Bus und Bahn in Brandenburg: VBB erhöht die Ticket-Preise – Sonderangebot für Berlin

Vor allem in Brandenburg steigen ab 2024 die Fahrpreise. Der VBB hat die Preiserhöhung jetzt beschlossen. (Symbolbild)
Britta Pedersen/dpaIn Brandenburg und Berlin werden zum 1. Januar 2024 die Fahrpreise erhöht. Das hat er Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) am Donnerstag (28.9.) beschlossen. Grund dafür sind die weiterhin hohen Kosten für Kraftstoffe, Personal und Investitionen, die die Verkehrsunternehmen im VBB wirtschaftlich sehr stark unter Druck setzen, hieß es. Deshalb werden die Preise um durchschnittlich 6,7 Prozent erhöht.
Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat des VBB beschlossen, auf Wunsch des Landes Berlin im ersten Halbjahr 2024 das 29-Euro-Ticket für Berlin AB einzuführen. Der neue Berliner Senat hatte die Wiedereinführung des 29-Euro-Tickets im Koalitionsvertrag beschlossen. In der Landeshauptstadt Potsdam wird das Schülerticket Potsdam AB zum 1.1.2024 auf 15 Euro monatlich gesenkt. Zum ermäßigten Preis von 9 Euro wird weiterhin das Berlin-Ticket S angeboten.
Die Einführung des bundesweit gültigen Deutschlandtickets im Mai 2023 habe auch auf die Tarifgestaltung im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg Einfluss, hieß es. Der VBB arbeite deshalb gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen und den Gesellschaftern an einer Tarifreform des VBB-Tarifs.
Einzelne Fahrpreisänderungen
Der Einzelfahrausweis AB kostet ab dem 1. Januar 2024 3,50 Euro (+ 30 Cent). Mit einem Preis von 2,70 Euro pro Fahrt bleibt die 4-Fahrten-Karte Berlin AB (künftig 10,80 Euro) auch weiterhin die günstigste Alternative. Der Preis für eine Kurzstrecke in Berlin erhöht sich von 2,20 Euro auf 2,40 Euro. Der Preis für den Einzelfahrausweis Berlin ABC steigt auf 4,40 Euro. Die Einzelfahrausweise AB in den kreisfreien Städten Brandenburg a. d. H., Frankfurt Oder und Cottbus steigen um jeweils 20 Cent auf 2,30 Euro, in Potsdam um 10 Cent auf 2,60 Euro. Auch hier sind die 4-Fahrten-Karten die deutlich günstigeren Alternativen.
29-Euro-Ticket für Berlin AB
Ein 29-Euro-Ticket für das Stadtgebiet Berlin soll im ersten Halbjahr 2024 eingeführt werden. Eine frühe Umsetzung wird angestrebt, sofern es die technisch-vertrieblichen Voraussetzungen bei den VBB-Verkehrsunternehmen erlauben. Das Ticket kann im Abonnement ohne Beschränkungen auf bestimmte Personengruppen erworben werden.
Die Mindestvertragslaufzeit beträgt 12 Monate und es gilt nur im Tarifbereich Berlin AB. Es ist personengebunden (nicht übertragbar) und die Mitnahme von Personen oder Fahrrädern ist ausgeschlossen. Die Einführung des 29-Euro-Tickets steht unter dem Vorbehalt der Schaffung der haushaltsrechtlichen Voraussetzungen im Berliner Doppelhaushaushalt 2024/25. Die finanziellen Belastungen werden ausschließlich vom Land Berlin getragen.
Weitere Details zum 29-Euro-Ticket werden in den kommenden Wochen zwischen den Beteiligten weiter abgestimmt.
Berlin-Ticket S
Seit dem 1. Januar 2023 können Berlinerinnen und Berliner, die Sozialleistungen beziehen, das Berlin-Ticket S (Sozialticket) zum reduzierten Preis von 9 Euro (statt 27,50 Euro) erwerben. Die Preisabsenkung galt bislang bis zum 31. Dezember 2023. Der VBB-Aufsichtsrat stimmte heute einer Verlängerung bis auf Weiteres zu. Das Sozialticket erlaubt die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel im Tarifbereich Berlin AB.
Schülerticket Potsdam AB
Der VBB-Aufsichtsrat stimmte ebenfalls zu, den Preis für das Schülerticket Potsdam AB (Abo mit monatlicher Abbuchung) zum 1. Januar 2024 für die Dauer von einem Jahr auf einen Preis von 15 Euro pro Monat abzusenken. Derzeit kostet das Schülerticket Potsdam AB 23,10 Euro. Die Landeshauptstadt Potsdam gleicht den Verkehrsunternehmen die Differenz auf den Tarifpreis aus.
Geänderte Bedingungen im Abonnement
Neu ab 1. Januar 2024 ist, dass VBB-Abonnements flexibel – wie das Deutschlandticket – jederzeit zum Ende des Monats kündbar sind. Die in der Mindestvertragslaufzeit vorgesehene Nachberechnung bei Kündigung entfällt. Ausgenommen davon sind weiterhin das VBB-Abo Azubi und das neue 29-Euro-Ticket im Abonnement, hier gelten besondere Vertragsbedingungen mit einer festen Vertragslaufzeit von mindestens 12 Monaten. Alle Abonnements werden ab 2024 nur noch mit monatlicher Zahlung angeboten, das Angebot der jährlichen Zahlweise entfällt.
Mitnahme von Fahrrad wird auch teurer
Erstmals seit Jahren wird auch der Ticketpreis für die Fahrradmitnahme angehoben. Um ein Rad im VBB-Gesamtnetz mit der Bahn zu transportieren zahlt man aktuell noch 3,80 Euro, künftig werden es vier Euro sein. In den kreisfreien Städten bleiben die Preise dagegen gleich: 1,90 Euro für die Mitnahme eines Rades in Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus sowie 2,20 Euro in Potsdam. In Berlin steigen die Preise dagegen zum ersten Januar von 2,80 Euro auf 3 Euro für eine Fahrt im ABC-Bereich.
Philip Zeschmann, verkehrspolitischer Sprecher von BVB/Freie Wähler, bedauert die Entwicklung, die vor allem Pendler nach Berlin trifft. Viele davon sind darauf angewiesen, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren und dann noch ein Stück in Berlin. Wenn man mehr Menschen dazu bewegen will, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, müsste die Radmitnahme kostenlos sein. Zeschmann räumt jedoch ein, dass in vielen Zügen inzwischen Platzprobleme in den Stoßzeiten bestehen. Eigentlich, so der Oppositionspolitiker, müsste man in einem ersten Schritt die Angebote in den ländlichen Räumen verbessern und dann über Landeszuschüsse für die Tickets reden. Beides gleichzeitig sei nicht realistisch.
Andreas Büttner, verkehrspolitischer Sprecher der Linken im Landtag, findet dagegen die Preissteigerung für Tickets im ÖPNV „absurd“. So gelinge es nicht, mehr Brandenburger dazu zu bewegen, das Auto stehenzulassen, zumal die Diskrepanz zu Berlin mit seinem 29-Euro-Ticket immer größer wird. Tariferhöhungen passen laut Büttner „nicht mehr in diese Welt“.
Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Clemens Rostock fordert angesichts der steigenden Ticketpreise verbilligte Varianten des Deutschlandtickets für Brandenburg. Das betreffe vor allem Studierende, Azubis, Sozialleistungsempfänger und Rentner. Komplett falsch sei es dagegen, dass mit dem 29-Euro-Ticket in Berlin neue Tarifgrenzen geschaffen werden.
Die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Nicole Walter-Mundt, findet die Tariferhöhungen „auf den ersten Blick“ dagegen vertretbar, da sie nur Einzelfahrscheine betreffen. Die Pendler der Region würden vorwiegend auf das 49-Euro-Ticket setzen. Kritisch sieht sie dagegen das 29-Euro-Ticket für Berlin, das sie als unwirtschaftlich bezeichnet. Das Geld hätte der Senat besser in die gemeinsame Infrastruktur investieren sollen, findet die Christdemokratin.

