Laut Medienberichten wurde der Erreger in einem Geflügelzuchtbetrieb südlich von Posen nachgewiesen, der etwa 160 Kilometer von Deutschland entfernt ist. Dort mussten biszum Freitag 65 000 Hühner notgeschlachtet und anschließend verbrannt werden.
Der Vorfall ist insofern besorgniserregend, da erst am Donnerstag bekannt geworden war, dass der Erreger erstmals ganz im Südosten Polens festgestellt worden war. Dort wurden rund 25 000 Puten gekeult. Polen ist der größte Geflügelfleischerzeuger in der Europäischen Union.
In Deutschland wurde die Vogelgrippe des Typs H5 zuletzt im September 2018 nachgewiesen. Zuvor war sie seit 2013 schon mehrfach aufgetreten, dabei kam es auch hierzulande zu Notschlachtungen. „Daran, dass der Vogelgrippen-Erreger zu dieser Jahreszeit auftritt, haben wir uns ja fast schon gewöhnt“, sagte der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff am Freitag. Für Geflügelzüchter bedeute dies, dass sie die Biosicherheitsmaßnahmen in den Ställen unbedingt einhalten und notfalls verstärken sollten. In früheren Jahren waren Stallpflichten für das Geflügel festgelegt worden. Im Brandenburger Verbraucherschutzministerium war am Freitag erst der Vorfall aus Ostpolen bekannt.
Bereits am Donnerstagabend war bekanntgeworden, dass sich auch die Afrikanische Schweinepest Brandenburg immer näher kommt. Ein positiv getesteter Wildschwein-Kadaver wurde nach Angaben des Bundesagrarministeriums nur 21 Kilometer von Brandenburgs Grenze entfernt gefunden.
Elektro-Zäune fast vollständig errichtet
Zum Schutz vor infizierten Wildschweinen waren seit Weihnachten bereits mobile Elektro-Zäune an den Deichen von Oder und Neiße aufgestellt worden. Dieser Bau ist fast abgeschlossen. Im Landkreis Spree-Neiße fehlen noch etwa fünf Kilometer, die bis Montag fertiggestellt werden sollen, wie ein Sprecher am Freitag sagte. Im Landkreis Oder-Spree waren die 42 Kilometer Zaun entlang der Grenze zu Polen nach Angaben eines Sprechers schon vor Weihnachten komplett errichtet. Insgesamt reichen die mobilen Elektro- und Duftzäune von Frankfurt (Oder) aus etwa 120 Kilometer bis zur sächsischen Grenze.
Während laut Verbraucherschutzministerium der 120 Kilometer lange Schutzzaun vor Wildschweinen an Oder und Neiße von der Lausitz bis Frankfurt (Oder) fast fertig ist, forderte Bauernpräsident Wendorff eine Verlängerung im Kreis Märkisch Oderland und „wenn möglich auch in Sachsen“.
Betroffen von der Afrikanischen Schweinepest sind nach Angaben der Berliner Verbraucherschutzverwaltung derzeit neben Polen unter anderem das Baltikum, Belgien, Bulgarien, Rumänien, die Ukraine und die Tschechische Republik. Die Seuche wurde vor einiger Zeit von Afrika nach Europa eingeschleppt. Sie führt bei Wild- und Hausschweinen häufig nach kurzer Krankheit zum Tod. Es gibt keine Impfstoffe dagegen, für den Menschen ist das Virus jedoch ungefährlich.
Die deutschen Bauern sind aber besorgt. Denn beim ersten Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein würde Deutschland den Status als „seuchenfrei“ verlieren: Dann drohen Exportstopps für Schweinefleisch etwa nach Asien. (mit dpa)