Bereits vor Totensonntag: Weihnachtsmärkte in Berlin öffnen früher

Frühstarter: Die Winterwelt am Potsdamer Platz hat schon vier Wochen vor dem ersten Advent aufgemacht.
Maria Neuendorff/MOZAls christlich gilt eigentlich die Regel, mit dem leuchtenden Weihnachtszirkus nach dem Totensonntag (24. November) zu beginnen. "Ich selbst habe gerade einen Trauerfall in der Familie, aber ich weiß auch von anderen, dass es ihnen wichtig ist, an diesem Tag der Toten ungestört zu gedenken“, sagt Pfarrer Alexander Brodt–Zabka vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte. Deswegen begrüßt er es, dass die Winterwelt zumindest an den zwei Trauersonntagen im November geschlossen bleibt. Doch generell habe sich die Terminologie in der Konsumwelt komplett verschoben. „Advent heißt ja eigentlich: warten, also mal inne– und aushalten“, erklärt der Pfarrer. „Doch das ist schwer, wenn man schon Anfang September in den Supermärkten mit Weihnachtsgebäck konfrontiert wird.“
Trotzdem gebe es auch viele Beispiele der guten Zusammenarbeit zwischen Marktbetreibern und der Kirche, findet Brodt–Zabka. So werde seine Gemeinde etwa den Weihnachtsmarkt vor dem Roten Rathaus am 25. November feierlich miteröffnen.
„In guter Tradition gibt es am Tag nach dem Ewigkeitssonntag eine gemeinsame Andacht mit den beiden Kirchen“, sagt auch Phillip Haverkamp, Sprecher des Handelsverbands Berlin–Brandenburg. Die meisten Marktbetreiber und Händlergemeinschaften hielten sich noch an das ungeschriebene Gesetz, die Weihnachtsbeleuchtung erst nach dem Ewigkeitssonntag anzuschalten.
Doch von Jahr zu Jahr scheint es mehr zeitliche Ausreißer zu geben. Unter der Überschrift „Weihnachten im Tierpark“ eröffnet am 21. November im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) zum ersten Mal ein winterliches Lichtfest in Friedrichsfelde.
Das Konzept erinnert sehr an den „Christmas Garden“, der schon an diesem Freitag im Botanischen Garten in Dahlem eröffnet. Noch vor dem Volkstrauertag (17. November) begegnen dort Besucher auf einem zwei Kilometer langen Rundweg beleuchteten Rentieren, singenden Engeln und dem Weihnachtsmann.
„Die vielen und vor allem sehr unterschiedlichen Märkte in Berlin ziehen inzwischen auch internationale Touristen an“, sagt Christian Tänzler, Sprecher von Visit Berlin. So gelten November und Dezember inzwischen nicht mehr als Nebensaison. Seit man nach der Jahrtausendwende angefangen habe, mit den Berliner Adventsmärkten offensiv zu werben, hätte deren Anzahl immer weiter zugenommen. Inzwischen gibt es mehr als 70 Angebote in der Stadt.
Und so eröffnet an diesem Freitag auf dem Nollendorfplatz der erste schwul–lesbische Weihnachtsmarkt. Mit bunten Ständen, Drag–Bingo und Showprogramm wollen die Veranstalter für ausgelassene Stimmung sorgen. Aus Pietätsgründen nennt man sich aber erst ab dem 25. November "Christmas Avenue“. Davor starten bis zum 23. November die „LGBTIQ* Winterdays“.
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