Brandenburger Landwirte und Jäger werfen den Behörden Versagen beim Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest nach dem deutschlandweit ersten Fall vor. „Wir fordern einen gemeinsamen und zentralen Krisenstab, der auch mit Kompetenzen ausgestattet sein muss“, sagte Landesbauernpräisdent Henrik Wendorff am Freitag in Teltow (Teltow-Fläming). Derzeit seien die drei Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald zuständig und deren Kompetenzen endeten jeweils an der Kreisgrenze.
Das Wissen und die Pläne von Landesbauern- und Jagdverband zur Eindämmung seien bislang nicht gefragt worden. „Ich erwarte am Montag einen Anruf von einer von der Landesregierung berufenen Person, die künftig die Arbeit aller Behörden und beteiligten Ministerien koordiniert“, forderte er.

Zäune für Wildschweine leicht zu überwinden

Wichtig seien Handlungsempfehlungen und Unterstützung bei der Durchführung der Maßnahmen, sagte Dirk Henner-Wellersdorf, Präsident des Landesjagdverbandes. „Wir wollen helfen, müssen aber wissen, wo und wie.“ Er kritisierte die aus Sicht der Jäger dilettantisch in die Landschaft gestellten Zäune, die für Wildschweine leicht zu überwinden seien. „Wir hätten erwartet, dass wirksame feste Wildschutzzäune bereits stehen“, sagte er. Es sollten mindestens 1,50 Meter hohe Doppelgitterstäbe sein, die etwa 50 Zentimer in der Erde verankert seien, hieß es.
Vergangene Woche war in Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße der deutschlandweit erste amtlich bestätigte Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) amtlich bestätigt worden. Mittlerweile gibt es sieben (Stand Donnerstag) bestätigte Fälle.

Ursula Nonnemacher weist Kritik zurück

Brandenburgs Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat die Kritik am Krisen-Management zur Schweinepest zurückgewiesen. Nach Bekanntwerden des ersten amtlich festgestellten Verdachts der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hätten das Land und die betroffenen Landkreise sofort und umfassend reagiert, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. „Wir haben umgehend die Restriktionszonen ausgewiesen und das Kerngebiet um den Fundort schnell mit elektrischen Weidezäunen gesichert.“ Das sei geschafft worden, weil das Land für den Ernstfall vorgesorgt habe.
Das Land stehe vom ersten Tag an täglich mit den Landwirten und Jägern im direkten Austausch und informiere sie umfassend und transparent über die Lage, sagte die Ministerin. Zur Tagung des Landeskrisenstabs an diesem Freitag seien der Landesbauernverband, der Bauernbund, der Hybridschweinezuchtverband und der Landesjagdverband eingeladen worden. „Wir sorgen für einen direkten Informationsaustausch und sind offen für konstruktive Hinweise“, so Nonnemacher.