DDR-Rummel in Berlin
: Welche persönlichen Erinnerungen weckt der Plänterwald?

Der Plänterwald in Berlin hat in der DDR zu den beliebtesten Ausflugszielen für Kinder und Familien gehört. Jetzt soll der Lost Place wieder belebt werden. Dafür ist auch die Hilfe früherer Gäste gefragt.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Dieses Bild von der Achterbahn aus dem Spreepark Berlin ist eines von viele Privatfotos, die in der neuen Ausstellung "Vergangenes Museum" im Eierhäuschen in Berlin-Treptow gezeigt werden.

Anstehen vor der wilden Fahrt im früheren Plänterwald in Berlin. Dieses Bild von der Achterbahn ist eines von den Privatfotos, die die Erinnerungen an alte Zeiten wieder wecken sollen.

Dieter Möller
  • Der Spreepark Berlin, einst ein beliebter DDR-Freizeitpark, soll wiederbelebt werden.
  • Neue Ausstellung „Vergangenes Vergnügen“ zeigt Erinnerungen und Souvenirs.
  • Besucher können eigene Erinnerungsstücke bis zum 19. Januar 2024 einreichen.
  • Ausstellung öffnet vom 10. November 2024 bis 23. Februar 2025.
  • Eintritt ist frei, Anfahrt mit dem Rad empfohlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Obwohl er fast 20 Jahre lang zum sogenannten Lost Place verfiel, hat der Spreepark Berlin bis heute viele Fans, die sich gerne an seine großen Zeiten erinnern. An die Fahrt in den drehenden Kaffee-Tassen, gleich am Eingang der weitläufigen Anlage. An den Blick aus den schaukelnden Gondeln des Riesenrades. An die flachen Plaste-Tabletts, auf denen die Besucher ihr Essen zu den Klappstühlen tragen konnten.

Der als VEB Kulturpark 1969 gegründete größte DDR-Rummel und Freizeitpark wurde 2001/2 abgewickelt, 2014 vom Land Berlin zurückgekauft und Anfang 2016 der landeseigenen Grün Berlin GmbH übertragen und wird nun peu à peu zu einem öffentlichen Park und Kulturort entwickelt.

Unter dem Titel „Vergangenes Vergnügen“ eröffnet im Eierhäuschen im Plänterwald am Sonntag (10.11.) eine neue Ausstellung. Die Schau in dem sanierten und gerade erst wieder eröffneten Ausflugslokal an der Spree zeigt persönliche Erinnerungen, fotografische Momentaufnahmen sowie künstlerische Auseinandersetzungen zu dem ehemaligen Vergnügungspark in Treptow-Köpenick.

Weitere Erinnerungsstücke gesucht

Die neue Ausstellung soll laut Veranstalter sowohl humorvolle als auch kritische Einblicke in die Geschichte und Geschichten des Kulturparks Plänterwald zu DDR-Zeiten und des späteren Spreeparks Berlin geben. Besucher können sich dabei auch selbst mit eigenen Erinnerungsstücken einbringen. „Das können zum Beispiel ein altes Ticket für das Riesenrad, ein Losgewinn, eine Punkrock-Kassette oder andere Souvenirs aus dem Vergnügungspark sein“, erklärt Anja Klaus vom Spreepark Art Space.

Wer mitmachen will, kann noch bis 19. Januar ein Foto und einen kurzen Text (max. 1.600 Zeichen bzw. 200 Wörter) zu seinem Erinnerungsstück an hello(at)spreepark-artspace.berlin schicken. Eine Auswahl der Erinnerungsstücke und Geschichten der Zeitzeugen wird dann direkt in der Ausstellung präsentiert. Die Leihgaben würden auch vergütet, heißt es in dem Aufruf.

Zu den ersten Ausstellungsstücken gehören neben vielen Fotos derzeit auch besondere Souvenirs, die die Ausstellungsmacher über andere Wege entdeckt haben. „Während der Sanierungsarbeiten des Eierhäuschens haben wir zum Beispiel bei den Arbeiten am neuen Schiffsanleger in der Spree Teile eines noch recht gut erhaltenen Kaffeegeschirrs mit dem Aufdruck ‚Eierhäuschen‘ gefunden“, berichtet Anja Klaus.

Die Ausstellung im Obergeschoss des beliebten wie historischen Ausflugslokals ist in drei Themenbereiche unterteilt. „Willkommen im Glück“ widmet sich dem „Kulti“, dem ehemaligen DDR-Kulturpark, als propagierten „Treffpunkt der fröhlichen Leute“.

Der Kulturpark Plänterwald, der einzige DDR-Vergnügungspark, war auch ein beliebtes Ausflugsziel für Punks aus der gesamten Republik.

Der Kulturpark Plänterwald, der einzige DDR-Vergnügungspark, war auch ein beliebtes Ausflugsziel für Punks aus der gesamten Republik.

Christiane Eisler/Transit Archiv

Das Kapitel „Park als Bühne“ schaut auf das Areal als kontrollierten Sehnsuchtsort für Vielfalt und Freiheit. Zu sehen ist unter anderem die Fotoserie „Kulturpark“ von Christiane Eisler, die in den 1980er-Jahren eine Gruppe junger Punks im Spreepark mit der Kamera begleitet hat.

„Hinter den Kulissen“ zeigt wiederum den Auf- und Umbau der Parkanlage nach der Wiedervereinigung und präsentiert die originalen Planungszeichnungen des Architekturbüros von Doris und Hinrich Baller.

Plänterwald Berlin – gespenstische Szenerie

Das Kapitel richtet den Blick auch auf die Kehrseiten des Vergnügungsbetriebs: Andrea Pichl setzt sich in ihrer dreiteiligen Installation „Plänterwald“ mit Transformation, Verfall und Verlust anhand von Kleinarchitekturen im Park auseinander, während Anselm Reyle den Spreepark in seiner gleichnamigen Fotoserie nach seiner Schließung als gespenstische Szenerie zeigt.

Dabei bilden die Erinnerungsberichte ehemaliger Besucherinnen und Besucher sowie Mitwirkender des Vergnügungsparks aus dem Hörstück „Leben unterm Riesenrad“ der Autorin Anne Waak das verbindende Element. Als mobile Audioinstallation begleiten diese Geschichten durch den Ausstellungsparcours. Inspiriert von den bunten Spielbuden des Kulturparks hat Constructlab die Ausstellungsarchitektur als Vergnügungspark-Kulisse mit partizipativen Elementen gestaltet.

Am Eröffnungstag, 10. November, können Interessierte von 11 bis 18 Uhr die Ausstellung auf Rundgängen mit den Kuratoren, Künstlern, Nachbarn sowie Zeitzeugen erleben. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. „Aber auch an anderen Terminen haben Besucher durch unser gesondertes Programm zur Ausstellung auch die Gelegenheit, Kuratoren, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu treffen“, erklärt die Sprecherin des Spreepark-Artspace. Das gesamte Programm findet sich unter www.spreepark-artspace.de.

Öffnungszeiten

Der Eintritt der Ausstellung „Vergangenen Vergnügen“ im Eierhäuschen im Spreepark an der Kiehnwerderallee 2 in Berlin-Treptow ist frei. Geöffnet ist sie vom 10. November 2024 bis 23. Februar 2025 jeden Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr sowie jeden dritten Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr.

Achtung, die Anreise ist etwas umständlich. Weil das Eierhäuschen im Wald liegt und in der Nähe keine Parkplätze vorhanden sind, wird die Anfahrt mit dem Rad empfohlen. Von der Bushaltestelle des 165ers „Köpenicker Landstraße/Dammweg“ sind es zu Fuß 1,4 Kilometer, vom S-Bahnhof Plänterwald 1,7 Kilometer und vom S-Bahnhof Baumschulenweg 1,8 Kilometer Fußweg.