Bus und Bahn in Berlin: BVG will Fahrgäste tracken – was steckt dahinter?

Die BVG in Berlin testet ein neues Verfahren, bei dem die Wege der Kunden getrackt werden.
Fabian Sommer/dpaDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Mit mehr als 1,1 Milliarden Fahrgästen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr wieder das Vor-Corona-Rekordniveau von 2019 erreicht. Wann aber sind auf den Linien die meisten Menschen unterwegs? Wo wollen sie genau hin und wo steigen sie um? Und wie müsste das Angebot aussehen, damit noch mehr Menschen auf die umweltfreundliche Mobilität umsteigen?
Hinweise darauf liefern schon jetzt beispielsweise automatische Zählsysteme in den Fahrzeugen. „Doch wenn es um detailliertere Angaben zu Weg und Ziel und weiteren Daten zur ÖPNV-Nutzung geht, helfen bisher nur Befragungen, wie sie mit großem Aufwand alle drei Jahre vom Verkehrsverbund VBB organisiert werden“, heißt es vom Verkehrsunternehmen.
Bahn in Berlin – BVG testet ein neues Verfahren
Um schneller und kostengünstiger an Antworten zu gelangen, setzt man nun auf die Hilfe von Fahrgästen. „Die BVG testet ein neues Verfahren und bittet ihre Fahrgäste um eine Spende – und zwar um eine Datenspende“, heißt es in einem öffentlichen Aufruf.
Um genau zu sein: Die BVG will die Fahrgäste tracken. „Um die Angebote von Bussen und Bahnen künftig noch besser auf die Nachfrage und die Bedürfnisse der Fahrgäste abzustimmen, können jetzt alle mithelfen. Nutzer und Nutzerinnen der FahrInfo-App der BVG können sich über die neue Trackingfunktion ganz einfach beteiligen und ihre Wegedaten für die BVG freigeben“, wird das Procedere erklärt. Dadurch könnten die BVG-Planer die Mobilitätsbedürfnisse schneller und genauer kennenlernen.
Eine erste kleine Umfrage unter den Fahrgästen an der U-Bahn-Linie 6 fördert gemischte Reaktionen und Skepsis zu Tage. „Ich möchte nicht auf Schritt und Tritt verfolgt werden“, sagt eine 61-jährige freiberufliche Journalistin, die nach Mitte zur Arbeit fährt. Sie benutze zwar die BVG-App, um sich Verbindungen herauszusuchen, wolle aber nicht durch immer mehr Smartphone-Anwendungen zum gläsernen Menschen werden, betont die Berlinerin. „Ich finde es schon krass, dass viele Parkplätze per Handy bezahlt werden.“ Auch dabei hinterlasse man seinen digitalen Fußabdruck.
„Die Idee an sich ist nicht schlecht. Aber ich will schon die Kontrolle darüber behalten, wo und auf welchen Wegen ich getrackt werde“, sagt eine 32-jährige Psychologin, die am Bahnhof Stadtmitte auf den Zug wartet. Sie hätte gerne mehr Informationen zu dem Thema.
„Wer sich nicht für die Teilnahme anmeldet, wird auch nicht getrackt“, erklärt die BVG dazu. Alle Daten würden vor der Auswertung vollständig datenschutzgerecht umgewandelt. „Für die Auswertung werden ausschließlich Wegedaten verwendet“, heißt es weiter. „Analysiert werden nur Wege in Berlin und Brandenburg.“
Doch wie funktioniert es ganz praktisch? „In den kommenden Tagen werden in aufeinander folgenden Phasen alle App-Nutzer und - Nutzerinnen mit einem Update versorgt“, erläutert BVG-Sprecherin Franziska Ellrich. „Wer das Update vorgenommen hat, wird anschließend per Pop-up-Fenster um die Zustimmung zum neuen Tracking-Verfahren gebeten. Wer nicht aktiv zustimmt, wird auch nicht getrackt", betont die Sprecherin.
So könnten alle Fahrgäste mit wenigen Klicks Teil der künftigen Angebotsplanung der BVG werden. Als kleinen Anreiz soll es bald zusätzlich ein Gewinnspiel für die Teilnehmenden geben.


