Umso erfreuter war Mundt, als er kürzlich bei einer Recherche vermutete, dass nun endlich die weißen Flecken in Brandenburg Geschichte seien.
Der 59-Jährige wollte in diesem Jahr eigentlich zum ersten Mal im Leben nach Mallorca. Doch Corona machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung. Also wurde ein Urlaub in Deutschland geplant. Schnell stand fest, es sollte zur Tochter nach Bayern gehen – auf einem besonderen Weg. "Sonst fahren wir jedes Jahr Teile der Route 66 in den USA ab. Weil meine Tochter an der B2 zwischen Nürnberg und Augsburg wohnt, fahren wir in diesem Jahr eben Teile der B2", erklärt der Uckermärker. Er wollte die Route akribisch vorbereiten, googelte, wo genau er lang fahren müsse. "Bei GoogleMaps sah ich dann plötzlich, dass in der Gegend um Lychen Ansichten verfügbar sind", sagt Mundt. Er suchte nach Informationen und stieß auf eine Website von Google.
Auf dieser Seite erklärt das Unternehmen nicht nur die Quellen der Street-View-Aufnahmen. Google selbst filmt, aber auch Nutzerinnen und Nutzer stellen Bildmaterial zur Verfügung. Es gibt auch eine Übersicht, in welchen Ländern und Regionen und wann jeweils ein StreetView-Fahrzeug mit der auffälligen Kamera auf dem Autodach unterwegs sein wird.
Und in der Tat: Seit Juli und bis Oktober 2020 ist das Mobil in allen Brandenburger Landkreisen unterwegs. Unterhalb der Auflistung findet sich noch ein Hinweis, der auf Nachfrage von einem Google-Sprecher bestätigt wird: "Wir wissen, dass das Interesse an unseren Kamera-Autos groß ist. Es sind dieselben Autos, welche wir in der Vergangenheit genutzt haben, um Bilder für StreetView aufzunehmen. Bei den kommenden Fahrten nutzen wir das Bildmaterial aber nur, um Google Maps zu verbessern und haben keine Pläne, dieses zu veröffentlichen." Es ginge lediglich um die Aktualisierung von Straßennamen und -schildern, Streckenführungen und Informationen über Geschäfte und andere Orte, die von Interesse sein könnten.
Bei der Landesdatenschutzbeauftragten sieht man die erneuten Fahrten gelassen. "Ich sehe keinen Anlass, an der Aussage des Unternehmens zu zweifeln", sagt Sven Müller, Pressesprecher der Beauftragten auf Nachfrage. Er gehe davon aus, dass in der Tat keine Absicht bestehe, die Daten zu veröffentlichen.
Werbechance vertan
"Ich finde bedenklich, was abgelaufen ist", sagt Uwe Mundt über die Debatte bezüglich StreetView vor einigen Jahren. Tausende hatten damals einer Veröffentlichung aus Datenschutzgründen widersprochen. Im Endeffekt veröffentlichte Google nur vereinzelte Straßenpanoramen.
Mundt sagt, der Datenschutz sei schön und gut, aber die Menschen könnten auch die Straße entlangfahren und das Geschehen filmen, wenn sie wollten. Mit StreetView könnte man Menschen auf den Geschmack bringen, Brandenburg zunächst virtuell und dann auch persönlich kennenzulernen. Er sehe eine vertane Werbe-Chance für das Bundesland.

Hier sind Aufnahmen geplant


Online gibt es einen Überblick zu den Ländern und Regionen, in denen Google Aufnahmen plant: www.google.de/intl/de/streetview/explore/#where

Zurzeit sind die Fahrzeuge von Google hier unterwegs: Barmin, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Havelland, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Spree-Neiße, Teltow-Fläming, Uckermark. red