Detektiv in Brandenburg: Trenchcoat und Fake-Bart? So ermitteln Profis von heute

Sieht so ein typischer Detektiv-Einsatz in Brandenburg aus? Patrick Kurtz verrät, was den Alltag eines modernen Detektivs wirklich ausmacht – und wie man überhaupt einer wird. (Symbolbild)
Andriy Popov/dpaDer Diebstahl aus der Kirchenkollekte war für Patrick Kurtz vielleicht nicht der aufregendste, aber sicher einer der ironischsten Fälle seiner Karriere. Vor zwölf Jahren hat der heute 35-Jährige sich als Detektiv in Leipzig selbstständig gemacht. Dort liegt auch der Hauptsitz seiner Detektei.
Inzwischen arbeiten er und sein Team bundesweit, auch in Potsdam gibt es einen Sitz. Ob jeder Detektiv werden kann und was der für ihn persönlich bedeutsamste Fall war, verrät er im Interview.
Herr Kurtz, wollten Sie schon immer Detektiv werden?
Eigentlich wollte ich Schriftsteller werden und mir als Detektiv neben dem Literaturstudium etwas dazuverdienen. Ich war immer begeistert von Detektiv-Geschichten. Ich hatte das Gefühl, das ist genau das Richtige für mich.
Nicht gerade ein gewöhnlicher Nebenjob. Wie kam es dazu?
Ich bin durch Zufall auf eine Stellenanzeige für einen Praktikumsplatz gestoßen, angeboten von einem heutigen Konkurrenten. Das hat mich überhaupt erst auf die Idee gebracht, als Detektiv zu arbeiten.
Tatsächlich bedarf es keiner Qualifikation, man kann einfach zum Gewerbeamt laufen und dort sein Gewerbe anmelden. Ich wollte aber nicht als Laienermittler irgendwelchen Unfug anstellen. Deshalb habe ich eine Ausbildung an der Sicherheitsakademie in Berlin und anschließend eine Zertifikatsprüfung bei der IHK gemacht.

Vom Literaturstudenten zum Detektiv: Bei seinen Ermittlungen sieht Patrik Kurtz selten so aus wie hier. Oft kommen falsche Bärte oder ganze Gesichtsmasken zum Einsatz.
Dr. Maya GrünschloßKann denn jeder Detektiv werden oder muss man dafür bestimmte Fähigkeiten mitbringen?
Der Alltag für die meisten Detektive in Deutschland ist die Observation. Dafür braucht man eine Menge Geduld, weil häufig für viele Stunden oder Tage nichts passiert. Dreizehn, vierzehn Stunden lang im Auto zu sitzen und eine Tür zu kontrollieren ohne Sichtkontakt und den Fokus zu verlieren, ist gar nicht so einfach. Da muss man die Fähigkeit haben, die Konzentration aufrechtzuerhalten.
Für Fußobservationen sollte man körperlich einigermaßen fit sein. Wenn man irgendwo unterwegs ist, wo es kaum Leute gibt, kann man nicht unauffällig in der Menge verschwinden. Man muss größere Abstände halten und schnell aufschließen, wenn die Zielperson zum Beispiel um die Ecke geht und aus dem Sichtfeld gerät.
In Filmen und Büchern arbeiten Detektive oft mit geheimen Identitäten oder müssen sich verstecken. Ist das Klischee „wir schneiden zwei Löcher in die Zeitung und sitzen auf einer Parkbank“ Filmquatsch?
Wir müssen natürlich in das Milieu eintauchen, in dem wir observieren, um unauffällig zu sein. Man kann jetzt nicht im Hochglanzanzug auf einer Baustelle auftauchen und hoffen, dass man dort keinem auffällt.
Bei längeren Observationen muss man seinen Stil oder das Auftreten verändern. Eine andere Jacke macht schon einen großen Unterschied. Bei Fahrzeugobservationen nutzt man auch Gesichtsmasken.
Geheimkamera und Fake-Bart – so bleiben Detektive unentdeckt
Ich habe eine Maske von einem alten Mann, an der man einen Bart befestigen kann. Eine Kappe dazu, damit man die Nähte nicht sieht, Brille drüber und schon sieht man im Auto völlig anders aus, zumindest auf Distanz. Für eine Observation in der Fußgängerzone sieht es aber nicht echt genug aus.
Das bietet die Detektei Kurtz an:
Privatermittlungen, beispielsweise wegen Untreue in der Partnerschaft oder Sorgerechts- und Unterhaltsangelegenheiten
Wirtschaftsermittlungen wie Mitarbeiterüberprüfungen, zum Beispiel beim Verdacht auf Krankschreibungsbetrug, unerlaubte Nebentätigkeit oder Diebstahl
Personensuchen
IT-Forensik: Untersuchung computerbasierter Systeme auf Schadbefall nach Fremdzugriffen
Lauschabwehr: Suche nach Spionagemitteln wie Abhörwanzen oder Videogeräten
Kosten: 74 Euro brutto pro Stunde, für Privatpersonen und Unternehmen
Und wie sieht es mit außergewöhnlichen Technologien und technisch ausgeklügelten Apparaten à la James Bond aus?
Im Bereich Lauschabwehr arbeiten speziell ausgebildete Techniker mit Detektionsgeräten, um versteckte elektronische Geräte zu finden. Bei der normalen Detektivarbeit braucht man Fahrzeug, Handy und Kamera.
Neben Handykameras nutzen wir auch welche, die in Armbanduhren, Kugelschreibern oder Sonnenbrillen versteckt sind. Oder die klassische Knopflochkamera.
Gerade die Kamera im Kugelschreiber hätte ich für einen Filmmythos gehalten.
Ja, vielleicht zu dem Zeitpunkt, als man im Film darüber staunte. Da war es noch eher etwas für die Zukunft. Aber mittlerweile ist das einfach der Stand der Technik.
Arbeiten Sie mit der Polizei oder anderen Sicherheitsbehörden zusammen?
Immer mal wieder. Ist natürlich sachverhaltsabhängig. Von manchen Polizeidirektionen werden wir überhaupt nicht ernst genommen und eher als Konkurrenz statt als Hilfe gesehen.
Trickbetrug und Lebensrettung: Detektivarbeit in Brandenburg
In anderen Fällen wiederum funktioniert die Zusammenarbeit. Einmal konnte eine Zielperson, die wir zuvor überführt und identifiziert hatten, vom LKA festgenommen werden. Wir haben die Observation durchgeführt und dem LKA mitteilen können, wo der Zugriff passieren kann.
Spannend, was war das für ein Fall?
Das war ziemlich aufwendig. Ein polnisches Logistikunternehmen wollte in Deutschland weitere Lkw kaufen und ist dabei in Brandenburg an einen Trickbetrüger geraten. Der Mann hat sich als Eigentümer mehrerer Fahrzeuge ausgegeben, hat sogar echte Papiere und Schlüssel gezeigt. Aber die Fahrzeuge gehörten eigentlich einer anderen Firma. Er hatte sich einfach als Zwischenhändler ausgegeben und war dann nach dem Kauf mit 136.000 Euro verschwunden.
Wir konnten ihn über seine Handynummer aufspüren, er hat in einer anderen Stadt erneut versucht, einen Transporter unter falschem Namen zu verkaufen. Weil der Verdacht auf organisierte Bandenkriminalität bestand, haben wir das LKA mit ins Boot geholt. Gemeinsam mit den Einsatzkräften haben wir dann den Zugriff geplant.
Einer unserer Ermittler hat sich als Käufer ausgegeben und sich mit dem Mann getroffen. Beim vereinbarten Signal kamen von allen Seiten mehr als zehn LKA-Einsatzkräfte und die Schutzpolizei. Sie haben den Mann umstellt und festgenommen.
Klingt nach einer ziemlich großen Sache. Würden Sie sagen, dass das einer ihrer größten Erfolge war?
Von der Einsatzgröße her vielleicht. Aber als größten Erfolg würde ich das nicht sehen. Einmal waren wir in der Lage, einen verschwundenen jungen Mann mit Personenspürhunden aufzufinden. Die Hunde haben die Spur an einem Geldautomaten aufgenommen, an dem der Vermisste mit der Kreditkarte seiner Eltern Geld abgehoben hatte.
In einem Hotel schlugen die Hunde dann vor einer bestimmten Tür an, das Hotelpersonal hat sie für uns geöffnet. Wir haben den jungen Mann ohnmächtig mit dem Kopf nach unten liegend auf dem Bett gefunden, er hatte Blut unter sich. Hat versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden.
Glücklicherweise in der falschen Ausrichtung, sodass er nicht zu viel Blut verloren hat. Er kam direkt in ärztliche Betreuung und hat das Ganze überstanden. Ich weiß nicht, wie es mit ihm weitergegangen ist, aber ich habe die Hoffnung, dass das eine einmalige Geschichte war.



