Der Arbeitsmarkt im Land entwickelt sich weiter gut. „In Brandenburg ist im Prinzip das Vor-Corona-Niveau erreicht“, sagt die Chefin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur für Arbeit, Ramona Schröder. Im September waren 73.094 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 9951 weniger als im September 2020. Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,5 Prozent  genauso hoch wie im September 2019.
In Uckermark und Barnim sank die Arbeitslosenquote unter sieben Prozent – auf 6,9 Prozent. Auch das ist Vorkrisenniveau. „Viele Arbeitsuchende profitieren vom Herbstaufschwung und können eine neue Beschäftigung aufnehmen. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung auch im Oktober noch anhalten wird“, teilte Constanze Hildebrandt, die stellvertretende Leiterin der Agentur in Eberswalde mit. In den Kreisen Märkisch-Oderland, Oder-Spree und der Stadt Frankfurt ging die Arbeitslosenquote im Vergleich zu August (5,9 Prozent) leicht zurück -– auf nun 5,7 Prozent.
Gestiegen ist die Zahl der offenen Stellen – fast 25.200 waren im September brandenburgweit gemeldet. Das sind 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Die Fach- und Arbeitskräfteknappheit nimmt wieder zu. Pragmatische Betriebe verzichten, wo immer es geht, auf einschlägige Berufsabschlüsse. Entscheidend ist die Motivation der Bewerber“, schätzt Jochem Freyer ein, der Chef der Agentur für Arbeit in Frankfurt (Oder).
Im Land wird nach Angaben der Agenturen in den meisten Branchen zusätzliches Personal gesucht, beispielsweise in Architektur- und Ingenieurbüros, bei Steuerberatern, in Wach- und Sicherheitsdiensten, im Einzelhandel sowie in Handwerk und Industrie. Kontinuierlich hoch bleibe die Nachfrage im Gesundheits- und Sozialwesen und dem Gastgewerbe. Lediglich in der öffentlichen Verwaltung wird ein leichter Rückgang der Stellenmeldungen registriert.

Sorge wegen fehlender Fachleute

Die Unternehmen in Brandenburg sehen den Fachkräftemangel mit Sorge.  Die Arbeitslosenquote in Brandenburg sei die zweitniedrigste der ostdeutschen Bundesländer, teilen die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg UVB mit. Das Thema duale Ausbildung bleibe für die Wirtschaft wichtig, heißt es in einer Mitteilung. Es müsse gelingen, mehr Stellen in den Unternehmen in Brandenburg auch mit Bewerberinnen und Bewerbern aus Berlin zu besetzen. Sonst werde der Personalmangel in Brandenburg schon bald zu einer Wachstumsbremse.  Den Arbeitsagenturen zufolge können junge  Leute auch jetzt noch mit einer Ausbildung beginnen. 

Kurzarbeit geht zurück

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht den Arbeitsmarkt nach der Belastung der Corona-Krise wieder auf besserem Kurs. Die Kurzarbeit sei weiter zurückgegangen, sie sank auf 3,7 Prozent. „Auch das ist Zeichen für das Wiederaufleben der Wirtschaft.“ Es seien aber noch viele Punkte abzuarbeiten. Ein Ziel sei zum Beispiel eine höhere Zahl abgeschlossener Ausbildungsverträge.
Linksfraktionschef Sebastian Walter verwies darauf, dass die Langzeitarbeitslosigkeit noch immer deutlich erhöht sei. Der AfD-Abgeordnete Daniel Münschke forderte eine grundlegende Modernisierung des Ausbildungskonsenses mit Kammern und Verbänden.