Bahn-Jahresbilanz
: Nüchterne Bilanz

Am Donnerstag stellte der Staatskonzern seine Jahres-Bilanz für 2018 vor. Was sagen die Zahlen über die Zukunft aus?
Von
Dorothee Torebko
Frankfurt (Oder)
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Prestigestrecke: Mit der Schnellverbindung Berlin - München kommen die Passagiere in vier Stunden in den Süden, doch die DB hat wenig Grund zur Freude.

Uwe Miethe/dpa

Für ihre Jahrespressekonferenz wählte der Staatskonzern einen nüchternen Ort. In einem Hotel unweit des Potsdamer Platzes in Berlin-Mitte gab der Vorstand in einem düster-grauen Raum Auskunft über die Bilanzen 2018. Das Kühle des Ortes – sie passte zu den ernüchternden Zahlen, die Bahnchef Richard Lutz zu verkünden hatte. Denn trotz steigender Passagierzahlen fuhr der Staatskonzern weniger Gewinn ein als im Vorjahr. 2019 ist keine Besserung in Sicht.

Das schlechte Jahr lässt sich anhand der Zahlen ausdrücken: Zwar stieg der Umsatz 2018 um drei Prozent auf 44 Milliarden Euro, doch das bereinigte Ergebnis sank um 1,9 Prozent auf 2,1 Milliarden. Nach Abzug von Steuern und Zinszahlungen auf die Schulden bleibt der Bahn wenig übrig: Nur 542 Millionen Euro kann der Konzern in den Ausbau der Infrastruktur, neue Züge und saubere Bahnhöfe investieren. Das sind fast 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Und „Peanuts“, wenn man bedenkt, dass die Bahn dem Bund allein 650 Millionen Euro an Dividende zahlen muss.

Der hochverschuldete Konzern braucht dringend Geld, die Bahn steht beim Eigner mit fast 20 Milliarden Euro in der Kreide. Allein für die neue ICE4-Flotte wird sie sechs Milliarden Euro blechen müssen, die Umstellung auf das digitale System ETCS, das Stellwerke unnötig macht, sowie der Deutschlandtakt kosten weitere Milliarden im zweistelligen Bereich. Doch all diese Maßnahmen seien nötig, damit mehr Menschen die Schiene nutzen. Erst dann ist die Bahn pünktlich, komfortabel, schnell. Deshalb pumpt die DB 800 Millionen mehr in das System. Lutz betont: „Wir müssen jetzt das Geld in die Hand nehmen. Die Entschlossenheit zu investieren, sehen wir auch in der Politik.“

Doch unbegrenzt ist das Geld  nicht. Zwar hat der Bund 2019 im Vergleich zum Vorjahr eine Milliarde mehr zugesagt, doch das wird nicht reichen. Um Löcher zu stopfen, ist der Verkauf der Auslandstochter Arriva geplant. Am Mittwoch beauftragte der Aufsichtsrat, in dem auch Koalitionäre sitzen, die DB-Chefetage, verschiedene Verkaufsoptionen zu prüfen. Arriva sitzt im englischen Sunderland und betreibt mit über 50 000 Angestellten Busse und Züge in Großbritannien, Italien und Polen. Ihr Verkauf würde rund vier Milliarden Euro zusätzlich bedeuten. Um den Brexit und mögliche Gewinneinbußen macht sich Lutz keine Sorgen. „Der Brexit ist seit zwei Jahren gedanklich immer eingepreist. Mir ist nicht bange“, bekräftigt er.

Der Grüne Bahn-Experte Matthias Gastel lobt den Verkauf und geht sogar noch weiter. Als weiteren Schritt schlägt der Bundestagsabgeordnete vor, Schenker abzustoßen. Das ist ein Logistikdienstleister, der auf allen Kontinenten vertreten ist. Stöße man die Tochter ab, würden weitere Milliarden eingespült. „Die Deutsche Bahn muss sich künftig auf den Schienenverkehr in Deutschland als Kerngeschäft konzentrieren“, fordert Gastel.

Das Kerngeschäft wird – und das ist die gute Nachricht aus dem Jahr 2018 – immer populärer. So reisten erstmals über 150 Millionen Passagiere mit den Fernzügen. Das sind im Vergleich zum Vorjahr 5,7 Prozent mehr. Dass Bahnfahren trotz der häufigen Verspätungen immer beliebter wird, hat mit den Supersparpreisen, die günstiges Reisen bei rechtzeitiger Buchung ermöglichen, dem unzuverlässigen Flugverkehr und dem Ausbau der Strecken zu tun. So boomt die Schnellstrecke von Berlin nach München. Mit dem Zug reist der Bahnfahrer in vier Stunden genauso schnell wie mit dem Flieger und ist schneller als mit dem Bus. „Wir haben ein Umfeld derzeit, das noch nie so gut war für die Schiene“, konstatiert Bahnchef Lutz. Die Deutsche Bahn muss es nur nutzen.