Nach dem Chaos auf den Schienen in den vergangenen Wochen haben sich heute alle Beteiligten an einen gemeinsamen Tisch gesetzt und darüber beraten, ob und wie sich die Situation noch retten lässt. Mit dabei waren Vertreter der Länder Brandenburg und Berlin, der gemeinsame Verkehrsbund (VBB), die Verkehrsunternehmen sowie die Schienenbetreiber.
Die Akteure haben sich auf Sofortmaßnahmen geeinigt, mit denen sowohl die Pünktlichkeit als auch die Taktung der Regionalzüge verbessert werden soll.

Die Stadtbahn als RE1-Flaschenhals wird strenger überwacht

Schon vergangene Woche sollen Maßnahmen eingeleitet worden sein, um das Pünktlichkeitsniveau zu stabilisieren. Beispielsweise soll nun ein zentraler Zugkoordinator auf der Stadtbahn in der Hauptstadt den pünktlichen Zulauf der Züge nach Berlin überwachen und verspätete Züge in freie Trassenlücken disponieren, heißt es in einer Pressemitteilung des VBB. Laut DB Netz kam es in der vergangenen Woche zu einer Überlastung der Stadtbahn.
S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr teilen sich die Trassen, die zwischen Ost und West quer durch Berlin verlaufen.

Regionalzüge in Brandenburg wieder zu 95 Prozent pünktlich

Fernzüge konnten ihre Fahrzeiten zuletzt nur zu 42 Prozent einhalten, wurden dadurch verspätet auf die Stadtbahn geleitet und verstopften so das Netz, weshalb es zu weiteren Verspätungen kam. „Die Gesamtpünktlichkeit des Regionalverkehrs in der Region liegt jetzt wieder bei etwa 95 Prozent, auf der stark befahrenen Berliner Stadtbahn bei rund 90 Prozent“, so VBB-Sprecherin Elke Krokowski. Zudem habe die Bahn-Tochter DB Fernverkehr Besserung bei der Pünktlichkeit gelobt.
Auch am Ostbahnhof, wo derzeit massiv gebaut wird, seien zwei Gleise seit dem 20. Dezember entsperrt. „Aufgrund der Hallendachsanierung wird es Anfang Januar an Gleis 3 aber erneut zu einer Bahnsteigsperrung kommen, die jedoch geringere Auswirkungen auf den Zugverkehr haben wird und im Fahrplan berücksichtigt sein wird.“

20-Minuten-Takt beim RE1 bleibt unregelmäßig

Noch immer sei die aktuelle Krankheitswelle eine der größten Herausforderungen, erklärt Sprecherin Krokowski. Die Odeg könne daher nur wenige Verstärkerzüge des RE1 in der Hauptverkehrszeit anbieten. „Ersatzweise können die weiterhin fahrenden zwei Züge pro Stunde bei der Linie RE1 genutzt werden.“ Die Frage, wann der zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember versprochene Takt eingelöst wird, konnte der Odeg-Geschäftsführer Lars Gehrke noch nicht verbindlich beantworten.
Am Freitagmorgen (23. Dezember) äußerte er im RBB-Inforadio, dass er im ersten Quartal 2023 mit einer Normalisierung rechne – wenn sich der „exorbitant hohe Krankenstand“ nicht weiter verschärfe. Gegenwärtig kämpfe das Unternehmen mit Krankenquoten „jenseits der 10, 15, 20 Prozent“, sagte Gehrke. Normalerweise liege die Quote unter 10 Prozent.
Auch der VBB könne aktuell schwer einschätzen, wie sich die Lage entwickeln wird.

RE8, RB32 sowie RE10 und RE11 werden eingeschränkt

Nicht nur auf der Linie des RE1 gibt es Einschränkungen. Der VBB kündigt an, dass die RE8 Nord von Wismar vorübergehend in Nauen enden wird. Wer nach Berlin fährt, muss in die Linien RE2, RB10 oder RB14 umsteigen. Zudem wird der Takt der Linie RB32 zwischen Oranienburg und Schönefeld verringert. Hier bestehen alternative Fahrtmöglichkeiten mit der Linie RB12 und der S-Bahn.
Da über die Weihnachtsfeiertage ein Stellwerk im Bahnhof Falkenberg (Elster) nicht durchgehend mit Personal besetzt werden könne, enden dort die Züge der Linien RE10 und RE11 aus Richtung Cottbus. Dafür werde das Kuppeln der beiden Linien in Falkenberg mit zusätzlicher Technik vor Ort überwacht.

Zwischen Dessau und Senftenberg – RE7 wird wieder länger

Beim RE7 zwischen Dessau und Senftenberg soll an den Endpunkten auf sogenanntes Schwächen verzichtet werden. „Vorteil für die Fahrgäste: Es werden montags bis freitags durchgehend 8-teilige Züge angeboten“, so Krokowski.
Der VBB hofft auf diese Weise einen stabilen Basisfahrplan mit verlässlichem Angebot trotz Personalengpässen anbieten zu können. „Fehlauskünfte darf es in Zukunft nicht mehr geben.“ Es bleibt bei der Empfehlung an Fahrgäste, sich vorab auf den Internetseiten der Verkehrsunternehmen sowie den digitalen Fahrplanauskünften zu informieren. Noch in diesem Jahr wollen sich die Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen erneut verständigen, wie im Laufe des Januars der reguläre Fahrplan auf den Schienen eingehalten werden kann.
Brandenburgs Staatssekretär für Infrastruktur, Rainer Genilke, wagt Optimismus: „Wir gehen davon aus, dass der neue verbesserte Fahrplan in Brandenburg zeitnah umgesetzt wird. Dennoch kann man die Auswirkungen der bundesweiten allgemeinen Krankheitsentwicklung nicht vollumfänglich vorhersagen. Wir bleiben dazu in enger Abstimmung mit allen Beteiligten.“