Eine Million Liter Wasser spülten in den frühen Morgenstunden durch das Hotel DomAquarée in der Nähe des Berliner Doms auf die Straße. Explosionsartig sei das nach eigenen Angaben „größte zylindrische frei stehende Aquarium der Welt“ geplatzt. Hotelgäste berichten von einem lauten Knall, nachdem Stunden zuvor noch Taucher durch das 16 Meter hohe Becken geschwommen waren, um es zu reinigen.
Ein eigenes Ökosystem, in dem etwa 1500 Fische aus mehr als 100 unterschiedlichen Arten zusammenlebten. Wie die Feuerwehr mitteilte, kam für die Bewohner des Wassertanks jede Hilfe zu spät. Unter den 100 Arten befanden sich vor allem tropische Fische, weswegen in dem riesigen Salzwasserbecken circa 26 Grad herrschen mussten.

Weit über Dorie und Nemo hinaus

Auf der Webseite der an das Hotel angeschlossenen Sea Life Erlebniswelt, wurde der Aquadom als ideale Begegnungsstätte mit den Pixar-Charakteren Dorie und Nemo aus dem Film „Findet Nemo“ beworben. Gemeint sind Vertreter der Clownfische und Paletten-Doktorfische. Clownfische sind vor allem an den Küsten Ostasiens heimisch und leben in einer so diversen Umgebung, dass die auffällige orange-weiße Schuppenfärbung ihnen hilft, Artgenossen schnell zu erkennen. Geboren werden Clownfische grundsätzlich männlich, erst später entwickeln sich bestimmte Exemplare zu Weibchen.
Nemo könne man treffen, warb das Sea Life in Berlin auf ihrer Webseite. Nun ist Nemo tot.
Nemo könne man treffen, warb das Sea Life in Berlin auf ihrer Webseite. Nun ist Nemo tot.
© Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Einen ähnlichen Hingucker im Aquarium stellten die dunkelblauen Paletten-Doktorfische aus dem Indopazifik dar. Sie gelten nicht als besonders leicht zu halten, denn sie gelten wie viele Dorschfische als Dauerfresser. Noch dazu bevorzugen die Fische Lebendnahrung, wie beispielsweise Kleingarnelen, Salinenkrebse oder Plankton. Gut genährt erreicht er dann 30 cm, wenn er ausgewachsen ist.
Auch Dorie schwamm im Aquarium mit. Der Paletten-Doktorfisch ist sehr giftig.
Auch Dorie schwamm im Aquarium mit. Der Paletten-Doktorfisch ist sehr giftig.
© Foto: JM Schlorke/DMM/dpa

Auch Raubfische lebten in dem Aquarium

Im Aquadom in Berlin lebten jedoch auch größere Fische als das. Der Rotzahn-Drückerfisch kann einen halben Meter lang werden. Auch er gilt als besonders schwierig zu halten, da er aggressiv werden kann. Dann kann der Fisch durchaus in Versuchung kommen, die Hand, die ihn füttert, zu beißen. Zur Fortpflanzung scharen sich bis zu zehn Weibchen um ein Männchen, welcher dann den Laich bewacht, bis er schlüpft.
Noch größer wird der schwarz-weiß gestreifte Langflossen-Fledermausfisch. Bis zu 70 cm können sie lang werden. Als wären die platten Fische somit nicht ohnehin imposant genug, schwimmen sie für gewöhnlich in großen Schwärmen, mit bis zu 100 Mitschwimmern.

Art- und tierschutzgerechte Haltung?

Fabian Hellbusch, Sprecher der Aquadom-Eigentümerfirma Union Investment, beteuert, die tropischen Fische seien art- und tierschutzgerecht gehalten worden. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, sei ihm „völlig unklar“. Die Tierschutzorganisation PETA hingegen wirft den Eigentümern vor, fahrlässig mit dem Leben der Fische verfahren zu haben und kündigte rechtliche Schritte an.