„Wir waren auf jeden Fall in Todesangst“, sagt Christian Bangel, politischer Autor bei Zeit Online, im Trailer für die Doku-Reihe „Baseballschlägerjahre – Die Wendegeneration und die rechte Gewalt“. Produziert wurde der Sechsteiler vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und Zeit Online. Betroffene und Täter berichten von einer dunklen Zeit in Deutschland.
Der Journalist Christian Bangel ist in Frankfurt (Oder) geboren, dort aufgewachsen und hat diese dunkle Zeit am eigenen Leib miterlebt. Bangel gab diesen Jahren nach der Maueröffnung den Namen „Baseballschlägerjahre“. Auf Twitter rief er unter dem gleichnamigen Hashtag andere dazu auf, von ihren Erfahrungen mit Hass, Rassismus und Gewalt zu berichten. Zahlreiche Erinnerungen aus Ost und West kamen zusammen, ein Austausch entstand. Das Ausmaß rechter Gewalt in Deutschland in der Nachwendezeit wurde noch einmal sichtbarer.

Hashtag Baseballschlägerjahre bringt Gewalterinnerungen zum Vorschein

Die zahlreichen Reaktionen auf seinen Aufruf machten ihn damals froh, sagt Bangel. „Das Gefühl, mit diesen Gewalterinnerungen alles andere als allein zu sein, kannte ich schon ein wenig aus der Zeit nach der Veröffentlichung meines Romans, aber mit dem Hashtag kam das noch einmal viel stärker.“
Er fand es gut, zu erleben, „wie sehr es andere offenbar zutiefst befreite, darüber endlich mal öffentlich sprechen zu können, ohne dass offen angezweifelt wurde, was ihnen geschehen ist. Oder sie als sogenannte Nestbeschmutzer angefeindet wurden.“
Bereits im ersten Film der Doku-Reihe geht Bangel selbst auf Spurensuche in seiner Heimat Frankfurt (Oder). Bei der filmischen Aufarbeitung von Hass, Rassismus und Gewalt in Nachwendezeit sind sechs 15-minütige Filme entstanden, die sowohl in der Mediathek, im Internet und im Fernsehen zu sehen sein werden. Die Zeit des Umbruchs und der Gewalt wird beleuchtet und der Blick auf das Heute gelegt. Was ist aus dieser Zeit in Ostdeutschland, in den Köpfen der Menschen heute noch hängen geblieben? Welche Narben sind entstanden? Welche konnten mit der Zeit verheilen?

Geschichten aus Magdeburg, Eberswalde und Rostock

So geht es unter anderem nach Magdeburg. Die Filmemacherin Adama Ulrich dokumentiert dort die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und linker Szene in den 1990er Jahren. Auch die tragische Geschichte des jungen Angolaners Amadeu Antonio, der damals als Vertragsarbeiter in die DDR kam, wird erzählt. Er wurde Opfer brutaler Gewalt von Skinheads und in Eberswalde getötet.
Die MEGA, eine Sondereinheit der Brandenburger Polizei, die 1998 zur Eindämmung und Verfolgung rechter Gewalt ins Leben gerufen wurde, wird thematisiert. Es wird ein junger Thüringer porträtiert, ein Aussteiger aus der militanten Neonazi-Szene, der heute damit kämpft, die Zeichen seiner Vergangenheit loszuwerden und sich seine rechten Tattoos schmerzhaft vom Körper entfernen lässt.
Und es geht nach Rostock. Im letzten Teil der Reihe kommt Nguyen Dinh Khoi zu Wort. Hass und Rassismus kennt er nur zu gut. Schläge, Tritte und Herabwürdigungen hat er erlebt – und überlebt. Und dennoch ist er geblieben.

Zu Wort kommen Betroffene rassistischer und rechter Gewalt

„Wir, der rbb und Zeit Online, haben versucht, ein möglichst vielfältiges Bild der Baseballschlägerjahre zu zeichnen“, sagt Bangel. Es sei dem Team wichtig, dass vor allem Betroffene rassistischer und rechter Gewalt zu Wort kommen, aber auch Akteure aus Polizei, Justiz, Kirchen, Politik und Zivilgesellschaft. „Ich glaube, es ist uns gelungen, diese Zeit annähernd so zu beschreiben, wie sie war“, so der Journalist.
Ab dem 1. Dezember sind die Filme in der ARD-Mediathek und auf den YouTube- und Facebook-Kanälen des rbb zu sehen. Zeit Online veröffentlicht die Videos auf der eigenen Website und im Instagram-Kanal und ergänzt sie durch Materialien, Kommentare und Interviews. Am Mittwoch, den 2. Dezember 2020, um 23 Uhr läuft die erste Folge im rbb Fernsehen.