Diagnose Krebs: Behandlung von Prostata-Krebs – Medikamente, OP oder Strahlentherapie?

Eine Assistenzärztin (r) und eine OP-Schwester (l) führen eine Roboter-assistierte Prostata-Operation durch.
Christian Charisius/dpaDie Fragen und Antworten entstammen einer Telefonaktion mit Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Frankfurt (Oder) und Ralph Schrader, Chefarzt der Strahlentherapie am Krankenhaus Eberswalde.
Regelmäßig gehe ich zum Urologen und da wird auch der PSA-Wert geprüft. Bei mir ist dieser innerhalb von drei Jahren von fast zwei auf über sieben angestiegen. Der Arzt hat schon Ultraschalluntersuchungen und auch ein MRT veranlasst, hat jetzt eine Stanzbiopsie angeregt. Das erscheint mir aber riskant, denn wenn dabei wirklich Krebszellen verletzt werden durch das Anstechen, dann wachsen diese vielleicht noch schneller. Was würden Sie raten?
Das prostataspezifische Antigen, kurz PSA, ist ein Eiweiß, dessen Menge man mit einem speziellen Bluttest bestimmen kann. Ist die Menge an PSA im Blut erhöht, dann schließt man auf Auffälligkeiten der Prostata. Bewegt sich dieser Wert nur minimal nach oben, so ist dies nicht bedenklich, eher normal mit wachsendem Alter und es sollte dann auch wieder leichte Abwärtsbewegungen geben oder Schwankungen. Zeigt sich allerdings nur ein Anstieg mit einer ablesbar deutlichen Dynamik, dann sollte doch schon eine genaue Diagnostik durch den Urologen erfolgen, denn ein Krebsverdacht liegt nahe. Den kann man manchmal auch nicht durch ein MRT eindeutig ausschließen.
Bei einem starkem PSA-Anstieg ist der nächste Schritt der Diagnose dann die Stanzbiopsie. Bei diesem Eingriff unter Narkose werden zwischen 10 und 14 sehr kleine Proben entnommen. Dabei geht es wirklich um ganz, ganz kleine Einstiche und Proben, die keinesfalls ein Krebswachstum auslösen, dafür aber sehr kleine Karzinome entdecken können. Heute sind dies auch sehr versierte Entnahmeverfahren, was allerdings nicht ausschließt, dass es auch dabei Risiken gibt. Entzündungen wären da zu nennen. Es ist aber kein Eingriff risikolos. Deshalb muss vor der Biopsie im Gespräch Arzt-Patient auch bereits eindeutig geklärt werden, ob sich der Patient im Falle des Auffindens eines Karzinoms überhaupt zu einer Behandlung oder Operation entschließen würde.
Risiko-Abwägung erfolgt im Arzt-Patient-Gespräch
Es gibt auch kleine, harmlose Karzinome ohne Aggressivität, die keiner Entfernung oder Behandlung bedürfen. Auch da erfolgt dann wieder eine genaue Risikoabwägung im Gespräch Arzt-Patient. Auf alle Fälle möchte ich Ihnen die Ängste nehmen, dass eine Biopsie, die für die Diagnose eines auffälligen, sehr dynamisch wachsenden PSA-Wertes empfehlenswert erscheint, das Wachstum eines vielleicht vorhandenen Karzinoms fördert. Und bereits vorher können Sie beim behandelnden Arzt alle möglichen Therapieoptionen erfragen. In der Regel können Sie auch selbst entscheiden, sollte ein Vorgehen gegen den Tumor notwendig werden, ob dies operativ, mit Strahlung oder vielleicht Medikamenten erfolgen sollte. Der Arzt erklärt Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode, denn dies ist individuell sehr unterschiedlich, hängt nicht nur von Alter, Kondition und Größe oder Lage des Karzinoms ab sondern auch von weiteren speziellen Wünschen des Patienten.
Bei mir wurde ein Prostatakarzinom festgestellt. Da ich bereits im 84. Lebensjahr bin, möchte ich keine Operation mehr. So habe ich jetzt in Absprache mit meinem Urologen in einem zeitlich festgelegten Rahmen fünf Spritzen bekommen. Ist dies ausreichend?
Das kann man so nicht sagen, denn es kommt auf das Aggressivitätsmuster des Karzinoms an. Die Spritzen sind, vereinfacht gesagt, Aktivitätsbremsen für den Krebs, dann wächst dieser nicht so schnell oder wird „eingeschläfert“. Deshalb muss dies überwacht werden. Handeln wäre dann wieder erforderlich, wenn die Aktivität zunimmt – beispielsweise der PSA-Wert steigt.
Eine Biopsie hat eindeutig belegt, ich habe ein Prostatakarzinom. Alles ist wohl noch im Anfangsstadium. Aber ich bin mit 72 nicht mehr der Jüngste und weiß nicht, ob vielleicht schnelles Handeln besser wäre. Ist eine Operation der Königsweg oder Ausweg überhaupt?
Das kann man so nicht sagen, denn das ist eine Entscheidung, die nur Sie selbst treffen können. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen die Vor- und Nachteile einer Operation oder Bestrahlung aufzeigen, beides ist in Ihrem Fall möglich und erfolgversprechend. Ich kann nur aus der Praxis beispielhaft erklären, dass dies jeweils von den Gefühlen der Patienten abhängt. Mancher möchte den festgestellten „Störenfried“ schnellstmöglich entfernt haben, entschließt sich aus diesem Gefühl heraus für die Operation.
Bei der Bestrahlung zeigt sich das Ergebnis später
Nach einer Operation kann man Ihnen sofort sagen, ob alles entfernt werden konnte. Anders sieht es bei der Bestrahlung aus. Hier zeigt sich das Ergebnis erst später, erfordert Geduld. In beiden Fällen gibt es Nebenwirkungen, mit denen Sie dann leben müssen. Also sollte Sie auch auf Ihr Gefühl „hören“, womit Sie später besser umgehen können. Der Arzt kann nur beraten, die Entscheidung treffen Sie.
Regelmäßig sollte man seinen PSA-Wert beim Urologen ermitteln lassen, um frühzeitig eine Krebserkrankung zu erkennen. Warum zahlen die Krankenkassen dann diese wichtige Leistung nicht?
Die Frage sollten Sie an anderer Stelle anbringen, wir Mediziner wissen um die Bedeutung der Früherkennung von Karzinomen, haben aber auf diese finanzielle Regelung keinen Einfluss. Die Begründung dafür, dass dies keine bezahlte Standard-Kassenleistung ist liegt darin, dass der PSA-Test nicht den Tumor an sich anzeigt, sondern „nur“ verändertes Gewebe. Liegt allerdings bereits ein direkter Verdacht vor, eine medizinische Indikation wie es heißt, dann wird auch diese Leistung von der jeweiligen Krankenkasse übernommen.
Anfang des Jahres wurde bei mir bei einer Untersuchung beim Urologen Prostatakrebs diagnostiziert. Dem war vorangegangen, dass bei der Blutabnahme im Abstand von nicht mal einem Jahr der PSA-Wert von sieben auf über 14 angestiegen war. Da ich bereits 85 Jahre alt bin, habe ich mit meinem Arzt beraten, was möglich wäre zur Eindämmung des Krebswachstums. Eine Operation oder auch Bestrahlung möchte ich nicht. Jetzt soll ich halbjährlich eine Spritze erhalten. Wenn ich mir die anderen Gegenmaßnahmen ansehe habe ich aber wieder Zweifel, ob dies wirksam hilft?
Sie werden ja mit Ihrem Arzt vor dieser Entscheidung über die beste Methode beraten haben und zu diesem Ergebnis gekommen sein. Allerdings verstehe ich auch, wenn man dann wieder einmal zweifelt. Aber es gibt für Sie ja einen eindeutigen Beleg für die Wirksamkeit des gespritzten Medikaments. Das ist der PSA-Wert. Geht dieser nach unten und zwar deutlich, dann ist alles im grünen Bereich. Wenn Operation oder Bestrahlung nicht mehr möglich oder erwünscht sind, dann ist der von Ihnen gewählte Weg genau richtig.
Manchmal reicht „Ruhigstellung“
Natürlich muss man sagen, dass durch die Hormongabe keine Heilung erfolgt, was aber bei dieser besonderen Krebsart auch nicht immer notwendig ist. Manchmal reicht diese Form des „Ruhigstellens“, des ausgebremsten Wachstums für die kommenden zehn Jahre oder mehr aus und bietet Ihnen vielleicht mehr Lebensqualität, als dies mit einer Operation der Fall gewesen wäre. Ab einem bestimmten Alter ist dieses „Einschläfern“ oft die bessere, schonendere Alternative.
Vor zehn Jahren hatte ich eine Totaloperation, nachdem Krebs entdeckt worden war. Lange war der PSA-Wert danach gut, bis wieder ein plötzlicher Anstieg erfolgte. Bisher ist es aber nicht gelungen, den neuen Krebsherd genau zu lokalisieren. Mein Urologe hat mit mir über Strahlen- und Hormontherapie gesprochen, aber auch von anderen Möglichkeiten, den Krebs doch noch aufzuspüren. Ich kann mich aber mit der Strahlentherapie noch abfinden. Was wäre außerdem möglich?
Es ist selten, dass operierte Patienten ein Rezidiv haben, die Krankheit wieder auftritt. Häufig ist nach meiner praktischen Erfahrung, dass nach dem operativen Beseitigen eines Prostatakarzinoms ein kleiner Lymphknoten wieder unkontrolliert wächst. Das muss man aber erst einmal durch eine Diagnose belegen, denn es gibt noch weitere Möglichkeiten. Deshalb ist es wichtig, genau zu diagnostizieren. Die moderne Medizin hat für das Auffinden eines Tumorherdes eine neue, hochempfindliche Methode für Patienten nach bereits erfolgter Prostataoperation. Die Methode heißt PSMA-PET/CT. Der Patient bekommt ein spezielles Mittel gespritzt, radioaktives Fluor. Über den Blutstrom verteilt sich dies im Körper, spürt die Krebszellen auf und heftet sich an deren Oberfläche.
PET-Kamera kann Krebsherd identifizieren
Bei dem dann bildgebenden Verfahren mit der PET-Kamera sieht man, wo sich die radioaktive Strahlung konzentriert und hat damit den Krebsherd identifiziert. Allerdings muss man auch deutlich sagen, dass dies keine medizinische Leistung ist, die die Krankenkassen übernehmen. Wer dieses Diagnoseverfahren wählt, um einen Krebsherd in seinem Körper aufzuspüren, der muss mit Kosten rechnen, die zwischen 1000 bis 1500 Euro betragen. Wenn die Ursache gefunden ist, können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt überlegen, ob Sie sich für eine heilende oder eine palliative, problemlösende Variante entscheiden. Heilen kann man nur durch den Einsatz von Strahlen oder einer Operation. Durch die Gabe von Hormonen kann man nur „bremsen“, was aber in einem bestimmten Alter oder bei geschwächter körperlicher Kondition ebenfalls sinnvoll sein kann.

Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Frankfurt (Oder)
Annegret KrügerMein Mann geht regelmäßig zu Urologen, lässt den PSA-Wert bestimmen, verweigert aber andere Untersuchungen. Wie regelmäßig sollte er dies mit wachsendem Alter machen lassen?
Da muss ich ganz klar appellieren, dass dies nicht ausreicht, sondern das Abtasten sehr wichtig ist für die ärztliche Einschätzung der Gesundheit. Nur dann macht in der Regel der danach folgende PSA-Test auch wirklich Sinn. Erst wenn beim Abtasten keine Auffälligkeiten gefunden werden, ist der PSA-Test einmal oder zweimal im Jahr auch aussagekräftig. Findet man Gewebeveränderungen oder Auffälligkeiten beim Tasten, dann ist eine weitere Diagnostik, wie die Probenentnahme ratsam, um die Dynamik des Anstiegs einschätzen zu können. Es muss ja nicht jedes auftretende Problem mit Krebs gleichgesetzt werden, bedarf aber vielleicht trotzdem der Behandlung.
Ich habe von meiner Urologin ein Rezept erhalten, was mir keine Apotheke einlöst, weil das Medikament nicht lieferbar ist. Was sollte ich nun tun?
Da bleibt Ihnen nur der Weg zur behandelnden Ärztin, um gemeinsam nach einer Alternative zu suchen.
Mein PSA-Wert ist nicht immer gut. Auch für das Wasserlassen habe ich eine zusätzliche Tablette bekommen. Hat diese Nebenwirkungen?
Das muss man eindeutig bejahen. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. In diesem Fall sind Blutdruckschwankungen bekannt, und dies sollten Sie bei entsprechenden Problemen mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen besprechen.
Nach einer Krebsoperation erhielt ich ein Blasenkatheter durch die Bauchdecke. Das war vor sieben Jahren. Jetzt wird dies langsam undicht. Ich habe dagegen Antibiotika genommen, das half aber nicht. Was kann ich sonst noch tun?
Durch den Katheter nimmt die Kapazität der Blase ab. Sie kann bis auf Tennisballgröße schrumpfen. Wenn die Blase vielleicht noch krampft, dann kommt es zu Undichtigkeiten. Mit Medikamenten kann man eine Ruhigstellung der Blase erreichen, die Kraft etwas herausnehmen. Das wären medikamentöse Lösungsansätze.
Es gibt moderne Urostomabeutel
Es gibt aber auch moderne, klebende Urostomabeutel, die die Undichtigkeit aufhalten können und damit für Sie eine Lösung sein könnten. Besprechen Sie das mit Ihrem behandelnden Arzt oder der Pflegekraft.
Ich wurde 2021 operiert, die Prostata entfernt. Der PSA-Wert ging sprunghaft runter, allerdings nur für gut ein Jahr. Dann wurde bei dem erneut gemessenen hohen Wert klar, dass der Krebs schon gestreut hatte, die Knochen waren betroffen und ich wurde viele Male bestrahlt. Ich erhielt neue Medikamente, die ich allerdings schlecht vertrage. Mein Arzt sagt, ich müsse diese trotzdem nehmen. Was wäre ansonsten noch möglich?
Für die metastasierte Krankheitssituation sind aktuell zahlreiche moderne Medikamente zur Behandlung zugelassen. Möglicherweise ist in Ihrer vorliegenden, metastasierten Krankheitssituation eine andere, vergleichbar wirksame, medikamentöse Therapie möglich. Sprechen Sie Ihren Urologen bitte erneut auf Ihre Beschwerden an. Gegebenenfalls können Sie sich auch eine Zweitmeinung einholen.

Ralph Schrader, Chefarzt der Strahlentherapie am Krankenhaus Eberswalde
Annegret KrĂĽgerIch habe von meiner neuen Urologin eine Ăśberweisung zum MRT bekommen, nachdem der PSA-Wert schon auf 10 angestiegen war, manchmal auch wieder runtergegangen ist. Nach dem MRT war dann von Stufe 2 die Rede. Was bedeutet das?
Häufig wird die MRT (Magnetresonanztomographie) der Prostata als ergänzendes Verfahren zur Diagnostik eines Prostatakarzinoms durchgeführt. Meist erfolgt diese bei vorherigem, negativen Biopsiebefund. Aber auch bei auffälligen PSA-Werten kann eine MRT zur Detektion, also dem Auffinden eines Karzinomherdes erfolgen.
Befundungssschema reicht von 1 bis 5
Seit 2012 gibt es ein strukturiertes Befundungschema. Das Schema nach PI-RADS reicht von 1 bis 5. Offensichtlich wurde bei Ihrer MRT-Untersuchung ein Herd mit PI-RADS Score 2 eingestuft. Das bedeutet: das Vorliegen eines klinisch signifikanten Karzinoms ist unwahrscheinlich. Ihre Urologin wird sicher unter anderem Ihren PSA-Verlauf weiter ĂĽberwachen.
Nach der Krebsdiagnose erhielt ich 43 Bestrahlungen, und fĂĽr einen Zeitraum von zwei Jahren Hormon-Depotspritzen, kĂĽrzlich die letzte. Der PSA-Wert liegt derzeit bei 0,1 . Welche Gefahren bestehen nach Ende der Behandlung nun fĂĽr mich?
Der PSA-Wert wird etwas ansteigen nach der Hormontherapie, da die Prostata nicht operativ entfernt wurde. Das ist normal und sollte Sie nicht beunruhigen. Wichtig ist die Kontrolle des weiteren PSA-Verlaufs, um mögliche Rezidive (Rückfälle) nach primärer Radiotherapie des Prostatakarzinoms zu erkennen.
Ist es richtig, dass nach der Behandlung eines Prostatakarzinoms durch Bestrahlung beim Wiederauftreten keine Operation mehr möglich ist?
Nein, eine Operation ist in vielen Fällen möglich. Allerdings ist eine Operation nach erfolgter Radiotherapie aufgrund der Gewebsveränderungen deutlich schwieriger bzw. sehr viel anspruchsvoller.

