Corona
: Weniger Fahrraddiebe in Brandenburg am Werk

Die Fahrraddiebstähle sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgegangen. Wie aber verändert Corona die Statistiken?
Von
Dorothee Torebko
Berlin
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Immer mehr Räder bleiben in Deutschland im Besitz ihrer Eigentümer. Die Gründe dafür reichen von dem Mehr an öffentlichen Leihrädern, über Polizeiaktionen bis hin zu einem besseren Schutz durch gute Schlösser.

Hendrik Schmidt

Bundesweit waren es 2015 noch rund 335 000 Diebstähle, 2019 wurden rund 278 000 Räder geklaut. Das sind 17,1 Prozent weniger Diebstähle. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine exklusiv dieser Zeitung vorliegende schrift-liche Frage der FDP-Bundestagsfraktion hervor. In beinahe jedem Bundesland wurde weniger geklaut – eine Ausnahme ist Sachsen. Dort gab es in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg des Raddiebstahls um 8,4 Prozent. Brandenburg und Berlin sind mit 18,2 und elf Prozent weniger Diebstählen im Mittelfeld.

Bessere Schlösser

Gründe für den Rückgang dieser speziellen Kriminalitätsform  gibt es einige. Die Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Stephanie Krone, gibt als eine wichtige Ursache an, dass die Räder besser gesichert werden. Außerdem sind die Möglichkeiten, die Velos in der Stadt anzuschließen, mannigfaltiger. „Auch das große Angebot an öffentlichen Leihrädern könnte dazu beigetragen haben, dass spontane Gelegenheitsdiebstähle seltener geworden sind“, sagt ADFC-Sprecherin Krone.

In Brandenburg hat zudem der Kampf gegen die Kriminalität an der deutsch-polnischen Grenze zu einem Rückgang geführt. Wurden 2015 über 14 000 Räder gestohlen, sind es 2019 rund 12 000. Der Pressesprecher der Brandenburger Polizei, Mario Heinemann, erklärt dies mit Aktionen gegen Kriminelle in der Grenzregion. Durch die Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Behörden werden bei Kontrollen immer wieder gestohlene Räder entdeckt, die über die Grenze gebracht werden sollen.

In Deutschland zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Die Räder sind wertvoller geworden. Aus Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht hervor, dass zwar immer weniger Räder geklaut werden, der materielle Schaden aber gleich bleibt. 2019 lag der versicherte Schaden der Bestohlenen bei rund 110 Millionen Euro – und ist damit so hoch wie im Vorjahr. Im Schnitt zahlten die Versicherer 720 Euro pro gestohlenem Rad, davor waren es 650 Euro. „Für Fahrradpendler ist es deshalb wichtiger denn je, dass man sein Fahrrad sicher im Büro oder in Tiefgaragen abstellen kann und die Kommunen und Verkehrsträger noch mehr Fahrradboxen an Haltestellen zur Verfügung stellen“, fordert der Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion für Radverkehr, Christian Jung.

Doch wie wird sich die Corona-Zeit auf die Diebstahlstatistiken auswirken? Einerseits ist der Radverkehr während des Lockdowns gestiegen. Städte installierten temporäre Radwege, in einigen Berliner Bezirken löste das Rad das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel ab, und Händler verkauften so viele Velos wie selten zuvor. Andererseits haben sich die Menschen einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK zufolge in der Coronakrise insgesamt weniger bewegt.

Verkehrspolitiker Jung geht davon aus, dass sich die Zahl der gemeldeten Diebstähle Corona-bedingt auch 2020 reduzieren wird. Brandenburgs Polizeisprecher Heinemann bestätigt mit Blick auf den Grenzverkehr, dass die zum Teil geschlossene polnische Grenze einen Einfluss auf die Eigentumskriminalität in der Region haben könnte. Wie sich das aber in der Statistik widerspiegele und wie viel weniger Diebstähle es geben könnte, könne man noch nicht sagen.

Hamburg ist in der Bekämpfung von Radklau spitze

Die meisten Fahrraddiebstähle hat es im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen gegeben – hier waren es rund 65 500. Den unrühmlichen zweiten Platz nimmt Niedersachsen ein mit 31 500 Rädern, die geklaut wurden. Auf Platz 3 folgt Berlin mit 28 700 Diebstählen.

Die wenigsten Räder wurden in den bevölkerungsärmeren Ländern wie dem Saarland (1001), Thüringen (rund 3600) sowie Mecklenburg Vorpommern (rund 4900) gestohlen.

In der Bekämpfung von Fahrradklau sind Hamburg (mit einem Diebstahlrückgang von 29,8 Prozent in den vergangenen fünf Jahren), Sachsen-Anhalt (29,7 Prozent) und Schleswig-Holstein (26,8 Prozent) die Spitzenreiter.

Das einzige Land, in dem es mehr Diebstähle zwischen 2015 und 2019 gab, war Sachsen mit einem Plus von 8,4 Prozent. ⇥dot