Abenteuerlust
: Als Student durch Europa wandern

Die Uni Potsdam hat einen Verbund mit Hochschulen aus vier Ländern gebildet / Frankfurter Viadrina will folgen
Von
Dietrich Schröder
Potsdam
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Einblicke nicht nur in die Hörsäle anderer Unis: Ein gemeinsamer Studierraum für 160 000 Studierende aus fünf Ländern soll durch die "Europäische Digitale UniverCity" (EDUC) entstehen. Dieses Konstrukt hat die Universität Potsdam jetzt mit Partnern aus Frankreich, Ungarn, Tschechien und Italien gebildet.

Uni Potsdam/Karla Fritze

„Wenn ich die EU noch einmal gründen müsste, dann würde ich nicht mit der Wirtschaft, sondern mit der Kultur anfangen.“ Diesem Gedanken des legendären Wegbereiters der Europäischen Union, Jean Monnet, folgt die Idee von den „Europäischen Hochschulen“: In Zeiten, in denen es um die EU nicht zum besten steht, sollen sie als Labore der Verständigung, der Offenheit und Toleranz funktionieren und — außer Wissen — diese Ideale auch den Studierenden vermitteln.

Wie dies ganz praktisch aussehen könnte, dazu hat auch Florian Schweigert – der Vizepräsident für Internationales der Universität Potsdam — eine Vision: „Unsere Studenten könnten sich künftig entscheiden, ein Jura–Studium in Paris mit der Ethik–Ausbildung in Potsdam und der Medizintechnik an der Masaryk–Universität im tschechischen Brno zu kombinieren.“ Um solche und andere Kombinationen möglich zu machen, hat die Uni Potsdam jetzt die „European Digital UniverCity“ (EDUC) gegründet. Neben der größten Brandenburger Uni gehören dazu die beiden französischen Unis „Paris–Nanterre“ und „Rennes 1“ sowie die Hochschulen aus Cagliari (der Hauptstadt der italienischen Insel Sardinien), Brno in Tschechien sowie Pecs in Ungarn.

Insgesamt 54 solcher Verbünde sind in den vergangenen Monaten in ganz Europa entstanden, nachdem die EU–Kommission in Aussicht gestellt hatte, dass die zwölf interessantesten Modelle mit insgesamt 60 Millionen Euro gefördert werden. „Für uns und unsere Partner steht aber schon jetzt fest, dass wir auf jeden Fall kooperieren werden, selbst wenn wir nicht zu den ausgewählten Modellprojekten gehören“, versichert Florian Schweigert. Der Grund: Bei den Vorbereitungstreffen der sechs Vizepräsidenten habe sich eine solche Vertrautheit entwickelt, als ob alle Beteiligten nur auf diesen Impuls gewartet hätten.

„Es geht um einen Quantensprung in der Zusammenarbeit: Nicht nur einzelne Wissenschaftler sollen gemeinsam forschen oder Gaststudenten ausgetauscht werden, sondern die Universitäten sollen sich in ihrer gesamten Breite von der Bildung über die Forschung bis zur Verwaltung und schließlich auch über den Transfer ihrer Erkenntnisse in die Praxis vernetzen.“ Das sagt Beate Körner vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Von dieser Einrichtung kam bereits das Signal, das auch die nicht von der EU ausgewählten Verbünde mit einer Unterstützung aus Bundesmitteln rechnen können. Mehr als 20 deutsche Universitäten haben sich an dem Programm beteiligt.

Die Potsdamer Uni und ihre fünf EDUC–Verbündeten wollen im ersten Schritt einander alle E–Learning und anderen Online–Angebote zugänglich machen, die es schon heute gibt. „Anschließend wollen wir neue Programme kombinieren und auch bei der Forschung und im Wissenstransfer gemeinsam auftreten“, kündigt Florian Schweigert an.

Und wie verhält sich die Europa–Universität in Frankfurt (Oder), bei der ja die grenzüberschreitende Kooperation schon lange Programm ist? „Wir bereiten uns auf die zweite Runde der Ausschreibung vor, die die Europäische Kommission für 2020 angekündigt hat“, sagt die seit Herbst im Amt befindliche Präsidentin  Julia von Blumenthal.

Konkurrenz aus Potsdam fürchte sie nicht, im Gegenteil: „In einer Zeit, in der die europäische Idee von verschiedenen Seiten unter Druck geraten ist, ist es ein erfreuliches Signal, wenn sich neue Netzwerke zwischen den Hochschulen entwickeln“, sagt von Blumenthal. Dies sei gut für die Entwicklung der Wissenschaft und der Gesellschaft.