Ausstellung: Sealife Berlin zeigt Plastinate aus Körperwelten-Werkstatt

Stellt im Sealife aus: Angelina Whalley, Kuratorin der Körperwelten-Ausstellungen, steht neben der Vitrine mit einem präparierten Haifisch. Besucher erhalten in einem kleinen Sonderbereich ab sofort Einblicke in die Anatomie von Meeresbewohnern.
Carsten Koall/dpaIhr Menschenmuseum, nurwenige Bus-Stationen weiter am Fuße des Fernsehturms gelegen, ist eigentlich für seine schaurig-schönen Menschen-Präparate bekannt. "Wir bekommen aber auch häufig verstorbene Tiere aus zoologischen Einrichtungengespendet“, berichtet Whalley. Schon länger gebe es eine eigene Wanderausstellung mit Tieren, die gerade in Ulm zu Endegegangen ist. Angefangen habe alles 2010 mit der Plastinationeiner überraschend verstorbenen Elefantin aus dem Neuenkirchener Zoo. Drei Jahre dauerte ihre Präparation. Im Gegensatz zu den menschlichen Plastinaten gab es damals keine Würde-Diskussion. "Im Gegenteil, der Zoo-Direktor war sehr froh über die Lösung, denn sonst hätte er die beliebte Elefantendame in der Tierkörperbeseitigungsanstalt ,entsorgen’ müssen“, berichtet die Ausstellungskuratorin.
Für die kleine Sonderschau in dem großen Aquarium an der Spandauer Straße hat sie unter anderem einen schuppenlosen Rochen, eine Seebrasse mit präparierten Kiemen und einen Knochenfisch mit freigelegter Schwimmblase mitgebracht. Letztere reguliert bei Fischen den Auftrieb, so dass sie im Wasser schweben können, erfahren Besucher auf Erklärtafeln.
„Die Grundbedürfnisse derFische sind den unseren sehr ähnlich“, sagt Whalley. „Sie müssen Nahrung in Energie umwandeln, sich verteidigen und sich fortpflanzen. Alles, was für das Überleben wichtig ist, wird ganzwesentlich durch die Anatomie bestimmt.“
Und fast alle Meeresbewohner haben ein Skelett. Das kann aber auch aus einer äußeren Hüllebestehen, wie etwa bei dieser Meeresschnecke, erklärt Whalley und zeigt auf eine Muschel. Um ihr Innenleben mit einzelnen Kammern sichtbar zu machen, haben die Präparatoren sie nach ihrem Tod aufgeschnitten. „So kann man schön sehen, dass die Meeresschnecke wirklich jedes Stockwerk ihres Gehäusesbewohnt“, erklärt Whalley.
„Je mehr wir über über dieBesonderheiten der verschiedenen Lebensformen begreifen, desto mehr können wir die Natur wertschätzen und ihr mit Respekt begegnen“, glaubt sie. Ihr eigenes Aha-Erlebnis hatte die Humanmedizinerin in der Werkstatt in Guben. Dort gibt es das Plastinat eines Fisches, bei dem die Blutgefäße rot hervorgehoben wurde. „Das war für mich sehr berührend zu sehen, dass er wie wir auch ein Herz hat.“
Den Herzschlag anderer Meereresbewohner können Haie auch auf große Entfernungen wahrnehmen. Weil ihre Sensoren besonders ausgeprägt sind, hat Whalley das Hai-Präparat mit „Der Sinnliche“ überschrieben. Denn auch ihr außergewöhnlich guter Geruchssinn lässt sie Blut in1:10 milliardenfacher Verdünnung wahrnehmen. Das entspricht etwa einem Tropfen Wein auf die Wassermenge eines mittelgroßen Schwimmbades.
