Bahn-Streik
: Diese Strecken in Brandenburg sind betroffen – bei Odeg und NEB „rollt alles“

UPDATE um 12 Uhr: Der Warn-Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer legt fast den kompletten Regional- und Bahn-Verkehr lahm. Die Odeg, die auch die RE1-Linie betreibt, sagt: „Bei uns rollt alles“. Wie kommt das?
Von
Manja Wilde
Frankfurt (Oder)
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Warn-Streik der GDL – die S1 fährt vereinzelt, allerdings nicht die gesamte Strecke. Der RE1 zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin verkehrt.

Marc Schütz

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat einen flächendeckenden Streik von Mittwoch, 15. November, 22 Uhr, bis Donnerstag, 16. November, 18 Uhr, angekündigt.

In Berlin und Brandenburg hat der Warnstreik nahezu den kompletten Regionalverkehr lahmgelegt. Es gebe derzeit nur einzelne Fahrten, teilte ein DB-Sprecher am Donnerstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur mit. Auf einzelnen Strecken biete die Bahn ersatzweise Busse an, beispielsweise zwischen Berlin-Wannsee und Bad Belzig, zwischen Spandau und Nauen oder zwischen Bernau und Eberswalde.

In Oranienburg fahren keine Züge

„Die Busse bieten natürlich nicht so viel Kapazität wie ein Zug und können wegen der unterschiedlichen Streckenführungen bei Schiene und Straße auch nicht immer alle Zwischenhalte anfahren“, teilte der DB-Sprecher mit. Auch sei mit längeren Fahrzeiten zu rechnen, „aber wir können so zumindest ein paar zusätzliche Fahrten anbieten“. Alle Zug- und Busfahrten, die angeboten werden können, seien in den Fahrplanauskünften online zu finden.

So sieht es bei der S-Bahn aus

Für die Berliner S-Bahn ist zur Anbindung der Außenbezirke und Umlandgemeinden an die Berliner Innenstadt ein 20-Minuten-Takt auf vier Linien geplant. Konkret geht es um die S3 (zwischen Erkner und Ostbahnhof), die S46 (zwischen Wildau und Schöneberg), die S5 (zwischen Strausberg Nord und Charlottenburg) und die S9 (von Gesundbrunnen über Ostkreuz, Treptower Park bis Flughafen BER T1-2).

GDL: „Wir sind sehr zufrieden“

„Wir sind sehr zufrieden“, sagte Volker Krumbholz, der GDL-Bezirksvorsitzende Nord-Ost, diesem Nachrichtenportal am Donnerstagmorgen. Die S-Bahn sei im Berliner Stadtbahnbereich lediglich mit 18 Zügen unterwegs. „Das sind keine zehn Prozent“, erklärte der Gewerkschafter.

Im Regionalverkehr würde auf den Strecken der DB in Brandenburg „nichts fahren“. Krumbholz sprach von Totalausfällen auf den Linien des RE2 (Cottbus – Nauen), der RB23 (Flughafen BER – Potsdam), des RE7 (Dessau – Wünsdorf), des RE5 (Berlin – Rostock bzw. Stralsund) sowie der RB32 (Oranienburg – Terminal5 Schönefeld).

Auf diesen Strecken fahren Züge

Ganz anders sieht es bei der Odeg aus. „Alles fährt, alles rollt, alles gut“, sagt Dietmute Graf, die Sprecherin der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH, am Donnerstagmittag. „Wir sind vom Streik auch infrastrukturtechnisch nicht betroffen“, ergänzt sie. Zwar seien einige der 270 Triebwagenführer der Odeg Mitglieder der GDL, „jedoch haben wir einen eigenen Tarifvertrag und der läuft noch“, erklärt Dietmute Graf. Dieser Vertrag umfasse auch die Servicemitarbeiter im Nahverkehr. Die Werkstattmitarbeiter hätten einen separaten Vertrag, der aber ebenfalls noch laufe. Das dürfte auch Reisende, die auf der viel befahrenen RE1-Strecke zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg unterwegs sind, freuen.

Offenbar haben sich aber die meisten Pendler andere Reisemöglichkeiten gesucht. „Der Bahnsteig ist leergefegt“, sagt eine Mitarbeiterin des Tower-Cafés am Bahnhof Fürstenwalde. Sie hat um 2 Uhr in der Nacht ihre Schicht begonnen und immer mal wieder einen Zug gesehen. Einige Eltern haben aufgrund der angekündigten Ausfälle entschieden, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken. „Wir hatten heute bislang rund fünf Abmeldungen aufgrund des Streiks“, hieß es etwa aus dem Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner am Donnerstag, gegen 8 Uhr. Bei 900 Schülern sei das aber vergleichsweise wenig.

Odeg-Verbindungen auch nicht sicher

Wie die Deutsche Bahn hatte auch das konkurrierende Eisenbahnunternehmen Odeg auf seinen Linien Ausfälle erwartet. Die GDL hatte auch Fahrdienstleiter zum Warnstreik aufgerufen, die den gesamten Bahnverkehr auf dem deutschen Schienennetz koordinieren. Da die Ostdeutsche Eisenbahn die Infrastruktur der Deutschen Bahn nutze, seien Einschränkungen möglich, hieß es. „Es hat sich aber kein Fahrdienstleiter beteiligt“, sagte GDL-Mann Krumbholz am Donnerstag gegen 8 Uhr.

Auch auf der RB36, die die Strecke Frankfurt (Oder)–Zernsdorf bedient, werden Verbindungen angezeigt – zum Beispiel 17.59 Uhr, 18.59 Uhr und 19.59 Uhr. Das gilt auch für die RB60 von Frankfurt (Oder) nach Eberswalde. Reisende, die von Frankfurt nach Rzepin in Polen wollen, können noch hoffen, dass ihr Züge um16.49 Uhr und 18.49 Uhr abfahren.

Von Cottbus aus sind beispielsweise alle Züge der RB 43 und des RE10 am Donnerstagvormittag gestrichen. Für den Feierabendverkehr sieht es (noch) besser aus: So soll etwa um 17.02 ein RE10 von Cottbus nach Frankfurt (Oder) fahren. Der Bus RE2X soll um 17.40 Uhr von Cottbus zum Flughafen BER rollen. Und die RB 43 um 18.02 Uhr nach Frankfurt (Oder).

Auch das Personal der Niederbarnimer Eisenbahn ist nicht am Streik beteiligt. „Auch von uns sind einige Lokführer Mitglied in der GDL, aber sie haben einen völlig anderen Tarifvertrag als die DB“, erklärt Unternehmenssprecher Holger Reimann. Für die Strecke Bad Saarow-Pieskow – Fürstenwalde (Spree) meldet das Unternehmen jedoch eine Fahrzeugstörung, weshalb der Verkehr bis 16.48 Uhr unterbrochen sein soll, ist auf der Internetseite zu lesen.

Die Deutsche Bahn (DB) teilt mit, dass sie für den Fernverkehr einen Notfahrplan mit stark reduziertem Angebot erarbeitet habe. Für diese Fahrten setzt die DB längere Züge mit mehr Sitzplätzen ein, um möglichst viele Menschen an ihr Ziel bringen zu können. Dennoch könne eine Mitfahrt nicht garantiert werden.

Warnstreik bei der Bahn: Auch die S-Bahn ist betroffen

Auch bei den S-Bahnen wird es Ausfälle geben. „Achtung: Es kann bereits vor Streikbeginn und nach Streikende zu Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr kommen“, teilt die S-Bahn auf X (ehemals Twitter) mit. „Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG sind vom Streik nicht betroffen“, heißt es dort aber auch.

Die S-Bahn Berlin strebe einen Notfahrplan an, heißt es auf der Internetseite. Zur Anbindung der Außenbezirke und Umlandgemeinden an die Innenstadt werde ein 20-Minuten-Takt auf den folgenden Linien angeboten:

Auch der angestrebte Notfahrplan, heißt es auf der Internetseite der S-Bahn, ist davon abhängig, wie viel Personal tatsächlich zur Verfügung stehe.

Wer die Abfahrten der S3 in der VBB-App sucht, stellte schon am Mittwoch fest, dass am Donnerstagmorgen alle Züge zwischen 7 Uhr und 10.30 Uhr gestrichen sind – deutlich besser sieht es für den Feierabendverkehr aus. Dafür werden morgens und abends RE1-Verbindungen angezeigt.

Der RE1 wird von der Odeg betrieben. „Unsere Mitarbeiter streiken nicht“, sagt Swantje Mielke aus der Presseabteilung des Unternehmens. Aber: „Wir sind abhängig von der Infrastruktur der DB und wenn dort ein Stellwerkmitarbeiter streikt, können wir die Strecke auch nicht fahren“, erklärt sie. Insofern würden alle derzeitigen Verbindungen wackeln. Das gilt für alle Odeg-Linien. In Brandenburg betrifft das etwa den RE8 von Elsterwerda nach Berlin Hauptbahnhof und den RE8 von Wismar zum Flughafen BER.

Das können Bahn-Reisende tun, deren Züge ausfallen

Die DB bedauert sehr, dass die Reisepläne von Millionen Bahnkundinnen und -kunden betroffen sind. „Alle Fahrgäste, die ihre für den 15. oder 16. November geplante Reise aufgrund des Streiks der GDL verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen“, heißt es auf der Website des Unternehmens. Die Zugbindung sei aufgehoben. Die Fahrkarte gelte dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen könnten kostenfrei storniert werden.

Die DB hat eine kostenlose Streikhotline unter 08000 99 66 33 eingerichtet.

Aus Sicht der Bahn ist der Streikbeschluss zwei Tage vor der nächsten Verhandlungsrunde „ein Unding“. DB-Personalvorstand Martin Seiler wird wie folgt zitiert: „Jetzt zeigt die Spitze der Lokführergewerkschaft ihr wahres Gesicht, sie war nie an Lösungen interessiert. Der Streikbeschluss zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Unding. Wir haben gerade erst vier weitere Verhandlungstermine mit der Lokführergewerkschaft vereinbart, wir haben bereits in der Auftaktrunde ein 11-Prozent-Angebot auf den Tisch gelegt. Sollte die Lokführergewerkschaft tatsächlich vor den unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen streiken, würde sie Millionen Menschen in Haftung nehmen und die Sozialpartnerschaft mit Füßen treten.“ Mit der Lokführergewerkschaft waren folgende Verhandlungstermine vereinbart: 16./17. November (Berlin), 23./24. November (Berlin), 5./6. Dezember (Potsdam), 14./15. Dezember (Berlin).

Nach der Streikankündigung ändert sich das. DB-Personalvorstand Martin Seiler teilte am Mittwoch mit: „Wir werden in dieser Woche nicht mit der Lokführergewerkschaft verhandeln.“ Entweder man streike oder man verhandele, beides gleichzeitig gehe nicht. „DB und Lokführergewerkschaft hatten eigentlich einen klaren Fahrplan vereinbart, dass es auf der Grundlage des 11-Prozent-Angebots weitergeht“, erinnerte Seiler. Wer Verabredungen breche und Millionen Reisende mit einem kurzfristigen Streik in Haftung nehme, könne nicht erwarten, dass die DB weiter am Verhandlungstisch sitze.

Das rät die GDL streikwilligen Abeitnehmern

  • Die Arbeitsniederlegung durch die Teilnahme an einem rechtmäßigen Streik stellt keine Arbeitsvertragsverletzung dar und führt nicht zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen.
  • Streiks sind vorübergehende, von Gewerkschaften getragene Arbeitsniederlegungen zur Unterstützung tarifvertraglich regelbarer Ziele.
  • Jedes GDL-Mitglied, aber auch jeder andere Arbeitnehmer, der vom Streikaufruf erfasst ist, darf am Streik aktiv teilnehmen, soweit keine Verpflichtung zur Ausführung von Notdiensten besteht. Die Arbeitsleistung darf aufgrund des Streikrechts und der Beteiligung an einem rechtmäßigen Arbeitskampf verweigert werden. Näheres geht aus dem Streikaufruf hervor.
  • Beachten Sie bei Bedarf die Hinweise für Leiharbeitnehmer, die bei der GDL gesondert angefordert werden können.
  • Die von den örtlichen Streikleitungen anerkannten und vereinbarten Notdienstarbeiten müssen erledigt werden. Bei Unstimmigkeiten ist eine sofortige Abstimmung mit der jeweiligen örtlichen Streikleitung erforderlich.
  • Verhalten Sie sich bei der Durchführung von Streiks gesetzestreu. Hindern Sie arbeitswillige Mitarbeiter nicht mit unverhältnismäßigen Mitteln (Gewalt) am Zutritt zum Betriebsgelände, anderen betrieblichen Einrichtungen und/oder Fahrzeugen. Blockieren Sie weder Ihren Arbeitsplatz noch den Betrieb!
    Quelle: Gewerkschaft der Lokomotivführer

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