Berliner Luftbrücke
: Rosinenbomber mit Herzchen

Wenn die Berliner Luftbrücke plötzlich bunt wird: Miniaturwelt „Little Big City“ lud Grundschüler zum Malwettbewerb
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Abflug auf Knopfdruck: Schüler bei der Siegerehrung des Luftbrücken-Malwettbewerbs im Little Big City. Die 15 besten eingereichten Rosinenbomber werden als Projektion gezeigt.

Jens Kalaene/dpa

Maxima Bär hat Herzen auf den Flieger gemalt, nachdem ihr die Eltern erklärt hatten, warum damals vor 70 Jahren Flugzeuge während der sowjetischen Blockade die West–Berliner Bevölkerung mit Nahrung aus der Luft versorgen mussten.

Die Liebes–Botschaft der Siebenjährigen aus Berlin–Mitte fliegt nun als 3D–Projektion über die Miniatur–Stadt am Alexanderplatz. Anlässlich des diesjährigen Luftbrückenjubiläums wurden Kinder an zentralen Orten der Stadt aufgefordert, Rosinenbomber  zu bemalen. Über 500 farbenfrohe Bilder entstanden. Die besten Zeichnungen wurden digitalisiert und in Projektionen umgewandelt.

In der Jury war auch Vera Mitschrich. Im Alter von sechs Jahren erlebte sie hautnah, wie die Rosinenbomber 1948 und 1949 Tempelhof im Minutentakt anflogen, um der ausgehungerten Bevölkerung Trockenkartoffeln und Eipulver zu bringen.  „Wir wären sonst verhungert“, erzählt die Zeitzeugin. Für sie, die als Kind in Steglitz lebte, sei es eine große Freude gewesen, den Fliegern zuzuschauen. Vor allem, wenn "Candy–Bomber“ Gail Halvorsen Süßes für die Kinder in kleinen Fallschirmen vom Himmel regnen ließ. Wenn dann die Schokolade in den Bäumen am Rande des Flugfeldes landete, mussten ihre größere Schwester und der  Vater klettern, um die kleinen Geschenke „abzupflücken.“

Doch die 76–Jährige erinnert sich  auch an traurige Ereignisse. „Zwei Straßen weiter stürzte ein Rosinenbomber ab und zwei Piloten starben. Ich kann mich noch gut an die Ruine erinnern“, erzählt die Berlinerin. Insgesamt 41 Briten, 31 US–Amerikaner und 13 Deutsche verloren während der weltweit einmaligen Hilfsaktion bei Unfällen ihr Leben.

Gail Halvorsen hat heute das stolze Alter von 98 Jahren erreicht. Vera Mitschrich hat den Candy–Bomber schon viele Male persönlich treffen dürfen. Seit 20 Jahren wird sie als Zeitzeugin regelmäßig auf Luftbrücken–Feste eingeladen. Seit 2018 ist die Berlinerin Event–Botschafterin der Veranstaltung „Großes Alliierten–Fest“ in Reinickendorf. Sie und der Organisator Johannes–Sebastian Strauss sind allerdings besonders enttäuscht über das Berliner Jubiläums–Fest im Mai auf dem Flughafen Tempelhof. „Der einzige Rosinen–Bomber, der da sowieso immer steht, war eingezäunt“, ärgert sich Strauss noch heute.

Die Luftbrücken–Vereine und ehemaligen Piloten, mit denen er zusammenarbeitet, hatten ursprünglich geplant, mit alten berühmten DC–3-Maschinen aus verschiedenen Ländern in Tempelhof zu landen und noch einmal Schokolade für Kinder abzuwerfen. Die Zeremonie zum 70. Jahrestag des Endes der Berlin–Blockade mit Veteranen aus mehreren Ländern scheiterten am Berliner Behörden–Hickhack und fand dafür unter anderem in Wiesbaden statt. „Das ist eigentlich eine Schande“, sagt Strauss.

Zumindest in der Ministadt am Fernsehturm kreisen Rosinen–Bomber und Care–Pakete im Maßstab von 1:24 über den Köpfen der Besucher. Ihren Wunsch für die Zukunft Berlins kann Gewinnerin Maxima Bär in einem Wort ausdrücken: „Frieden“.