Corona: Berliner Schausteller hoffen auf Weihnachtsmärkte und starten ein Herbstfest
Herr Roden, wie es derzeit aussieht, könnten Weihnachtsmärkte genehmigt werden?
Das hoffen wir sehr. Wir arbeiten schon länger an den Konzepten. Die Sommersaison ist ja für uns komplett ausgefallen. Mit dem Weihnachtsgeschäft könnte man die Verluste etwas abfedern. Das wäre für uns wirklich eine riesige Hilfe.
Bis Sonntag findet in Reinickendorf Berlins ältester Rummel, das Schollenfest, statt. Wie war das möglich?
Wir haben ein Hygiene-Konzept aufgestellt und das Gelände eingezäunt. Es gibt einen Eingang und einen Ausgang, an dem die Security überwacht, dass nicht mehr als 1500 Menschen auf dem Fest sind. Wir konnten wegen des Abstandsgebots weniger Fahrgeschäfte aufstellen als früher, aber wir haben unter anderem einen Melody Star, Kettenflieger, Kinderkarussel.
Wie ist die Resonanz?
Das vergangene Wochenende war gut besucht. Es kamen viele Familien und kauften Zuckerwatte. Man merkt, dass es den Leuten gefehlt hat und sie sich freuen, dass wir wieder da sind. Das hat man schon bei den Steglitzer Festwochen gemerkt, die wir auch in kleinerem Rahmen durchgeführt haben. Allerdings hatten wir durch die Einschränkungen und die wirtschaftliche Gesamtlage 50 Prozent weniger Einnahmen als im Vorjahr. Aber wir sind froh, dass überhaupt was geht.
Wie ist die Stimmung generell unter den Schaustellern?
Schlecht. Viele hatten monatelang überhaupt keine Einnahmen. Viele warten noch auf die finanziellen Hilfen, die nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Viele Schausteller sind Familienunternehmen. Sie haben Kredite abzutragen. Manch einer musste sich eine andere Arbeit suchen. Wir selbst hatten Glück, dass wir vorher schon einen Online-Shop mit Volksfest-Artikeln und Teddybären hatten. Am Anfang haben wir darüber Masken verkauft.
Sie hatten auch eine Corona-konforme Auto-Konzert-Reihe am Olympiastadion geplant. Kurz vor dem Start kam die Absage...
Wir hatten schon alles unter Vertrag. Auch das Bezirksamt hat mitgespielt. Doch dann stellte sich heraus, dass wir für jedes Auto eine Straßennutzungsgebühr bezahlen müssen. Das wären pro Veranstaltung 10.000 Euro gewesen.
Was wünschen Sie sich von der Politik?
Dass man darüber nachdenkt, die hohen Sondernutzungsgebühren zu senken. In Hamburg, Düsseldorf und Nürnberg gibt es das nicht, da stehen die Schaustellen mitten in der Innenstadt. In Berlin kommt noch das generelle Platzproblem hinzu. Hier könnte man mit anderen Kulturveranstaltungen kooperieren. Früher haben wir auch im Zoo gestanden.
Oder einfach nach Brandenburg ausweichen?
Ein Kollege hat in Ludwigsfelde ein Fest mit Achterbahn aufgebaut. Leider hat es sich für ihn nicht wirklich gelohnt.
Was ist in Berlin geplant?
Auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm findet vom 4. September an vier Wochen lang der „1. Berliner Herbst-Rummel“ statt – mit 70 verschiedenen Fahrgeschäften und vielen Volksfestleckereien.
Nur bis zu 5000 Menschen erlaubt
Großveranstaltungen im Freien mit mehr als 5000 Teilnehmern wird es in diesem Jahr nicht mehr geben. Der Senat verlängerte am Donnerstag ein entsprechendes Verbot wegen der Corona-Pandemie bis zum 31. Dezember. Bisher galt es bis zum 24. Oktober. Das heißt, es dürfen sich nicht mehr als 5000 Menschen gleichzeitig versammeln. "Es kann Weihnachtsmärkte geben mit Einschränkungen und Regeln und Zahlenbegrenzung", erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Aber Massenveranstaltungen mit Zehntausenden Besuchern eben nicht. "Das wird so wie bisher in den letzten Jahrzehnten nicht stattfinden können."
Bei Veranstaltungen in Räumen soll es ebenfalls bis Jahresende bei einer Obergrenze von 1000 Teilnehmern bleiben. Aktuell liegt sie bei 500 Menschen, ab 1. September steigt sie auf 750 Personen. Vom 1. Oktober an sind dann 1000 erlaubt.⇥dpa

