Auto in Brandenburg
: In diesen Landkreisen kann die Kfz-Versicherung teurer werden

Wo gibt es in Brandenburg die meisten Auto-Unfälle? Wie wirkt sich das auf die Kosten der Kfz-Versicherung aus? Jüngste Erhebungen geben einen Überblick. Was Autobesitzer jetzt unternehmen sollten, um Geld zu sparen.
Von
Johannes Leichsenring
Frankfurt
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Totalschaden: Leider kommt es beim Autoverkehr immer wieder zu Unfällen, wie hier in Berlin. Je mehr Unfälle sich in einem Landkreis ereignen, um so höher wird die Regionalklasse eingestuft. Versicherer nutzen die Regionalklassen, um ihre Tarifbeiträge zu ermitteln. In Brandenburg gab es Veränderungen bei den Regionalklassen (Symbolbild).

Franz-Peter Tschauner/dpa

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat kürzlich die Unfall- und Schadensbilanz veröffentlicht. Brandenburg nimmt dabei einen negativen Spitzenplatz ein. Die Bilanz zeigt, wo es in den 18 brandenburgischen Zulassungsbezirken (Landkreise und kreisfreie Städte) die meisten und wo es die wenigsten Unfälle und Schadensvorkommnisse gab. Warum sich das finanziell aus^wirken kann und was Kfz-Besitzer bis zum 30. November unternehmen sollten.

Jedes Jahr ermittelt die GDV die Schaden- und Unfallbilanz der Zulassungsbezirke, um sogenannte Regionalklassen für das folgende Versicherungs-Jahr zu ermitteln. Je nach Quoten-Entwicklung kann sich die Bilanz positiv oder negativ für versicherungspflichtige Kfz-Besitzer im Folgejahr auswirken. Denn: Je mehr Unfälle und Fahrzeugschäden im Landkreis registriert wurden, desto schlechter fällt die Regionalklasse aus und desto teurer können die Kfz-Haftpflicht-, die Voll- oder Teilkaskoversicherung im Folgejahr werden. Zumindest tendenziell, denn in die Kalkulation der Versicherer fließt nicht nur die Regionalklasse ein. Verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Anzahl der zugelassenen Fahrer, die persönliche Unfallbilanz oder der Fahrzeugtyp spielen ebenfalls eine Rolle.

Berlin am schlechtesten eingestuft

Autofahrer in Brandenburg können sich jedoch freuen. In zwölf von 18 Landkreisen und kreisfreien Städten gelten für Kfz-Haftpflichtversicherungen weiterhin die niedrigsten Regionalklassen. Insgesamt gibt es bei der Kfz-Haftpflichtversicherung zwölf Klassen. Die Einstufung in die Klasse eins verweist auf einen niedrigen Unfallindex. Liegt der Index unter hundert, gab es in der entsprechenden Region weniger Unfälle und Schadensmeldungen als im bundesweiten Durchschnitt. Liegt der Index jedoch über hundert, so gab es in der Region überdurchschnittlich viele Unfälle. Je nach Abweichung vom Durchschnitt werden die Klassen vergeben. Da die Vergabe jährlich erfolgt, verschiebt sich die Eingruppierung meist nur um eine Klasse nach oben oder unten. Die folgende Grafik zeigt, wie die Landkreise für die Kfz-Haftpflichtversicherung eingruppiert wurden.

In 13 Zulassungsbezirken gab es keine Änderungen in der Haftpflichtklasse. Im Havelland und in der Uckermark wurde die Regionalklasse sogar herabgestuft. Schlechte Nachrichten gibt es jedoch für Kfz-Haftpflichtversicherte in Brandenburg an der Havel, Märkisch-Oderland und Teltow-Fläming, die heraufgestuft wurden, was potenziell zu höheren Versicherungsbeiträgen führen kann.

Im Vergleich zu Berlin kommen die Fahrzeughalter in Brandenburg noch gut weg. Die Hauptstadt schnitt im Bundesvergleich am schlechtesten ab, weshalb dort die Haftpflichtversicherung mit der Regionalklasse zwölf am höchsten eingestuft wurde und somit ein Versicherungsschutz wesentlich teurer ausfallen kann. Der Landkreis mit den wenigsten Unfällen bundesweit ist nach der Bilanz der GDV übrigens Elbe-Elster. Die Unfallrate liegt dort rund 30 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die meisten Unfälle in Brandenburg ereignen sich offenbar in Potsdam und Brandenburg an der Havel.

Im Bereich der Voll- und Teilkaskoversicherungen schneidet Brandenburg ebenfalls gut ab. Nach Angaben des GDV könnte fast jeder dritte Autofahrer von besseren Einstufungen in der Kaskoversicherung profitieren. In der folgenden Grafik zeigt sich, wie die Landkreise in der Vollkasko-Klasse abschneiden. Hier gibt es neun Klassen, wobei die niedrigste auf weniger Schadensmeldungen hinweist und eine hohe Klasse auf vermehrte Schadensmeldungen.

Havelland, Oder-Spree und die Prignitz wurden in der Vollkasko-Klasse um eine Stufe nach unten korrigiert, was sich positiv auf ihre Tarifrechnung auswirken kann. Bei der Teilkasko-Klasse können sich Versicherte aus neun Landkreisen über eine verbesserte Eingruppierung freuen.

Fahrzeughalter mit einer Teilkaskoversicherung aus Brandenburg an der Havel, Elbe-Elster, Frankfurt Oder, Oberhavel, Oder-Spree, Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Spree-Neisse und Teltow-Fläming sind für das kommende Versicherungs-Jahr eine Klasse niedriger eingestuft als noch im laufenden. Ob sich das jedoch positiv in den Versicherungsbeiträgen auswirkt, ist damit allerdings noch nicht gesagt.

Versicherungswechsel bis Ende November

Der Bund der Versicherten empfiehlt unabhängig von einer positiven oder negativen Entwicklung der jeweiligen Regionalklasse den Versicherungstarif regelmäßig zu überprüfen. Der Verband beobachtet deutliche Preisunterschiede bei den Anbietern, aber auch zwischen alten und neu abgeschlossenen Verträgen.

Erk Schaarschmidt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB) teilt mit, dass „Neukundenverträge fast immer günstiger als Verträge von Bestandskunden ausfallen“. Bei Beitragserhöhungen könne man seine Versicherung mit Angeboten konkurrierender Anbieter konfrontieren, um die Konditionen zu verhandeln. So bieten die Stiftung Warentest, Check24, Verivox oder der Bund der Versicherten Vergleichsrechner an, mit dem Fahrzeughalter ermitteln können, ob sich ein Wechsel der Versicherung für sie lohnt. Zudem sei es ratsam, seinen Vertrag gegebenenfalls neu anzupassen. Wer beispielsweise im Ruhestand noch nach höheren Fahrleistungen aus dem Berufsleben bemessen wird, zahlt für den Versicherungsschutz mehr als nötig ist. Durch regelmäßige Anpassung des Versicherungsschutzes können Verbraucher mehrere hundert Euro sparen. Wer dennoch zum Entschluss kommt, die Versicherung wechseln zu wollen, sollte seine Kündigung erst nach Abschluss einer Folgeversicherung einreichen. Die Kündigung muss in der Regel jedoch vor dem 30. November erfolgen.