Bundeswehr in Königs Wusterhausen: Drohnen, Matsch, Männer – eine Soldatin erzählt

Milena, junge Soldatin, ist bei Königs Wusterhausen aufgewachsen. In der Kaserne in Storkow gibt es nur eine Handvoll Frauen.
Till Eichenauer- 20-jährige Milena aus Königs Wusterhausen verpflichtete sich für vier Jahre bei der Bundeswehr.
- Sie entschied sich gegen ein Studium und für praktische Aufgaben im IT-Bataillon 381.
- Frauenanteil in der Bundeswehr bei nur 13%; Milena ist eine von zwei Frauen in ihrer Kompanie.
- Übungen simulieren Drohnenangriffe; Milena plant, Feldwebel zu werden.
- Krieg in Europa verstärkt Fokus auf Aufrüstung und Nachwuchsgewinnung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es regnet in Storkow. Die ehemaligen Pionier-Baracken der Kurmark-Kaserne im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree geben bei diesem Wetter ein eher trauriges Bild ab. Einer jungen Frau auf dem Hof scheint das Wetter nichts auszumachen. Das Wasser läuft an der Flecktarn-Feldmütze herab.
Die Uniform gehört Milena. Sie kommt aus der Nähe von Königs Wusterhausen, das im Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald liegt. Früher wollte sie mal Grafik-Design studieren. Während Ihrer Abi-Zeit stieß sie aber im Netz auf den Militärischen Freiwilligen Wehrdienst. Hierbei sollen sich junge Menschen ab 17 Jahren die Bundeswehr von innen anschauen, ohne sich langfristig zu verpflichten. Wer ein Jahr dabei ist, kann zu Auslandseinsätzen geschickt werden.
„Theorie liegt mir nicht besonders – meine Stärke liegt eher im Praktischen. Deshalb hab ich mich dann auch am Ende gegen das Studium entschieden.“ Sie schaute sich auf Youtube-Videos über den Alltag der Soldatinnen und Soldaten an. Ein Nachbar, selbst bei der Bundeswehr, vermittelte ihr schließlich einen Beratungstermin und „dann ging alles recht fix“, erzählt Milena.
Mit 18 Jahren aus Königs Wusterhausen zur Bundeswehr
2023 begann die damals 18-Jährige ihren freiwilligen Wehrdienst, machte zunächst 11 Monate, verlängerte dann auf 23. Ihre Mutter, erzählt sie, war überrascht von ihrer Entscheidung, ließ sie aber gehen. Im Mai dieses Jahres hat sich Milena nun auf vier Jahre verpflichtet – im Alter von gerade mal 20.
Frauen wie Milena gehören zur großen Aufrüstung, die in Deutschland längst begonnen hat. Seit Putins Armee vor dreieinhalb Jahren die Ukraine überfallen hat, ist wieder Krieg in Europa. In Deutschland und seinen Nachbarländern wird ein Angriff Russlands als ein realistisches Szenario gesehen. Nach dem 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr haben die Nato-Chefs gerade zugesagt, fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung zu investieren. Die Politik überbietet sich mit immer neuen Geld-Versprechen für die Truppe, die Aktienkurse der Rüstungsunternehmen schnellen weiter in die Höhe.
Ein Problem scheint nun Menschen zu finden, die all die neuen Panzer fahren und die Drohnen fliegen sollen. Mit immer neuen Mitteln wird versucht, junge Leute zu überzeugen, sich an der Waffe ausbilden zu lassen. Zuletzt hatten Jugendliche – auch unter 18 Jahren – personalisierte Postkarten der Bundeswehr im Briefkasten, auch in Brandenburg. Sogar eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ist im Gespräch.
Ob die weltpolitische Entwicklung sie motiviert hat, als Frau eine Karriere an der Waffe zu beginnen? „Nein“, sagt die 20-jährige Milena, die ihren vollen Namen nicht nennen will. „Die politische Lage hat damit nichts zu tun.“ Ihr gehe es um die beruflichen Möglichkeiten und ihre persönliche Zukunft bei der Bundeswehr.
Eine von zwei Soldatinnen in der Kompanie in Storkow
Aber wie ist es als Frau in der Bundeswehr – zwischen Männern und Drohnenübungen? Frauen scheinen der Bundeswehr immer noch skeptisch gegenüberzustehen, sie gilt als Männerdomäne. Gerade einmal 13 Prozent der Truppe sind Soldatinnen. Milena ist eine von zwei Frauen in einer Kompanie mit etwa 100 Soldaten.
Das ist etwa der Durchschnitt bei der Bundeswehr in Storkow. Als Frau musste sie deshalb gerade zu Beginn auch mal zeigen, dass sie nicht nur „die kleine Maus am Schreibtisch ist, die mit dem pinken Koffer anreist“, sagt sie. Man müsse wie alle anderen Liegestütze machen und durch den Matsch, wenn es sein muss.
Was die junge Frau schätzt, ist die Kameradschaft. „Ich bin gerne mit meinen Kameraden. Da oben fühlt es sich oft an wie eine Familie.“ Mit da oben meint Milena das Stockwerk in der Kaserne, wo sie mit den anderen Soldaten wohnt. Eigentlich könnte sie jeden Abend nach dem Dienst in ihr Elternhaus bei Königs Wusterhausen zurückfahren.
Mit dem Auto von Storkow nach Hause dauert es eine knappe halbe Stunde. „Aber ich bleibe oft gerne länger und übernachte manchmal hier und rede mit meinen Kameraden. Zu Hause wäre ich auch nur alleine“, sagt Milena. In der Kaserne gibt es Aufenthaltsräume, mit Kicker, Fernseher und Playstation.
Bundeswehr simuliert den realen Stress an der Front
Die Aufgaben, die Milena und ihre Kompanie im Erstfall haben, lassen sich ohnehin nicht vom Schreibtisch aus erledigen. Sie gehören zum Informationstechnikbataillon 381. Falls deutsche Truppen ins Gefecht ziehen würden, wäre das Bataillon aus Storkow dafür verantwortlich, dass die Kommunikation zwischen den Einheiten und der Zentrale steht. An der Front müssten sie Antenne und Satellitenschüsseln aufstellen und Kabel verlegen. Im Alltag der Soldatinnen und Soldaten werden die Arbeitsabläufe immer wieder geübt und wiederholt, damit im Stress eines echten Gefechtes alles wie automatisch abläuft.
Zuletzt war sie zwei Wochen mit ihrer Kompanie auf einer Übung, unterwegs mit Lkw's in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Der Krieg in der Ukraine hat auch die Manöver verändert. „Wir hatten sehr oft Drohnenalarm“, erzählt die junge Frau. Dabei werden Angriffe mit den unbemannten Flugobjekten simuliert, die mittlerweile weite Teile des Kampfgeschehens in der Ukraine bestimmen.
Bei einer solchen Übung werden mitten in der Nacht echte Drohnen gestartet und in Richtung der Soldatinnen und Soldaten in den Schützengräben geschickt. Das surrende Geräusch und die Lichter sind genau wie im echten Einsatz. „Ich muss dann überlegen, ob ich an meinem Satelliten-Gerät bleibe, mich in Sicherheit bringe oder mit meinem Gewehr auf die Drohne schieße“, sagt Milena. „Da muss ich dann Prioritäten setzen. Das System oder mein Leben.“
Soldatin aus Königs Wusterhausen will Feldwebel werden
Nach den vier Jahren Dienst, die jetzt vor Milena liegen, möchte sie Feldwebel werden. Ein Dienstgrad mit Führungsverantwortung. Die klassische Offizierslaufbahn, mit Studium bei der Bundeswehr, sei nichts für sie: „Ich bin praktischer Arbeiter, ich pack’ gerne an“, sagt. Die harte Ausbildung und der Alltag mache ihr nichts aus.


