlage wie das Märkische Medienhaus befinden.
Beflügelt Corona die Veränderung, dann macht uns das Virus zum Geburtstag sogar ein Geschenk. Denn eine Zeit, in der Abonnentenzahlen nur bei digitalen Angeboten wachsen, in der die tägliche Zeitungszustellung in ländlichen Räumen mehr als das Doppelte des Preises eines Exemplars im Einzelverkauf kostet, so eine Zeit braucht einen "Wind of Change". Die gleichnamige Ballade der Scorpions war vor 30 Jahren eine Hymne, die den politischen und gesellschaftlichen Change-Prozess begleitete, die Veränderungen nach Glasnost und Perestroika nämlich, die den Mauerfall und die Wiedervereinigung ermöglichten. Diese Ereignisse waren quasi Ei- und Samenzelle aller neuen, freien und unabhängigen ostdeutschen Tageszeitungen. Sie waren die Voraussetzung für die Geburt der MOZ. Auch wenn es aktuell nicht möglich ist, dies zu feiern, erinnern lässt sich an diesen historischen Moment, und dafür dankbar sein geht auch.