Brandenburg-Safari
: Ausflug nach Polen - Besuche bei Dinos und dem Alten Fritz

Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.
Von
Dietrich Schröder
Küstrin
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  • 200 Millionen Jahre zurück: Eine Vulcanodon-Mutter mit ihren drei Babies im Dinosaurier-­Park von Nowiny Wielkie. Der Park wird von Malgorzata Kuchnio und ihrem Mann Krzysztof betrieben. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    200 Millionen Jahre zurück: Eine Vulcanodon-Mutter mit ihren drei Babies im Dinosaurier-­Park von Nowiny Wielkie. Der Park wird von Malgorzata Kuchnio und ihrem Mann Krzysztof betrieben. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    Dietrich Schröder/MOZ
  • Am Katte-Wall in der Festung Küstrin berichtet Klaus Ahrendt über die Enthauptung des Jugendfreundes von Friedrich II. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    Am Katte-Wall in der Festung Küstrin berichtet Klaus Ahrendt über die Enthauptung des Jugendfreundes von Friedrich II. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    Dietrich Schröder/MOZ
  • Ein prächtiges Mohnfeld bei Witnica. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    Ein prächtiges Mohnfeld bei Witnica. Nach der Öffnung der polnischen Grenze sind auch im Nachbarland wieder zahlreiche Ausflugsziele erreichbar.

    Dietrich Schröder/MOZ
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„Diese Dino-Gruppe ist besonders bei unseren jüngsten Besuchern beliebt“, sagt Malgorzata Kuchnio. Und streichelt einem der Vulcanodon-Babies über den Rücken. Auf einem Schild ist auf Polnisch und Deutsch zu lesen, dass diese Art zu den Echsenbeckendinosauriern gehörte, die vor 200 Millionen Jahre lebte. In Südafrika wurden Knochen dieser Tiere gefunden.

Eine große Zeitreise, die sich über viele Jahrmillionen zieht, kann man in dem Dörfchen Nowiny Wielkie machen. Es liegt nur 30 Kilometer östlich vom Grenzübergang Küstrin/Kostrzyn. Unweit der Bahnstation an der Linie von Kostrzyn nach Gorzów findet man den Dinosaurierpark (Park Dinozaurów), den Krzysztof und Malgorzata Kuchnio in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut haben.

„Mittlerweile gibt es mehr als 50 Modelle zu sehen, doch wir erweitern deren Zahl von Jahr zu Jahr“, berichtet Krzysztof Kuchnio. Der Anspruch des Polen, der die Modelle in einer Halle am Ortsrand mit Mitarbeitern baut, ist, dass die Tiere hier in genau der gleichen Originalgröße zu sehen sind, wie sie vor Urzeiten die Erde bevölkerten.

Die eindrucksvollste Szene, die auch mit den lautesten Geräuschen untermalt wird, ist der Zweikampf zweier Giganten: Ein 27 Meter langer und zwölf Tonnen schwerer Diplodocus muss sich des Angriffs eines kleineren, aber deutlich kompakteren Allosaurus erwehren. Letzterer gehörte zu den Raub-Dinosaurieren, die außer Pflanzen tatsächlich auch andere Tiere fraßen.

Solch ein Kampf könnte sich vor 150 Millionen Jahren in den Weiten Nordamerika durchaus zugetragen haben.  Denn während des Übergangs von der Jura- zur Kreidezeit lebten beide Arten auf dem damals eigenständigen Kontinent.

Krzysztof Kucnio hat das  Bauen der Dinos aus Styropor und einer Glasfibermischung in Deutschland gelernt. „In den 1990er Jahrne habe ich im Dinopark Münchehagen bei Hannover gearbeitet“, erzählt er. Seine Familie blieb die ganze Zeit in Polen. Aus dem ständigen Pendeln entwickelte Krzysztof die Idee, in der Heimat einen eigenen Saurierpark zu schaffen. „Als wir 2007 eröffneten, gehörten wir zu den ersten in Polen. Inzwischen gibt es mehr als ein Dutzend solcher Parks. Aber keiner liegt so nah an der Grenze zu Deutschland“, sagt er. Das mehrere Hektar große Waldgelände gibt dem Park eine fast urzeitlich wirkende Aura.

Außer einem Neandertaler-Dorf, zwei großzügigen Spielplätzen und einer kleinen Gaststätte, die im Lauf der Zeit hinzukamen, gibt es noch eine Besonderheit: Ein „Geo-Museum“ mit echten Saurier-Fossilien und eindrucksvollen Mineralienfunden aus der ganzen Welt.

Die kostbarsten Stücke, für die der Pole ein kleines Vermögen bezahlte, sind ein echter versteinerter Fußabdruck eines Dinosauriers, dessen Alter auf 140 Millionen Jahre geschätzt wird, sowie ein mehr als 30 Kilo schwerer Meteorit, der in Argentinien gefunden wurde. „Da das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ja vermutlich durch einen großen Meteoriteneinschlag auf der Erde verursacht wurde, wollte ich so einen Übeltäter auch unbedingt hier zeigen“, sagt der 51-jährige Kuchnio und schmunzelt dabei.

Nicht ganz so weit in die Geschichte zurück geht eine Führung durch die ehemalige brandenburgisch-preußische Festung Küstrin. Deren imposante Überreste befinden sich direkt neben der Grenzbrücke von Küstrin-Kietz nach Kostrzyn. Der Gästeführer Klaus Ahrendt, der mit seiner polnischen Ehefrau in Seelow lebt, ist froh, „dass ich diese Rundgänge nach der Öffnung der Grenze nun endlich wieder anbieten kann“.

Ab dem 27. Juni soll es wieder jeden Sonnabend ab 11.30 Uhr „Auf den Spuren von Theodor Fontane durch das Küstriner Pompeji“ gehen. Im Juni 1862 hatte Theodor Fontane die historische Stadt an der Mündung der Warthe in die Oder besucht. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschreibt er vor allem die Katte-Tragödie, die sich im November 1730 abspielte.  Als Gefangener  seines Vaters musste der damals 18-jährige Kronprinz Friedrich (der spätere Alte Fritz) miterleben, wie sein Jugendfreund Hans Hermann von Katte, mit dem er aus Preußen zu fliehen versucht hatte, enthauptet wurde.

An den Ruinen des früheren Schlosses und der Stadtkirche vorbei führt Klaus Ahrendt seine Gäste genau zu der Stelle, an der sich dieses Drama  abspielte, das für den späteren König prägend war. Außerdem kann Ahrendt natürlich manch anderes Detail aus der früheren Hauptstadt der Neumark berichten. "Am häufigsten werde ich gefragt, wie es 1945 zur Zerstörung der Festung kam und ob es Pläne für den Wiederaufbau gibt“, berichtet er. Den knapp anderthalbstündigen Rundgang kann man mit einem Besuch auf dem nahe gelegenen Grenzbasar gut kombinieren.

Infos und Anmeldung: www.saurier.pl und www.tourist-info-kostrzyn.de