Brand auf Weihnachtsmarkt in Berlin: Stände am Roten Rathaus in Flammen – Markt geräumt

Verkehrte Bude nach dem Brand auf dem Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus in Berlin.
Maria NeuendorffDer Schock sitzt noch tief, aber die beiden Frauen, die auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Roten Rathaus ihre italienischen Pralinen verkaufen, versuchen trotzdem, die Kunden anzulächeln. Doch die Erinnerung an den Brand am Dienstagabend ist noch sehr präsent. „Die Explosion war so stark, dass unser Stand mitgewackelt hat“, berichtet Sibel. Dann habe sie zwei Buden weiter schon Rauch und die Flammen aufsteigen sehen, bevor es eine weitere Explosion gegeben habe. „Ich habe nur geschrien ,Agata - Feuer -nimm deine Tasche und raus hier“, berichtet die junge Frau.
Geistesgegenwärtig stellten sie aber noch ihren eigenen Gas-Heizofen aus, griffen ihre Handys und gaben ihren Feuerlöscher an die Nachbarn, die versuchten, das Feuer nebenan zu löschen.

Sibel (l.) und Agata, die auf dem Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus in Berlin italienische Pralinen verkaufen, sind immer noch geschockt vom Brand nur zwei Buden weiter.
Maria NeuendorffDer Besitzer des Standes, der Bilder verkauft und bei dem das Feuer ausgebrochen war, wurde dabei selbst so verletzt, dass er ins Krankenhaus musste. „Seine Hand, sein Bart und seine Augenbrauen waren verbrannt“, berichtet Agata. Die Feuerwehr spricht von Verbrennungen ersten Grades, also leichtere Verbrennungen, die noch nicht tiefere Hautschichten verletzen. Ein Helfer erlitt dazu eine Rauchgasvergiftung.
Buden und Stromverteilerkasten beschädigt
Nach etwa einer Stunde brachte die Feuerwehr das Feuer am Dienstagabend unter Kontrolle. Der große Markt, der sich zwischen dem Roten Rathaus und der Karl-Liebknecht-Straße in Berlin-Mitte erstreckt, musste evakuiert werden. Standbesitzer berichteten, dass die Evakuierung geordnet und ohne größere Panik vonstattenging. Allerdings ärgert sich Christian Laubinger von der Laubinger Eventagentur aus Märkisch-Oderland, der den Weihnachtsmarkt seit rund 30 Jahren betreibt, über Schaulustige, die den Brand und die Löscharbeiten mit dem Handy gefilmt hätten.
Am Tag danach, ist er selbst vor Ort, um neben dem Stand von dem nur noch verkohltes Holz übrig ist, neue Stromkabel zu verlegen. Das Feuer beschädigte unter anderem auch einen Verteilerkasten und eine Holzpyramide. Auch der Teil einer halboffenen Glühweinhütte ist noch abgesperrt. An der Pagode sieht man noch den angerußten Weihnachtsschmuck.

Auch ein Glühweingarten musste nach dem Brand auf dem Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus abgesperrt werden, da dort durch das Feuer auch die Stromleitungen beschäftig wurden.
Maria NeuendorffVöllig unbrauchbar sind die Produkte vom Stand mit selbst designten Jutebeuteln. „Die Ware, die wir in monatelanger Handarbeit gefertigt haben, ist komplett verrußt, sodass wir alles wegschmeißen müssen“, sagt der ebenfalls noch unter Schock stehende 35-jährige Standbetreiber. Was die Versicherung zahlt, weiß der Mann, der aus Spanien stammt, noch nicht. „Aber die Organisation des Marktes hier ist sehr gut, und ich hoffe, dass wir schnell eine Entschädigung bekommen.“
Was das Feuer auslöste, ist bisher unklar. Untersucht wird laut Feuerwehr und Polizei, inwieweit ein gasbetriebener Heizofen ursächlich für den Brand sein könnte. „Wir lassen unseren Propangas-Ofen jetzt erstmal aus und haben uns einfach noch wärmer angezogen“, sagt Sibel vom Pralinenstrand, nachdem der Weihnachtsmarkt am Mittwoch wie üblich seine Pforten um 12 Uhr geöffnet hat.
„Ich verkaufe seit 26 Jahren auf verschiedenen Märkten und habe sowas noch nie erlebt“, betont auch ihre Chefin Agata. Sie empfindet die Propangasheizungen eigentlich als sehr sicher. Doch die Bilder, die der verletzte Budenbetreiber verkauft habe, seien auf sehr dünnem Papier gemalt gewesen. „Vielleicht ist davon was zu nah oder in den Ofen geraten“, vermutet die Italienerin. Sie will nun bei den anderen Standbesitzern Spenden für den Maler einsammeln. „Er tut mir sehr leid, seine Kunstwerke sind ja alle verbrannt, er hat ja nun gar nichts mehr.“


