Brandenburg will die Corona-Impfungen in den Impfzentren und Krankenhäusern wegen des Lieferverzugs beim Impfstoff von Biontech und Pfizer vorübergehend deutlich drosseln. Über die Hotline 116 117 können zunächst keine neuen Impf-Termine vergeben werden.
„Wir wissen heute nicht, wie viele Impfstoffdosen Brandenburg in den nächsten Wochen tatsächlich erhalten wird“, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Deshalb müssen wir die Impfgeschwindigkeit in den Krankenhäusern und in den Impfzentren vorübergehend deutlich drosseln.“

Vereinbarte Impfungen werden durchgeführt

Bereits vereinbarte Impfungen in den Zentren könnten vorerst jedoch durchgeführt werden. Dazu sollen wie geplant in dieser Woche neben den bereits bestehenden Zentren in Potsdam, Cottbus und Schönefeld (Dahme-Spreewald) weitere Impfzentren in Elsterwerda (Elbe-Elster) und Frankfurt (Oder) eröffnen.
„Alles hängt davon ab, wie viel Impfstoff in den kommenden Wochen verlässlich geliefert werden kann“, betonte Hesse. Die Hersteller Biontech und Pfizer hatten erklärt, dass es in den kommenden Wochen zu Verzögerungen kommen könne. Brandenburg erwarte eine Lieferung von 19 500 Impfdosen nun am Dienstag, sagte der Sprecher. Wie es mit den geplanten wöchentlichen Lieferungen derselben Menge weitergehe, sei derzeit aber ungewiss.
Am Nachmittag würden dazu Informationen bei einer Schaltkonferenz mit dem Bundesgesundheitsministerium erwartet, sagte Hesse. „Vordringlich sind jetzt belastbare Zahlen zu Art und Höhe der Lieferausfälle durch Impfstoffhersteller und Bundesgesundheitsministerium.“
Da für den vollständigen Schutz zwei Impfungen notwendig sind, seien aber sämtliche Zweitimpfungen abgesichert, betonte Hesse.

In Pflegeheimen wird weiter geimpft

Sie betonte: „In Pflegeheimen wird weiter geimpft.“ Das habe weiter höchste Priorität. Außerdem sollten alle, die schon eine erste Corona-Impfung bekommen hätten, auch die zweite Dosis erhalten - das werde abgesichert.
Ob schon vergebene Termine für Erstimpfungen in den Impfzentren verschoben und die Eröffnungstermine neuer Zentren geändert werden müssten, werde sich voraussichtlich am Montag klären. Nonnemacher bat alle Brandenburger um Verständnis, aber das Land habe wegen des Lieferausfalls leider keine andere Wahl. Bis möglichst Ende Februar sind 18 statt früher 11 Impfzentren geplant, in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt. Am Dienstag ist bisher die Öffnung in Elsterwerda vorgesehen, am Mittwoch in Frankfurt (Oder) und am Donnerstag in Oranienburg.

Hersteller Biontech und Pfizer liefern weniger Corona-Impfstoff

Der Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten angekündigt, die Zahl ausgelieferter Impfdosen vorübergehend zu verringern und später mehr auszuliefern. „Das stellt uns vor massive Probleme“, sagte Nonnemacher. Am Montag werden laut Ministerium die nächsten 19 500 Impfdosen erwartet, die Lieferung von 78.000 Impfdosen bis Mitte Februar sei aber ungewiss. Bisher haben 38.500 Brandenburger eine erste Corona-Impfung erhalten. Brandenburg liege damit bei Impfungen pro 1000 Einwohner im Ländervergleich über dem Bundesdurchschnitt. Geplant ist, dass bis Mitte Februar alle Pflegeheimbewohner geimpft sind - und bis zum Sommer möglichst 60 bis 70 Prozent der Brandenburger Bevölkerung von rund 2,5 Millionen.

Woidke rechnet mit strengeren Corona-Regeln

Wegen der weiter hohen Infektionsgefahr geht Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) von bald noch strengeren Corona-Beschränkungen aus. „Es werden weitere Verschärfungen notwendig sein, auch aufgrund der Mutation des Virus mit deutlich höheren Ansteckungsquoten“, sagte Woidke der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag). Lockerungen stünden „überhaupt nicht zur Debatte“. Ein generelles Reiseverbot und einen Lockdown für die Industrie lehnt Woidke ab. Die Regierungschefs der Länder und die Kanzlerin wollen am Dienstag über mögliche schärfere Regeln beraten.
„Priorität haben für mich Präsenzunterricht der Abschlussklassen an den Schulen und Kitas“, sagte Woidke. „Wir sollten sie - zumindest mit einer Notbetreuung - so lange offen halten wie möglich.“ Von der Diskussion über Ausnahmen von Corona-Beschränkungen für schon geimpfte Menschen hält Woidke nichts: „Solange ich nicht jeden impfen kann, der geimpft werden will, sind solche Debatten überflüssig“, sagte Woidke der „Welt“. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte in der „Bild am Sonntag“ vorgeschlagen, Geimpften früher als anderen den Besuch von Restaurants oder Kinos zu erlauben.

Linke befürchten Impflotterie

Linksfraktionschef Sebastian Walter dringt auf eine schnelle Lösung für den Transport älterer Menschen zu Impfzentren. Aus dem Impfchaos drohe „eine Impflotterie zu werden“, sagte Walter der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt immer noch keine Klärung, was jetzt eigentlich passiert, wenn die Menschen nicht von selbst zu den Impfungen kommen.“ Das müsse über Krankentransporte und Taxis organisiert werden. Laut Gesundheitsministerium ist eine Übernahme von Taxikosten wie in Berlin im Moment nicht geplant. Das Land sei aber mit den Kommunen im Gespräch, wie über 80-Jährige unterstützt werden könnten, wenn es keine Hilfe von Familie oder Nachbarn gebe.
In Brandenburg geht die Zahl neuer Corona-Infektionen zurück. Innerhalb eines Tages seien 586 neue Fälle gezählt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Vor einer Woche waren es 669 neue Ansteckungen. Am Wochenende wird aber weniger getestet und nicht alle Gesundheitsämter übermitteln Daten. Außerdem liegt der Wert neuer Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche mit fast 231 noch über 200 - Bund und Ländern peilen weniger als 50 an.
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