Computer-Experten
: Berliner Start-up vermittelt IT-Studenten an Technik-Laien

Warum funktioniert mein Wlan nicht? IT-Studenten helfen per Hausbesuch bei Technikproblemen.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Seit neun Wochen im Einsatz: Student Sebastian Grenda (l.) und sein Chef Christoph Hennig im Berliner Büro.

Maria Neuendorff/MOZ

Seit ein paar Wochen kann man den jungen Mann über die Online-Plattform "Studenten helfen“ buchen. Am vergangenen Sonntag zum Beispiel wurde Grenda zu einer Dame nach Zehlendorf gerufen. "Die Kundin wollte in den Urlaub fahren und ihre noch sehr jungen Wellensittiche über Alexa mit meditativer Musik und Aufnahmen mit ihrer eigenen Stimme versorgen“, berichtet der junge Student. Damit sich die Vögel nicht verlassen fühlen, sollten in der Wohnung sogar Staubsauger-Geräusche abgespielt werden.

Die Kundin hatte vorher schon stundenlang gemeinsam mit einem Bekannten vergeblich getüftelt.  „Das Problem war, dass man über den Smarthome-Lautsprecher keine  selbstaufgenommenen Memos abspielen kann, weil Amazon seinen eigenen Streaming-Dienst hat“, erklärte der junge Berliner. Gemeinsam entwickelte er mit der Dame eine Lösung über den Laptop. „Den wollte sie erst nicht anlassen, bis ich ihr die Möglichkeit mit dem Energiesparmodus gesagt habe.“

Die Idee, dass Studenten vom Fach  statt teure Fachleute schnell und unbürokratisch bei Technikfragen helfen, kommt aus Holland. Dort hat sich das Portal „Studentaanhuis“ schon seit 2010 zum Erfolgsmodell gemausert. „Mittlerweile gibt es in Holland 1000 IT-Studenten, die jährlich über 100 000 Probleme vor Ort oder digital lösen“, erklärt Christoph Hennig.

Von einem kleinen Büro an der Berliner Friedrichstraße aus soll der Geschäftsführer von „Studenten helfen“ das Modell nun auf Berlin übertragen. Vor neun Wochen begann die Testphase mit fünf Studenten, an die er nun sechs bis sieben Aufträge pro Woche vermittelt.

Eine Stunde Hausbesuch kostet den Kunden 45 Euro und ist damit um rund die Hälfte billiger, als wenn man einen herkömmlichen Technik-Profi bestellt. Minimum ist eine Art Antrittsgebühr von 19,50 Euro. „Unser Anspruch ist, in der ersten Viertelstunde das Problem zu erkennen, es dem Kunden zu erklären und das Vorgehen abzusprechen“, betont der 36-Jährige. Denn manchmal ist der Drucker gar nicht kaputt, sondern die Kundin hat einfach nur die falschen Patronen gekauft.

Auch Wlan-Probleme sind meist fix gelöst.  "Doch als einer der Studenten die Gigabox eines Kunden näher inspizierte, fiel ihm auf, dass der Anbieter dem Mann ein TV-Komplettpaket verkauft hatte, obwohl der gar keinen Fernseher besaß“, berichtet Hennig. Also riet der Pannenhelfer zum Widerspruch innerhalb der gesetzlichen Frist.

Inzwischen kommen auch schon aus dem Umland Aufträge.  Liegt die Adresse über 30 Kilometer vom Berliner Büro entfernt, wird eine Anfahrtspauschale fällig. Um die zu sparen, traf sich Grenda neulich mit einem Sozialarbeiter aus Brandenburg an dessen Arbeitsplatz, einer Behinderten-WG in Hellersdorf. Es war ein emotionaler Notfall: „Seine Handy-Speicherkarte mit über 18 000 Bildern von Kind und Hund war kaputt. Über meinen Laptop konnte ich sie zum Glück wieder herstellen“, freut sich auch Grenda.

Internet:www.studenten-helfen.de