Der Corona-Ausbruch im städtischen Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann im Frühjahr geht einer Expertenkommission zufolge auf Schwächen in Hygiene, Verantwortung und Baustruktur zurück. Die Geschäftsführung sei an der Wirtschaftlichkeit gemessen worden, nicht an Versorgungsqualität und Patientensicherheit, heißt es im Abschlussbericht, der am Dienstag vorgestellt wurde. Die Chefin der Kommission, Brandenburgs Ex-Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke), sagte: „Da spielen sowohl die Hygiene, da spielen sowohl die baulichen Anlagen, es spielen sowohl die Geschäftsführung und die Nichtwahrnehmung von bestimmten Verantwortlichkeiten eine Rolle und auch das Kontroll- und Meldesystem.“

Potsdam soll Krankenhausverbände prüfen

Die Experten empfehlen dem Klinikum, den Fokus auf Qualität und Patientensicherheit zu setzen. Der Stadt Potsdam raten sie, Krankenhausverbünde zu prüfen und die Aufsicht durch das Gesundheitsamt zu stärken. Die Besetzung des Aufsichtsratschefs durch die Beigeordnete für Gesundheit solle kritisch geprüft werden. Die Fachleute schlagen auch einen Klinikneubau oder -teilneubau vor. Die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ hatten über die Ergebnisse zuvor berichtet.
In dem größten Potsdamer Krankenhaus hatten sich im Frühjahr Corona-Infektionen bei Patienten und Mitarbeitern gehäuft. Von Ende Januar bis Ende April waren 47 Corona-Patienten in der Klinik gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Tötung.
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