Barrierefrei
: Landhausgarten mit Leitsystem für sehbehinderte und blinde Menschen

In Kladow hat das Bezirksamt Spandau einen taktilen Lageplan und Stelen mit QR-Codes, Braille und erhabener Profilschrift installiert.
Von
Jacqueline Westermann
Berlin
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Direkt am Wasser: eine Stele im Landschaftsgarten Dr. Fraenkel in Kladow mit Informationen in Braille und erhabener Profilschrift. Über das Scannen des QR-Codes wird eine Homepage mit ausführlichen Informationen in einfacher Sprache aufgerufen.

Jacqueline Westermann

Am Eingang des Parks steht die durch Corona erst kürzlich offiziell eröffnete Tafel; der taktile Plan, der sehbehinderten und blinden Menschen einen Überblick über Highlights und ihre jeweilige Lage im Fraenkel-Garten gibt. Sowohl Braille als auch erhabene Profilschrift, also ertastbare lateinische Buchstaben, zeigen, wo der Gemüse- oder der Rosengarten liegen, das ehemalige Geflügelhaus oder der Sitzplatz am Bootshaus. An den jeweiligen Orten stehen Metallstelen, die erneut in Braille und erhabener Profilschrift den Ort indizieren. Außerdem ist ein QR-Code abgebildet, der mit einem Smartphone gescannt automatisch eine Seite mit Informationen in leichter Sprache aufruft, die dann vorgelesen werden.

Obwohl „Leitsystem kann man es nicht ganz nennen, weil nicht überall taktile Informationen am Boden installiert werden konnten und so nicht vollständig geleitet wird“, erklärt Peter  Woltersdorf, Spezialist für barrierefreies Bauen beim Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV). Er war maßgeblich in die Planung des Systems in Kladow involviert, das durch den ABSV und Spandau Inklusiv vorangetrieben wurde. Spandau Inklusiv ist verantwortlich für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die alle Bereiche des öffentlichen Lebens für Menschen mit Beeinträchtigungen nutzbar und erschließbar machen soll. „Stück für Stück soll der Bezirk barrierefrei gemacht werden“, erklärt Sargon Lang, Beauftragter für Senioren und Menschen mit Behinderung im Bezirksamt Spandau.

„Der Landhausgarten Dr. Fraenkel ist eigentlich ein Vorzeigeprojekt, weil öffentliche Vorhaben barrierefrei sein sollten, es aber selten sind“, erzählt Lang am Telefon. Durch die Installation des Systems im Garten habe er viel gelernt. Wie wichtig es sei, Betroffene in den Prozess zu involvieren, um die Geeignetheit zu prüfen, sodass zum Beispiel Standorte der Stelen nicht zum Hindernis werden. Das System sei „notwendig für beeinträchtigte Menschen, aber auch eine schöne Sache für Sehende“, sagt Lang. Denn natürlich könnten alle die Informationen über das Scannen des QR-Codes erhalten.

Kleines Kulturprogramm

Das Bewusstsein, Belange behinderter Menschen bei allen Entscheidungen mitzuberücksichtigen, sickere langsam in alle Planungsbereiche des Amtes. „Wir wollen das zukünftig beibehalten für Orte, wo wir Grünanlagen sanieren und nutzbarer machen“, so der Beauftragte.

Auch Annette Müller findet den Garten besonders. „Ich wüsste nicht, dass es noch so einen Privatgarten gibt, der kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich ist“, sagt die Betreiberin des Sommercafés im Garten. Die Mischung aus architektonisch angelegten und landschaftlichen Teilen, die durch Hecken getrennt sind, dazu der weite Blick und die Wasserlage.

Mit zunehmenden Lockerungen der Corona-Auflagen beginnt jetzt wieder das kleine Kulturprogramm, das Müller und ihre Partnerin und Co-Betreiberin Petra Derksen regelmäßig organisieren. Sonntags um 12 Uhr bieten sie zudem Führungen durch die Anlage an (drei Euro/Person, ohne Voranmeldung). Dabei erfahren Interessierte Details zur Geschichte, vor allem über die Gestaltung von 1925 bis 1933 durch Berlins ehemaligen Stadtgartendirektor Erwin Barth. Der historische Ort war aufwendig von 2011 bis 2016 saniert worden, seitdem kümmert sich das Grünflächenamt des Bezirkes um die drei Hektar.

„Es ist immer in einem Top-Pflegezustand“, sagt Müller. Vor allem sei der Garten jetzt noch barrierefreier; zugänglich für Rollstuhlfahrer und durch das neue Leitsystem eben auch für Menschen mit Seheinschränkung erkundbar.