Brand in Berlin-Lichtenberg: Säugling stirbt bei Feuer in Hochhaus

Bei einem Brand im Berliner Bezirk Lichtenberg kam ein Säugling zu Tode. Das Feuer war in einer Wohnung in einem Hochhaus ausgebrochen.
Markus Lenhardt/dpa- Berlin-Lichtenberg: Säugling stirbt bei Feuer in Hochhaus
- Mutter (26) und Bruder (5) in kritischem Zustand, bewusstlos gefunden
- Feuer brach in Wohnung eines 75-jährigen Mieters aus
- Drei weitere Menschen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung im Krankenhaus
- Portier hörte gegen 20.00 Uhr Brandmelder, sah starken Rauch, rief Feuerwehr
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das bei dem Brand in einem Hochhaus in Berlin-Lichtenberg ums Leben gekommene Kind war ein neun Monate alter Säugling. Weiter teilte die Polizei am Mittag mit, dass seine 26-jährige Mutter und sein fünfjähriger Bruder sich weiter in einem kritischen Zustand befinden. Alle waren bewusstlos im Hausflur der dritten Etage gefunden worden, wo auch die Brandwohnung war. Auf der Fahrt ins Krankenhaus wurden sie von Notärzten reanimiert. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelegung sei der Säugling gestorben, hieß es.
Der 75-jährige Wohnungsmieter, in dessen Wohnung das Feuer nach den Ermittlungen ausgebrochen war, wurde zur stationären Aufnahme in ein Krankenhaus gebracht, wie es weiter hieß. Drei weitere Menschen kamen ebenfalls mit Verdacht Rauchgasvergiftung in umliegende Krankenhäuser.
Weiter berichtete die Polizei, dass ein Portier eines Mehrfamilienhauses gegen 20.00 Uhr einen ausgelösten Brandmelder in einer Wohnung gehört habe und starken Rauch sah. Er rief die Feuerwehr. 20 Wohnungen in dem Komplex in Friedrichsfelde mit schätzungsweise mehr als 150 Wohnungen sind nun vorerst nicht bewohnbar, wie ein Sprecher am Mittwoch sagte.
170 Feuerwehrleute waren im Einsatz, sie holten unter Atemschutz 70 Menschen aus dem verrauchten Gebäude mit 20 Geschossen beziehungsweise brachten sie in Sicherheit. Insgesamt acht Menschen wurden in Krankenhäuser gebracht.
Feuerwehr hat Probleme in Messie-Wohnung
Das Feuer war am Mittwochabend in einer Wohnung des Komplexes in der Dolgenseestraße im Bezirk Lichtenberg ausgebrochen. Es breitete sich rasant aus, da die Räume mit zahlreichen Gegenständen zugestellt waren. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelte es sich um eine sogenannte Messie-Wohnung; die große Unordnung erschwerte die Brandbekämpfung. Die Polizei ermittelt zur Ursache.
Als die Einsatzkräfte eintrafen, brannte die Wohnung bereits komplett, im ganzen Gebäude breitete sich Rauch aus. Aus den Fenstern schlugen Flammen. Im Hausflur nahe der Brandwohnung entdeckten die Einsatzkräfte die zwei Kinder und die Frau bewusstlos und brachten sie ins Freie.
Der Bewohner der Wohnung konnte sich laut Feuerwehr selbst nach draußen retten. Auch andere Bewohner des Hauses gelangten auf eigene Faust ins Freie, viele andere wählten den Notruf oder machten an den Fenstern auf sich aufmerksam. Sie wurden von Feuerwehrtrupps durch das Treppenhaus nach draußen gebracht. Insgesamt sammelten sich vor dem Haus so 70 Bewohner, wie der Sprecher mitteilte.
Brand in dritter Etage noch im 16. Stock spürbar
Eine Mieterin aus dem 16. Stock, die anonym bleiben wollte, sagte am nächsten Morgen einem Reporter der Deutschen Presse-Agentur: „Ich habe das Feuer auch oben bei mir gerochen, der ganze Hausflur war voller Rauch.“ Die Feuerwehr sei vorbeigekommen und habe geraten, deswegen ein nasses Tuch an die Türritze zu legen. Sie habe aber über Nacht in ihrer Wohnung bleiben dürfen.
Die Einsatzkräfte prüften etwa 60 Wohnungen. Einsturzgefährdet war das Haus nicht.
Zeugen schildern Brand und Rettung von Bewohnern
Nach dem Brand haben Bewohner den dramatischen Rettungseinsatz aus ihrer Sicht geschildert. Linda Rockmann von der nahegelegenen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Betonoase sah abends mit an, wie Notärzte eine Frau auf der Straße reanimierten. Die 26-jährige Mutter war zusammen mit ihren beiden Kindern bewusstlos im Hausflur gefunden worden.
„Es war ein drauf und drunter, ein Durcheinander. Viele haben geweint, viele waren schockiert über den Brand“, sagte Rockmann Reportern der Deutschen Presse-Agentur. So habe sie eine Frau, die schlecht zu Fuß und trotz Kälte nur leicht bekleidet war, zu einem italienischen Restaurant in der Nähe begleitet. Voll des Lobes ist sie für die Polizei und Feuerwehr: „Sie haben alles super organisiert und waren auch hilfsbereit, als ich nach einer Decke für die Frau gefragt habe.“ Sie selber habe für die Menschen, die draußen warten mussten, den ganzen Abend Tee gekocht.
Viele Kinder, die ihren Jugendclub besuchen, hätten sich Gedanken gemacht, ob Freunde oder Bekannte verletzt worden seien. „Die machen sich natürlich jetzt auch Sorgen und sind auch sehr traurig darüber, dass das Kind gestorben ist.“
Constanze Körner arbeitet in einem Büro des Vereins Lesben* Leben Familie (LesLeFam) unterhalb der ausgebrannten Wohnung. Sehr viel Löschwasser ist durch die Decke gekommen, wie sie sagt. „Als ich die Tür öffnete, war es entsprechend schlimm“, berichtete sie. Deckenplatten voller Wasser seien auf die Möbel und den Boden gefallen. „Unsere Möbel, unsere Technik - ist alles kaputt.“ Arbeiten sei nicht möglich. „Wir müssen erstmal alles absagen, und erstmal schauen, wie wir wieder arbeitsfähig werden.“
Viele Bewohner mussten erst einmal anderweitig unterkommen. In manchen der unbewohnbaren Einheiten gebe es keinen Strom und kein Wasser, andere seien so verraucht, dass man dort nicht schlafen könne. Wer nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkam, konnte in einer nahegelegenen Turnhalle schlafen. Der Bezirk versucht, für die Zeit danach Wohnungen und Hotels zu organisieren, wie es hieß.
Auch eine Feuerwehreinheit für die Bewältigung eines Massenanfalls an Verletzten war demnach vor Ort. Für die Angehörigen der Verletzten wurde ein Team der psychosozialen Notfallversorgung alarmiert.
Vier Wohnungen nach Brand noch unbewohnbar
Wie eine Sprecherin der Howoge der Deutschen Presse-Agentur am Freitag (13.2.) sagte, seien noch vier Wohnungen unbewohnbar. Es handelt sich um die Räume, in denen das Feuer am Mittwochabend ausbrach, sowie darüber und darunter liegende Wohnungen, so die Wohnungsgesellschaft.
Die vier Wohnungen seien aber bereits freigegeben, sodass mit deren Sanierung begonnen werden könne. Den betroffenen Mietern würden möblierte Unterkünfte zur Verfügung gestellt, bis die Arbeiten beendet seien, so die Sprecherin. Eine andere Wohnungsgesellschaft unterstütze die Howoge. Auch aus dem Umfeld gebe es eine „unglaublich große Solidarität“.
Nach Angaben der Sprecherin können alle anderen Bewohner zurück in ihre Wohnungen. Heizung und Aufzug funktionieren demnach wieder. „Wir müssen allerdings schauen, ob die Wohnungen auch tatsächlich bewohnbar sind oder ob es Schäden infolge der Löscharbeiten gibt“, erklärte sie Sprecherin. Auch in solchen Fällen würden die Mieter unterstützt.
Wohnungsgesellschaft Howoge will schnelle Hilfe leisten
Die Wohnungsgesellschaft Howoge hatte zunächst allen Betroffenen und Angehörigen ihre Anteilnahme ausgesprochen und ihnen schnelle Hilfe zugesichert. Geschäftsführer Ulrich Schiller erklärte: „Wir trauern mit der Familie und können den Schmerz über den Tod des Kindes kaum in Worte fassen.“
Am Mittag waren laut Howoge noch 21 Wohnungen in dem 20-geschossigen Gebäude polizeilich gesperrt. Man stehe in engem Austausch mit allen betroffenen Mietern. Die meisten von ihnen hätten über die Nacht privat unterkommen können, acht wurden demnach von Howoge-Mitarbeitern in einem Hotel in der Nähe untergebracht.
Die Stromversorgung in dem Hochhaus in Friedrichsfelde sei vollständig gewährleistet, hieß es weiter. Jedoch sei ein Teil der Heizungen vorerst abgeschaltet; gleiches gelte für den Aufzug. Techniker arbeiteten an der Inbetriebnahme.
Weiter erklärte das Unternehmen: „Ein Gutachter sowie unser Schadenbüro sind bereits vor Ort, um die Lage umfassend zu bewerten und die nächsten Schritte vorzubereiten.“ Sobald die Polizei das Gebäude vollständig freigibt, werde man alles daransetzen, die Bewohnbarkeit des Hauses so schnell wie möglich wiederherzustellen.
Weiteres Feuer in einem Berliner Hochhaus bereits am Tag zuvor
Erst am Dienstag hatte es in einem anderen Hochhaus in Lichtenberg gebrannt. Im Anschluss nahm die Polizei eine Bewohnerin und ihren Freund fest, es wird wegen schwerer Brandstiftung ermittelt. Anwohner hatten nach den Angaben am Dienstagnachmittag eine starke Rauchentwicklung in einer Wohnung in der 16. Etage des Hochhauses mit 21 Etagen in der Frankfurter Allee bemerkt.


