Digitalisierung
: Roboter als Manager?

In Berlin und Brandenburg ist der Anteil der Beschäftigten gewachsen, deren Jobs Maschinen erledigen können.
Von
Ina Matthes
Frankfurt (Oder)
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Automatisierte Fabrik: Vor allem in der Produktion könnten Roboter künftig viele Tätigkeiten übernehmen. Andererseits entstehen durch IT auch neue Jobs.

dpa/Julian Stratenschulte

Lag er vor sechs Jahren noch bei 15 Prozent der Berufstätigen, sind es inzwischen 25 Prozent (Stand 2016). Das hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Berlin IAB ergeben. Das Institut ist eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit.

Am stärksten von der Digitalisierung betroffen sind Menschen im Süden Brandenburgs, insbesondere in Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und dem Havelland. Dort gibt es die meisten Jobs in der Industrie bzw. dem verarbeitenden Gewerbe wie Maschinenbau, der Metallerzeugung und der Chemie. In Teltow-Fläming und Havelland kommen noch viele Arbeitsplätze in Handel und Verkehr hinzu. Eine Besonderheit ist Spree-Neiße. Hier gibt es zwar viel verarbeitendes Gewerbe, aber weniger Potenzial, Menschen zu ersetzen. Viele von ihnen arbeiten in Bergbau und Energieerzeugung, häufig in hoch qualifizierten Berufen.

Am wenigsten zu befürchten haben die Bewohner der kreisfreien Städte mit einem hohen Anteil von Dienstleistungsberufen, die sich wenig automatisieren lassen. Eine Ausnahme macht hier Brandenburg/Havel als Standort des Maschinenbaus und der Stahlindustrie.

Überall dort, wo viele Routinetätigkeiten zu bewältigen sind, können auch Maschinen am stärksten zum Zuge kommen. In der Fertigung könnten sie bis zu 50 Prozent der Aufgaben übernehmen. Ein hohes Digitalisierungs-Potenzial sehen die Wissenschaftler aber auch in der Unternehmensführung- und Organisation, bei den Verkehrs- und Logistikberufen. Eher kaum können Maschinen oder Software den Menschen auf dem Bau, in der Medizin und in Dienstleistungsberufen ersetzen. Lehrer, Friseure, Pfleger zum Beispiel gehören zu dieser Gruppe. Neben der Branche spielt die Qualifizierung eine Rolle. Am stärksten wird die Technik bei Fachkräften und in Helferberufen Einzug halten. Dabei ist bei den Helferberufen Brandenburg stärker betroffen als Berlin. In Brandenburg arbeiten viele Helfer in der Lagerwirtschaft, die sich gut digitalisieren lässt. In Berlin sind sie eher auf dem Bau beschäftigt. Am wenigsten müssen Spezialisten und Experten befürchten, dass Computer sie überflüssig machen könnten.

Allerdings – eine Vernichtung von Jobs sehen die Wissenschaftler nicht. Dass Rechner Aufgaben übernehmen könnten, bedeute nicht automatisch einen Arbeitsplatzverlust, sagen die Studienverfasser  Holger Seibert, Oskar Jost und Doris Wiethölter. Das ist unter anderem auch eine wirtschaftliche Entscheidung – nicht immer lohnt es, teure Maschinen einzusetzen. „Arbeitsplatzinhalte dürften sich daher in erster Linie wandeln, als dass die Arbeitsplätze komplett ersetzt werden“, schreiben die Autoren. Aufwärts ist es in den vergangenen Jahren sowohl in Berlin als auch Brandenburg mit einer Branche gegangen, die Treiber dieser Entwicklung ist: der IT-Branche.

In Berlin haben sich die Beschäftigtenzahlen mehr als verdoppelt: Gab es 2008 rund 23 200 IT-Leute in der Hauptstadt waren es 2017 57 000.  In Brandenburg stieg ihre Zahl von 4400 auf 6700. Die Arbeitsmarktforscher sehen in dem Sektor Chancen für die Mark. Weil die Bodenpreise für Gewerbeflächen hier niedriger ausfallen als in der Hauptstadt, rechnen sie mit einem Zuzug von IT-Arbeitsplätzen. Davon profitiert bereits Potsdam-Mittelmark. Hier wächst die Branche stärker als in Berlin. Aber auch der Barnim, Dahme-Spreewald, die Stadt Potsdam, Oberhavel und Teltow-Fläming sind hier gut dabei.

Jobs mit viel Routinebesonders gefährdet

Als besonders gut automatisierbar gelten Berufe, bei denen mehr als 70 Prozent der hauptsächlichen Arbeiten Routinetätigkeiten sind. Das betrifft nach Angaben des Instituts IAB in Berlin 14,5 Prozent der Beschäftigten – zirka 205 000 Personen – und in Brandenburg 22 Prozent – 182 000 Personen. Etwa 8000 Beschäftigte in Brandenburg erledigen Arbeiten, die schon heute komplett von Computern übernommen werden könnten. Damit der Mensch nicht abgehängt wird, sagen die Forscher, seien Weiterbildung und Qualifizierung notwendig.⇥ima