Bußgeld: Polizei mit Drohne auf der Jagd nach Lkw-Dränglern auf der A12

Am Donnerstag kontrollierte die Polizei LKW-Fahrer und deren Fahrverhalten auf der A12. Wurde der Abstand nicht eingehalten, wurden sie rausgewunken.
Katharina Schmidt„Der Weiße hinter dem Roten, an den musst du ran“, lautet die Instruktion per Funk an eine Polizeistreife auf der A12, die gleich einen weißen Lkw auf den Rastplatz Biegener Hellen lotsen wird. Der Fahrer des Sattelzugs hat zu wenig Abstand zu seinem Vordermann gehalten. Gleich droht ihm dafür ein Bußgeld von mindestens 80 Euro – insofern die Polizisten am Kontrollpunkt nicht noch mehr Vergehen finden, die geahndet werden müssen.
Drohne lauert vor der Brücke
Ertappt wurde der Lkw-Fahrer von einer Polizei-Drohne, die unauffällig vor der Autobahnbrücke bei Müllrose in 70 Metern Höhe lauerte. Ein kleines Stück hinter der Brücke, auf einem Acker neben der Fernstraße in Richtung Frankfurt (Oder), befindet sich die Kommandozentrale des Fliegers. Ein Dutzend Brandenburger Polizisten überwachen hier unter einer provisorischen Zeltüberdachung akribisch das Geschehen auf der A12. Die schwebende Kameralinse übermittelt es ihnen.
Von Donnerstagmorgen bis in den frühen Nachmittag haben die Beamten kontrolliert, ob die Brummifahrer den geforderten Mindestabstand von 50 Metern einhalten. „Die schwerwiegendsten Unfälle mit Schwerverletzten oder sogar Toten werden häufig durch zu geringen Abstand verursacht“, erklärt Dienstgruppenleiter Kay Schraub. Vor allem einige Lkw-Fahrer würden das Risiko unterschätzen und seien unaufmerksam. Dem pflichtet Thomas Wolter bei, ebenfalls Dienstgruppenleiter: „Manche Lkw-Fahrer lesen während der Fahrt Zeitung. Einmal haben wir jemanden erwischt, der sich Essen gekocht hat“, erinnert er sich. Laut Hanjo Loose, Leiter der Verkehrspolizei, würde sogar jeder tausendste LKW-Fahrer einschlafen. Doch hat er auch Verständnis: „Viele Fernfahrer stehen unter einem hohen Leistungsdruck. Trotzdem können wir die Vergehen nicht tolerieren.“
Unfälle aufgrund der verletzten Abstandsregel führen die Statistik der Polizeidirektion Ost mit 343 Kollisionen im Vorjahr an. Die A12 mit ihren endlosen Lkw-Karawanen auf der rechten Spur ist daher prädestiniert für die fatalen Auffahrunfälle. Immerhin filmte die Polizei-Drohne 2019 in 68 Fällen eine Missachtung des Mindestabstands. Das Pilotprojekt läuft mittlerweile seit eineinhalb Jahren und wird von einer Sondereinsatzgruppe aus Potsdam unterstützt, die Trupp Multicopter heißt. „Aber nur übergangsweise, wir suchen noch nach einem geeigneten Namen“, sagt Paul Eichelmann.
Beim aktuellen Einsatz ist er für die Steuerung der Drohne zuständig. Gegenüber von Eichelmann sitzen Marcel Weil und seine Kollegen von der Autobahnpolizei. Auf einem großen Monitor sehen sie in Echtzeit, was die Kamera an der Drohne erfasst. Spezielle Markierungen auf der A12 verraten ihnen, welcher von den Sattelzugführern zu den Abstandssündern zählt. Aufgezeichnet wird jedoch erst, wenn das Team einen tatsächlichen Verstoß ermittelt hat. Die Bilder werden dann per E-Mail zur Kontrollstelle geschickt.
15 Abstandsmissachtungen erfasst
Eine Streife eskortiert die ermittelten Abstandsünder zur Raststätte Biegener Hellen. Dort werden die Lkw samt Fahrer auf Herz und Nieren geprüft. So finden die Beamten heraus, dass ein Fahrer aus Polen nicht die Führerscheinklasse für sein Fahrzeug besitzt. Ein anderer Fernfahrer nimmt die Kontrolle recht gelassen: „Der Lkw-Fahrer vor mir hat sich erschreckt, abgebremst und ich konnte erst reagieren, als ich in der Kontrolle war“, erklärt er seinen Verstoß.
Hanjo Loose zieht eine positive Bilanz des Einsatzes. Insgesamt erfasste sein Team 15 Abstandsverletzungen, obwohl die Drohne aufgrund des Regens öfter pausieren musste. Das erhobene Bußgeld lag im Schnitt bei 170 Euro, da noch andere Vergehen durch die Beamten entdeckt wurden.
Apropos Kosten: Das Drohnen-Equipment der Polizei hat einen stolzen Preis. Das DJI-Matrice Modell koste allein schon 15 000 Euro. Hinzu komme die Kamera für 12 000 Euro und eine Wärmebildkamera für 8000 Euro, schlüsselt ein Mitarbeiter der der Sondereinsatzgruppe auf. Daher ist verständlich, dass keine Risiken mit dem Regen eingegangen wurden.
