Bauen mit Holz in Brandenburg
: Die Nachfrage wächst – diese Probleme und Erfolge hat die Holz-Branche

In der Holz-Branche fehlen Fachkräfte. Ein Unternehmen aus Mittenwalde bietet eine Lösung an. Und die Hochschule in Eberswalde hat spezielle Ausbildungen im Blick.
Von
Joachim Göres
Mittenwalde / Eberswalde
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  • Häuser, die komplett aus Holz gebaut sind, finden sich Brandenburg noch selten.

    Häuser, die komplett aus Holz gebaut sind, finden sich Brandenburg noch selten.

    Torsten Richter-Zippack
  • Björn Timme, Geschäftsführer der Timme Stapelautomaten GmbH aus Mittenwalde, präsentiert auf der Messe Ligna in Hannover Timme-Stapelautomaten.

    Björn Timme, Geschäftsführer der Timme Stapelautomaten GmbH aus Mittenwalde, präsentiert auf der Messe Ligna in Hannover Timme-Stapelautomaten.

    Joachim Göres
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Holz ist ein begehrtes Material, wegen seiner guten Umweltbilanz als nachwachsender Rohstoff zum Beispiel fürs Bauen oder auch zur Gewinnung von Energie. Gleichzeitig sind die Preise für Holz in der Vergangenheit deutlich gestiegen. Mehr denn je sind neue Holzprodukte gefragt, die Ressourcen und Fachkräfte sparen.

Der Holzbau ist in Süddeutschland traditionell am stärksten verbreitet. 2021 lag die Holzbauquote bei Wohnungsneubauten in Baden-Württemberg bei 34,3 Prozent, gefolgt von Hessen (27,3) und Bayern (26,1).

Wenig Holzbauten in Brandenburg

In Brandenburg liegt der Anteil bei 17 Prozent und damit deutlich unter dem bundesdeutschen Schnitt. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hat in einem Architekturführer gelungene Holzbaubeispiele aus ganz Deutschland detailliert beschrieben, darunter mitten im Wald ein neues Wohnhaus in Groß Köris (Dahme-Spreewald), einen Neubau in einem denkmalgeschützten Mauerwerk in Schöneiche (Oder-Spree), ein Atelier aus Holz und Glas als Erweiterung eines Wohnhauses in Michendorf (Potsdam-Mittelmark) sowie den Umbau des alten Gasthofes Gutengermendorf zum Mehrgenerationenhaus mit Veranstaltungsraum im Löwenberger Land.

Gleichzeitig stellen in einer gemeinsamen Studie der WWF und die Universität Kassel fest, dass derzeit weltweit der Holzverbrauch deutlich höher ist, als den Wäldern nachhaltig entnommen werden darf. Es müsse also darum gehen, weniger Holz zu verwenden – beim mit dem Deutschen Holzbaupreis ausgezeichneten achtstöckigen Wohn- und Geschäftshaus in Freiburg wurden durch den Einsatz der Holztafelbauweise 44 Prozent des Materials gegenüber der Holzmassivbauweise eingespart.

Der Holzpreis ist inzwischen übrigens wieder deutlich gesunken, laut Wirtschaftsdienst Euwid bei Konstruktionsvollholz seit dem Mai 2022 bis heute um mehr als 35 Prozent.

Stapelautomaten für den Holzbau

Die Timme Stapelautomaten GmbH aus Mittenwalde (Dahme-Spreewald) stellt Stapelautomaten her, die von der holzverarbeitenden Industrie bei der Bearbeitung von Holzwerkstücken eingesetzt werden. „Die Nachfrage ist sehr gut, nicht zuletzt, weil immer häufiger Fachpersonal fehlt und deswegen immer mehr automatisiert wird“, berichtet Geschäftsführer Björn Timme, Chef von 15 Mitarbeitern. Die Anlagen von Timme kosten zwischen 20.000 und 560.000 Euro. Wegen Problemen bei der Beschaffung des nötigen Materials müssen Timme-Kunden aktuell mit einem Lieferverzug von einem halben Jahr rechnen.

„40 Prozent der Kunden haben angesichts der allgemeinen Lieferkettenprobleme Verständnis, 60 Prozent sind verärgert. Abgesprungen ist deswegen noch niemand, denn es gibt wenig Konkurrenz für uns“, sagt Timme. Neben fehlenden Grundmaterialien ist der Fachkräftemangel auch ein Problem für den Hersteller von Stapelmaschinen. „Wir suchen Industriemechaniker, finden aber kein entsprechendes Personal“, so Timme.

Firmen reißen sich um Holzingenieure

Kein Wunder, dass angehende Holzingenieure derzeit heiß begehrt sind. „Firmen sprechen unsere Studierenden unter anderem auf Messen gezielt an, um sie noch vor ihrem Abschluss anzuwerben. Wir raten davon ab, denn als Hochschulabsolvent hat man mehr Möglichkeiten und verdient auch besser“, verdeutlicht Mario Teichmann, an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Qualitätsreferent im Fachbereich Holzingenieurwesen. Dort werden der Bachelor-Studiengang und der duale Bachelor-Studiengang Holzingenieurwesen sowie der Master-Studiengang Holztechnik angeboten. „In allen drei Studiengängen haben wir noch freie Plätze. Man muss schon für den Hochschul-Standort Eberswalde werben“, sagt Teichmann und ergänzt: „Das betrifft auch Unternehmen, die wir als Kooperationspartner für unseren dualen Studiengang suchen.“

Anerkennung für Grundschule aus Neuruppin

Wie Holz Architektur verändern kann, zeigte sich auf der Ligna, einer internationalen Fachmesse der holzverarbeitenden Branche, im Mai in Hannover. Dort wurde der Deutsche Holzbaupreis vergeben. In diesem Rahmen wurde der Um- und Neubau einer Grundschule in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) mit einer besonderen Anerkennung gewürdigt. „Das neu entstandene Bauwerk ist auszeichnungswürdig durch die geschickte Kombination eines bestehenden Plattenbaus mit einem ergänzenden Anbau sowie dem Neubau einer Sporthalle“, hieß es in der Begründung der Jury.

Dabei hat der einstige Plattenbau sein Aussehen total verändert. Die nichttragenden Außenwände des viergeschossigen Gebäudes aus Beton wurden entfernt. Alle drei Gebäudeteile umfasst eine vorgefertigte wärmegedämmte Hülle aus Holztafelelementen mit Holzfaserdämmung und einer Außenfassade aus heimischem Lärchenholz. Umgesetzt hatten den Umbau Architekten und Tragwerksplaner aus Berlin sowie die Stadt Neuruppin als Auftraggeber und die Treskower Zimmerer und Dachdecker GmbH aus Märkisch Linden als ausführende Handwerker.

Geywitz wirbt für Holz als Baustoff

„Holz ist überwiegend optisch sehr ansprechend, klimaschonend und oft in der Bauzeit schnell umsetzbar, was Kosten spart. Zudem ist Holz häufig das einzig gangbare Material, wenn es um Aufstockung bei Bestandsgebäuden geht“, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) bei der Verleihung des Preises. „Künftig muss mehr berücksichtigt werden, wie viel CO2 bei der Herstellung von Gebäuden und Dämmmaterial anfällt“, forderte Geywitz und fügte hinzu: „Das klimafreundliche Holz muss mehr als Baustoff genutzt werden.“