Bildung
: Jeder 100. lernt Polnisch

Das Interesse an der Sprache des Nachbarlands steigt langsam, aber stetig.
Von
Dietrich Schröder
Frankfurt (Oder)
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Insbesondere in Grenzorten gefragt:  Das Polnisch-Angebot an Brandenburger Schulen ist überschaubar.

dpa/Jens Büttner

„Chetnie po polsku — Gerne auf Polnisch“. So lautet der Titel einer Konferenz, die sich ab heute Nachmittag auf Schloss Trebnitz bei Seelow mit dem Polnisch–Unterricht in Brandenburg beschäftigen wird. Um die damit verbundenen Probleme zu verdeutlichen, braucht man sich nur im umliegenden Kreis Märkisch Oderland umzuschauen. Denn obwohl dieser an Polen grenzt, gibt es derzeit an keiner einzigen Schule ein reguläres Angebot.

Auch der Leiter des Gymnasiums in der Kreisstadt Seelow, Uwe Dengler, muss passen: „Wir haben keine Polnisch– und übrigens auch keine Spanischlehrer. Deshalb müssen wir uns auf die Klassiker Englisch, Französisch und Russisch beschränken“, sagt er. Allerdings sei auch die Nachfrage nach Polnisch relativ gering. „Am Tag der offenen Tür spielt das Thema ab und zu eine Rolle, ansonsten kaum.“

Ganz anders im Nachbarkreis Oder–Spree: Dort kann man an zwei Grundschulen in Eisenhüttenstadt Polnisch lernen und seine Kenntnisse anschließend am freien Gymnasium in Neuzelle oder am Oberstufenzentrum in Fürstenwalde weiterentwickeln. An der Europaschule in Storkow ist Polnisch sogar in den ersten beiden Klassen Pflichtfach. „Damit sichern wir uns ein Alleinstellungsmerkmal und auch den Titel Europaschule“, berichtet die Leiterin der Primarstufe, Sabine Merschin. Doch auch sie räumt ein, dass das Interesse ab Klasse drei geringer wird, wenn aus Polnisch ein fakultatives Fach wird. „Um die 30 Schüler pro Jahrgang bleiben trotzdem bei der Stange“, versichert die Lehrerin.

Weitere Schwerpunkte sind die Stettin–nahe Region in der Uckermark sowie die Grenzstädte Forst und Guben und natürlich Frankfurt (Oder), wo allein 953 Schüler Polnisch lernen. In ganz Brandenburg sind es 2850, rein statistisch also etwas mehr als jeder Hundertste der gegenwärtig 245 000 Schüler.

„In Frankfurt würden wir den Anteil von derzeit zwölf Prozent gern noch erhöhen“, sagt Katrin Becker vom Kooperationszentrum Frankfurt–Słubice. Um die Lücke zwischen den deutsch–polnischen Kindergärten in beiden Städten und dem Deutsch–Polnischen Gymnasium zu schließen, bemüht man sich schon seit Jahren um die Schaffung einer Grundschule, in der es auch Unterricht in beiden Sprachen geben soll.

„In Kürze wollen wir eine Absichtserklärung mit der Stadt und einer Grundschule unterzeichnen, aus der sich die bilinguale Grundschule dann vielleicht schon 2020 entwickeln kann“, kündigt dazu der Staatssekretär im Bildungsministerium, Thomas Drescher, an. Freilich müsste zuvor noch ein neues Curriculum erarbeitet und vom Bildungsministerium anerkannt werden. Drescher gibt sich zuversichtlich, dass dies trotz der Landtagswahl zu schaffen sei.

Der frühere Pädagoge Drescher verweist noch auf eine weitere Entwicklung: „Durch unsere Zusammenarbeit mit Hochschulen in Stettin, Posen und Zielona Góra haben wir mittlerweile auch 116 aus Polen stammende Lehrer für Brandenburger Schulen gewonnen. Diese waren zum Teil schon während ihres Studiums zum Praktikum an hiesigen Schulen.“

In diesen Muttersprachlern, die in erster Linie Fachlehrer etwa für Biologie, Mathematik oder Geschichte sind, sieht der Politiker auch ein Potenzial für neue Polnisch–Arbeitsgemeinschaften. „Als Ministerium würden wir uns über weitere solcher Vorhaben freuen und sie unterstützen, können aber niemanden dazu zwingen“, sagt Drescher.