Demo in Kreuzberg
: Aldi statt „Luxus-Food-Porn-Halle“

Früher war die Front im Kreuzberg klar. Aldi war böse, der Bioladen gut. Doch plötzlich steht Aldi für das alte Kreuzberg.
Von
dpa
Berlin
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Verschiedene Käsesorten werden in der Markthalle Neun in Berlin angeboten.

Rainer Jensen/dpa

Mit einer Demonstration wollen alteingesessene Bewohner von Kreuzberg gegen die Kündigung des Billig-Supermarktes in der beliebten Markthalle Neun demonstrieren. Man wolle „keine Luxus-Food-Porn-Halle für Touristen und Besserverdienende“, steht im Aufruf für die Kundgebung am Samstagnachmittag vor der Markthalle in der Eisenbahnstraße. Es gehe um eine „Markthalle für Alle“.

Die alte Markthalle ist mit diversen teuren Essens- und Weinständen, einem Streetfood-Donnerstag und Spezial-Veranstaltungen zu Gourmet-Käse, Wurst, Bier und Wein in den vergangenen Jahren beim jungen Großstadtpublikum und besonders Touristen sehr beliebt geworden. An manchen Nachmittagen und Sommerabenden stehen die Besucher in langen Schlangen an, obwohl sie an manchen Tagen Eintritt zahlen müssen.

Für die protestierenden Anwohner ist sie ein Sinnbild der sogenannten Gentrifizierung, die aus dem einstmals billigen und heruntergekommen Kreuzberg nahe der Berliner Mauer einen zum Teil hippen und teuren Szenekiez mit Sterne-Restaurants und ausgebauten Dachgeschossen machte. „Wir haben teuerstes, regionales „Bio-Essen aus aller Welt“, Verkehrschaos, Straßenpartys vor den Spätis, Lärm, Müll, Touristenbusse“, heißt es im Aufruf. Geschäfte in der Nachbarschaft würden aufgeben, die steigenden Mieten könnten sich viele Bewohner bald nicht mehr leisten.

Die Betreiber der Markthalle hatten angekündigt, dass der Aldi-Supermarkt durch eine DM-Filiale ersetzt werden solle. In einem offenen Brief auf ihrer Internetseite schreiben sie, so wolle man ein ergänzendes Angebot für den Wochenmarkt schaffen. Es habe viele Wünsche aus der Nachbarschaft nach einem guten Drogerieangebot mit Hygieneartikeln, Putzmitteln und Babynahrung gegeben. Weiter schreiben sie, niemand müsse eine Unterversorgung durch Discounter in der direkten Nachbarschaft fürchten. Im Umkreis von zwei Kilometern gebe es vier weitere Aldi-Filialen sowie andere Supermärkte.

Die Markthalle stünde auch nicht für Luxus-Essen, sondern es gebe ebenso günstiges Gemüse und Obst, so die Betreiber. „Wir teilen die Ängste vor Verdrängung und einer grassierenden Gentrifizierung.“