Bertelsmann-Stiftung: Brandenburg im Mittelfeld: Es fehlen mehr als 100 000 Kita-Fachkräfte

Ein Mädchen spielt in einer Kita mit bunten Bechern und Bauklötzen.
Uwe Anspach/dpaZufrieden ist Studienautorin Kathrin Bock-Famulla dennoch nicht. Immer noch fehlten bundesweit 106 500 Fachkräfte, um den Nachwuchs kindgerecht zu betreuen, kritisiert sie. Der Personalschlüssel verbessere sich „vielerorts viel zu langsam“. Anke König, Pädagogik-Professorin an der Universität Vechta, fordert aus diesem Grund, dass verstärkt Männer für den Beruf gewonnen werden. Derzeit sind 94 Prozent der Fachkräfte weiblich. „Das zeigt: Wir nutzen die Ressourcen nicht genug“, sagt König dieser Zeitung.
In den vergangenen Jahren hat es einen regelrechten Ansturm auf Kita-Plätze gegeben. Mehr als drei Millionen Kinder waren 2018 in einer Kindestagesstätte untergebracht, fast 400 000 mehr als zehn Jahre zuvor. In demselben Zeitraum ist allerdings auch die Zahl der Mitarbeiter gestiegen, auf derzeit rund 600 000. Die Bertelsmann-Stiftung fordert aber weitere Anstrengungen. Sie empfiehlt bei unter Dreijährigen ein Verhältnis von einer pädagogischen Kraft zu drei Kindern, zurzeit beträgt es eins zu 4,2. Noch schlechter sieht es bei den über Dreijährigen aus: Statt dem empfohlenen Verhältnis eins zu sieben waren es im vergangenen Jahr im deutschlandweiten Schnitt eins zu 8,9.
Bei den Bundesländern liegt Baden-Württemberg mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu drei bei den Kleineren und eins zu sieben bei den Größeren an der Spitze. Letzter ist Sachsen – dort beträgt das Verhältnis eins zu 6,2 beziehungsweise 12,7. Brandenburg liegt im Mittelfeld. Hier hat sich die Situation laut der Studie in den vergangenen Jahren aber „deutlich verbessert“. In den Krippen ist eine pädagogische Fachkraft statistisch für 5,6 Kinder zuständig. Fünf Jahre zuvor waren es 6,5. In den Kindergärten beträgt das Verhältnis nun nur noch eins zu 10,5 statt zuvor eins zu 11,5 – laut Studie „neben Sachsen-Anhalt der größte Qualitätssprung“. Dennoch brauche das Land weitere 8200 Erzieherinnen und Erzieher, um auf den empfohlenen Personalschlüssel zu kommen.
Beim Potsdamer Bildungsministerium freut man sich über das Lob. Den „guten Fachkraft-Kind-Schlüssel“ habe man erreicht, obwohl man verlängerte Betreuungszeiten für Vorschulkinder anbiete, teilte eine Sprecherin mit.
Studienautorin Bock-Famulla kritisiert jedoch, dass manche Länder – darunter auch Brandenburg – die Bundesmittel aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ mehr für Qualitätsverbesserungen hätten einsetzen sollen. „Stattdessen verwendet man einen großen Teil des Geldes, um die Kita für alle Eltern beitragsfrei zu machen, egal, ob sie viel oder wenig verdienen“, sagt sie.
Forscherin König dringt ebenfalls auf weitere Qualitätsverbesserungen. Dem Personalproblem könne man beikommen, indem man nicht nur mehr Erzieher ausbilde, sondern mehr mit „heterogenen Teams“ arbeite. Dazu zählt sie Kindheitspädagogen, Erziehungswissenschaftler, Sozialarbeiter, aber auch Quereinsteiger – wobei man darauf achten müsse, dass die pädagogischen Verantwortlichkeiten nur qualifizierten pädagogischen Fachkräften zukomme. Wenn man alle Ausbildungsebenen bespiele, könne man die von den Studienautoren beschriebene Personallücke eines Tages tatsächlich schließen.
