BVG-Streik
: Zu Fuß zum Flieger

Der dritte Warnstreik der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sorgte vielerorts für große Beeinträchtigungen.
Von
Maria Neuendorff,
Ulrich Thiessen
Berlin
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3,8 Kilometer zum S-Bahnhof-Anschluss: Fluggäste mit Rollkoffern pilgern  zu Fuß Richtung S-Bahnhof Jungfernheide. U-Bahnen und Straßenbahnen und die meisten Busse fuhren am Montag wegen des BVG-Warnstreiks in der Hauptstadt den gesamten Tag über nicht.

dpa/Annette Riedl

Lange Staus, volle S-Bahnen und verstopfte Zufahrten zum Flughafen Tegel: Der dritte Warnstreik der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sorgte vielerorts für große Beeinträchtigungen, vor allem für Pendler aus Brandenburg.

Die Passagiere, die am Montagmorgen in Tegel landen, wischen sich verwundert die müden Augen. Am Taxistand reihen sich keine gelben Wagen, sondern nur Hunderte wartende Fluggäste aneinander. Auch vor der Haltestelle, von der nun keine BVG-Busse, sondern flughafeneigene Shuttles die Fahrgäste zur nächsten S-Bahn-Station bringen sollen, hat sich eine endlos wirkende Schlange gebildet.

Es ist BVG-Streik, Tag 3. Während sich Berliner und Pendler an den vorangegangenen Streiktagen noch gelassen zeigten, ist die Stimmung inzwischen gereizter. Kein Wunder, diesmal stehen U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen den gesamten Tag still.

Obwohl die S-Bahn rund 80 zusätzliche Züge auf die S5 zwischen Mahlsdorf und Warschauer Straße  schickt, ist das Gedränge im Berufsverkehr zu den Stoßzeiten größer als sonst. Wegen eines Notarzteinsatzes auf dem Bahnsteig in Schöneweide kommt es auch noch auf mehreren S-Bahn-Linien stadteinwärts zu Verspätungen und Zug-Ausfällen.

Der Flughafen Tegel hat gar keine Schienenanbindung. Viele Touristen wissen gar nicht, was los ist. Flughafenmitarbeiter drücken ihnen zweisprachige Flyer in die Hand, auf denen die 3,8 Kilometer Wegstrecke zu Fuß zum S-Bahnhof Jungfernheide beschrieben ist. Das geht schneller als mit den Shuttle-Bussen, die wie die Autos im Stau stehen. Neben der Autobahn sieht man die Menschen mit ihren Rollkoffern wie auf einer Ameisenstraße zum Flughafen pilgern.

Auch am Mittag staut es sich auf den Zufahrtstraßen zum Flughafen. „Der längste Stau befindet sich auf der Beusselstraße/Saatwinkler Damm – hier brauchen die Autofahrer eine Stunde und 50 Minuten mehr als sonst“, meldet die Verkehrsinformationszentrale am Mittag.

Wegen des starken Verkehrsaufkommens werden die A100-Zufahrten Britzer Damm, Buschkrugallee, Siemensdamm und Eichborndamm gesperrt. Und dann ist auch noch ein Fahrstreifen auf der A111 im Tunnel Tegel wegen Wartungsarbeiten gesperrt.

Gerade Pendler aus den Umlandgemeinden brauchen an diesem Tag starke Nerven. Wer am Morgen aus Richtung Osten über die Bundestraße1/5 in die Innenstadt muss, hatte gleich doppeltes Nachsehen. Ein Auffahrunfall mit drei Autos bringt zusätzlichen Zeitverzug. So wird aus einer 32 Kilometer langen Fahrt von Petershagen-Eggersdorf bis in die Stadtmitte, die sonst im Berufsverkehr etwas mehr als eine Stunde  dauert, eine 140-minütige Stop-and-Go-Fahrt.

Die enge Torstraße in Mitte, auf deren Mittelinsel heute keine Straßenbahnen mehr fahren, stecken selbst die Rettungswagen, die mit Blaulicht das Klinikum Friedrichshain ansteuern, zeitweise fest. Auch auf manchen prominenten Radwegen staut es sich. Manch ein Arbeitnehmer hat sich heute sogar Rollerblades untergeschnallt oder den Roller des Sohnes aus dem Keller geholt, um Strecke machen zu können.

Obwohl der Warnstreik mit Betriebsschluss um 3.30 Uhr in der Nacht endete, ist nicht klar, wie lange die Auswirkungen auch noch am Dienstag anhalten werden. „Es wird noch einige Zeit dauern, bis der Betrieb wieder reibungslos läuft“, twitterten BVG-Mitarbeiter.

Der Arbeitgeber kritisierte, Verdi trage den Konflikt auf dem Rücken der Fahrgäste aus. Die Gewerkschaft betont, den Ausstand schon am Donnerstag rechtzeitig angekündigt zu haben, so dass sich die BVG-Kunden darauf vorbereiten hätten können. Die Beschäftigten kämpfen um mehr Geld und bessere Arbeitszeiten. Die Tarifverhandlungen waren am vergangenen Donnerstag ohne Ergebnis geblieben. Am kommenden Donnerstag soll weiter verhandelt werden.