Brand in der Gohrischheide
: Der Schaden ist apokalyptisch – doch es gibt Hoffnung

Tagelang brennt es im Naturschutzgebiet Gohrischheide an der Landesgrenze Sachsen/Brandenburg. Das Feuer vernichtet etwa 2000 Hektar Fläche. Was von der Heide geblieben ist und warum es Hoffnung gibt.
Von
Frank Claus
Zeithain
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Pressetermin zwischen verkohlten Stämmen und verbranntem Waldboden in der Gohrischheide.

Pressetermin zwischen verkohlten Stämmen und verbranntem Waldboden in der Gohrischheide. In dem 2800 Hektar großen Gebiet hat es fast drei Wochen lang gebrannt.

Frank Claus
  • Größter Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen: 2400 Hektar der Gohrischheide zerstört.
  • Löscharbeiten erschwert durch Munitionsbelastung – Gebiet seit 1873 militärisch genutzt.
  • Erste Hoffnung: Regen fördert neues Grün, Tierwelt kehrt zurück, Birken treiben aus.
  • Aufforstung aktuell nur an Randgebieten möglich, genaue Schadensfläche wird ermittelt.
  • Brandursache unklar, Ermittler schließen Brandstiftung aus – anders als 2022.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Waldbrand in der Gohrischheide – an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg unweit von Riesa und Mühlberg/Bad Liebenwerda gelegen – hat tagelang die Schlagzeilen bestimmt. Es ist, so resümiert die dortige Forstverwaltung, der größte Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen. Etwa 2000 der insgesamt 2800 Hektar großen Fläche sind verbrannt oder schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Chronologie: Hunderte Kameraden aus Sachsen und aus dem benachbarten Brandenburg sind mit ihrer Technik seit dem 1. Juli im Einsatz. Ortschaften müssen evakuiert werden. Erste gepanzerte Löschtechnik ist ab 2. Juli im Einsatz. Am 4. Juli trifft der erste Räumpanzer der Bundeswehr ein, einen Tag später kreisen vier Hubschrauber. Das Land Brandenburg schickt seinen unbemannten Löschroboter. Landwirte werden angewiesen, angrenzende Felder umzupflügen, um eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Kritisch wird die Lage an der Biogasanlage Lichtensee, in der sich noch acht Tonnen Propangas befinden, die nicht abgelassen werden können.

Schwierige Löscharbeiten in der Gohrischeide

Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil die Flächen stark munitionsbelastet sind. Das Areal wird seit 1873 militärisch genutzt, zuerst durch die Kaiserliche Armee, dann durch die Wehrmacht und schließlich durch die Truppen der Sowjetarmee. In den mehr als 150 Jahren ist mit verschiedenster Munition geübt worden. Was alles noch im Boden liegt, weiß keiner genau. Die Beräumung sei nicht bezahlbar, hatte Sachsens Forstminister auf Nachfragen mehrfach geäußert. Auch, weil im Naturschutzgebiet viele Flächen ohnehin nicht von Menschen betreten werden sollen.

Inzwischen ist der Brand gelöscht. Am 9. Juli um 15 Uhr hebt der Landrat des Landkreises Meißen den Katastrophenalarm auf. Feuerwehren bleiben weiter vor Ort, um aufflammende Glutnester zu bekämpfen. Am 22. Juli gibt die Feuerwehr das Gebiet zur Begutachtung frei. Am 25. Juli lädt der Staatsbetrieb Sachsenforst Pressevertreter zur ersten Rundfahrt ein.

Wohin man schaut, verkohltes Land. Über die Offenflächen mit wenig Baumbewuchs ist das Feuer schnell hinweg gegangen, problematischer sind die Auswirkungen im Hochwald, wo sich das Feuer bis in die Wipfel gefressen hat. Das Naturschutzgebiet wird nun lange Zeit für Besucher tabu sein, weil alle betroffenen Bereiche gesperrt bleiben. Auch der beliebte Radweg durch die Heide ist damit nicht nutzbar. Forstamtmann Stefan Müller, Revierleiter des Staatsbetriebes Sachsenforst, nimmt ein Wort immer wieder in den Mund: „Es ist apokalyptisch, was Sie hier sehen.“ In der Tat: verheerend die Ausmaße, katastrophal der Zustand des Waldes.

  • Über die Offenflächen ist das Feuer am schnellsten hinweg gegangen. Ein Zeichen der Hoffnung: ein Wiedehopf wird gesichtet.

    Über die Offenflächen ist das Feuer am schnellsten hinweg gegangen. Ein Zeichen der Hoffnung: ein Wiedehopf wird gesichtet.

    Frank Claus
  • Selbst der Roteichenriegel, der vor 30 Jahren als Brandhemmer angepflanzt worden ist, hat der Feuersbrunst nicht standgehalten.

    Selbst der Roteichenriegel, der vor 30 Jahren als Brandhemmer angepflanzt worden ist, hat der Feuersbrunst in der Gohrischheide nicht standgehalten.

    Frank Claus
  • Vollbrand bis in die Wipfel. Riesenrespekt den Kameraden und Helfern, die das Feuer in der Gohrischheide nach Tagen in den Griff bekommen haben.

    Vollbrand bis in die Wipfel. Riesenrespekt den Kameraden und Helfern, die das Feuer in der Gohrischheide nach Tagen in den Griff bekommen haben.

    Frank Claus
  • Auswirkungen Waldbrand Gohrischheide: 25.07.2025, Sachsen, Zeithain: Brandschäden des Waldbrandes in der Gohrischheide. Rund 2.400 Hektar des Naturschutzgebietes waren vom größten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte in Sachsen betroffen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

    Rund 2.400 Hektar des Naturschutzgebietes Gohrischheide waren vom größten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte in Sachsen betroffen.

    Sebastian Kahnert/dpa
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Selbst der Roteichenriegel, noch zu DDR-Zeiten als Brandhemmer angelegt, hat die Feuersbrunst nicht überstanden. Dabei hat es beim Löschen keineswegs an Wasser gefehlt, so der Revierförster. Gesorgt dafür hätten die nach dem letzten Waldbrand 2022 angelegten drei Zisternen mit je 150 Kubikmeter Fassungsvermögen. Die Landwirte mit ihren Mega-Güllefässern hätten neben den Tankern der Feuerwehr dafür gesorgt, dass das Wasser nie versiegt sei.

Weshalb Hubschrauber keine Wunder vollbringen können

Aber hätten die Hubschrauber nicht schneller fliegen müssen? Stefan Müller glaubt, dass sie wichtig sind, sie aber keine Wunderdinge vollbringen können. „Für die Moral sind sie immer gut, aber ein Hochfeuer musst du erst mal auf den Boden gedrückt und aus bekommen.“ Problem: Gelöscht werden konnte nur von den Wegen aus, 1000 Meter Entfernung zu munitionsverseuchten Flächen waren immer einzuhalten. Wichtige Komponente seien die Kreisregner gewesen, die das Feuer in Abschnitten klein hielten, umso Schneisen befahren zu können.

Der Wald war etwa 35 Jahre alt. Wie lange wird es dauern, bis er wieder so aussieht? In etwa wieder so lange, glaubt Stefan Müller. Doch es gibt schon wieder Hoffnung: Beim Pressetermin am 25. Juli ist schon wieder erstes zartes Grün zu erkennen. Der ergiebige Regen der vergangenen Tage hat das begünstigt. Zarte Halme, austreibende Birken sind zu sehen, aber auch ein Punker, wie der Wiedehopf wegen seines farbenfrohen Kamms gern bezeichnet wird. Die Tierwelt erobert sich die Flächen zurück. Ameisen krabbeln bereits auf dem Boden und ein Reh springt, als würde es Hoffnung geben wollen, durch den Wald.

Gohrischheide wird nur in Randgebieten wieder aufgeforstet

Es wird dauern, bis wieder ein Kiefernbestand heranwächst, weil der Samen verbrannt ist. Die Birken könnten zuerst wieder aus dem Boden treiben. Und die spät blühende Traubenkirsche. Das ist eine invasive Art, die die Förster gar nicht mögen, weil sie sich stark ausbreitet und andere Kulturen erstickt. Sie wird durch „Anschiss“ ins Gebiet gebracht. Richtig vermutet: durch Vogelkot.

An Aufforsten ist momentan nicht zu denken und wenn, dann höchstens an den Randgebieten, sagt Lars Richter, Pressesprecher Sachsenforst. Die Munitionsbelastung verbietet weitere Schritte. Jetzt kippen jede Menge Bäume um. Erstes Ziel ist es, Wege freizuräumen, so der Pressesprecher. „Zudem müssen die Experten erst einmal die genaue Schadensfläche ermitteln.“ Die Ursache für die Katastrophe? Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden gehen momentan nicht davon aus, dass das Feuer in der Gohrischheide gelegt wurde. 2022 war das anders. Da waren Spuren von Brandbeschleunigern gefunden worden. Täter konnten nicht ermittelt werden.

Über die Gohrischheide

Die Gohrischheide und Elbniederterrasse Zeithain bilden ein Naturschutzgebiet im Landkreis Meißen. Das 2846,99 Hektar große Gebiet befindet sich etwa fünf Kilometer nördlich der sächsischen Gemeinde Zeithain. Flächenmäßig gehört das Naturschutzgebiet zur Gemeinde Zeithain, der Gemeinde Wülknitz und zu Nauwalde, einem Ortsteil von Gröditz.

Nördlich, auf brandenburgischem Gebiet, schließt das Naturschutzgebiet Gohrische Heide an.