Viele Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg bekommen die Folgen der anhaltenden Corona-Pandemie immer mehr zu spüren. „Die Teams in den Kliniken geraten an ihre Belastungsgrenzen. Und – anders als im Frühjahr – stehen wir derzeit erst am Beginn der winterlichen Infektionssaison“, sagte Vivantes-Geschäftsführer Johannes Danckert am Freitag dem „Tagesspiegel“ (online). Wenn die Situation nicht außer Kontrolle geraten solle, müssten jetzt umgehend wirksame Maßnahmen ergriffen werden, nicht erst nach Weihnachten.

Besorgniserregende Entwicklung

„Wir appellieren an Politik und Öffentlichkeit, den Infektionsschutz ab sofort drastisch zu erhöhen“, sagte Danckert. „Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Ihre Gesundheit und die unserer Mitarbeitenden zu schützen.“
Auch Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Ernst von Bergmann gGmbH mit mehreren Kliniken in Brandenburg bewerten die Entwicklung der Corona-Lage in den Krankenhäusern, besondere im Süden des Landes, als besorgniserregend, wie es in einer Mitteilung heißt. „Wir befinden uns aktuell in einer angespannten Lage, die wir aus heutiger Sicht gerade noch beherrschen“, sagte Hans-Ulrich Schmid, Geschäftsführer des Klinikum Ernst von Bergmann, dem größten Potsdamer Krankenhaus. Schmid forderte, das weiter steigende Infektionsgeschehen „durch einen konsequenten Lockdown“ einzudämmen.

Lage in Berliner Charitè angespannt

Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Charité, Heyo K. Kroemer, hat ebenfalls vor einer Überlastung der Krankenhäuser gewarnt. Die Lage in der Charité sei noch beherrschbar, aber sehr angespannt, sagte Kroemer am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. „Von den insgesamt 442 Intensivbetten der Charité sind 129 mit Intensivpatienten belegt, die Covid-positiv sind. Davon werden etwa 70 Prozent beatmet“, sagte der Vorstandschef. „Wir sind schon sehr bald an der Grenze des Machbaren. Diese Covid-Patienten müssen sehr intensiv pflegerisch und ärztlich betreut werden.“

Intensivbetten brauchen auch Personal

Für die Versorgung der Covid-19-Patienten seien viele Ärzte und Pfleger von anderen Stationen abgezogen worden. Eine Reihe anderer Aufgaben sei dadurch nicht mehr möglich. „Wir haben etwa unser operatives Programm auf 65 Prozent der Normalzahlen herunterfahren müssen“, sagte Kroemer.
„Die Zahl der freien Intensivbetten, die in Deutschland häufig kommuniziert wird, suggeriert meines Erachtens einen falschen Tatbestand“, sagte Kroemer. Ein Intensivbett könne nur dann als frei gelten, wenn genügend Ausrüstung und Personal für die Versorgung der Patienten zur Verfügung stünden. „Davon gibt es nicht mehr sehr viele freie in der Bundesrepublik.“
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