Rund drei Jahre nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden haben die Ermittler einen Großteil der Beute gefunden. 31 Einzelteile seien in der Nacht zum Samstag in Berlin sichergestellt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.
Die gesicherten Stücke seien in Begleitung von Spezialkräften der Polizei nach Dresden gebracht wor
den. In der sächsischen Landeshauptstadt sollen sie zunächst kriminaltechnisch untersucht werden. Anschließend sollen Fachleute der sie auf Echtheit und Vollständigkeit prüfen. Viele Fragen sind noch offen, etwa zum genauen Fundort und zum Zustand der Schmuckstücke. Dazu wollten die Ermittlungsbehörden auch am Abend keine Details nennen.
Wie die Ermittler mitteilten, gingen dem Fund der wertvollen Stücke Sondierungsgespräche mit den Anwälten der mutmaßlichen Einbrecher voraus. Seit Anfang des Jahres läuft in Dresden ein Prozess gegen sechs Tatverdächtige wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.
Es sei „zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft unter Einbeziehung des Gerichts über eine mögliche Verfahrensverständigung und Rückführung noch vorhandener Beutestücke“ gesprochen worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Weitere Angaben zu dem eventuellen Deal seien derzeit nicht möglich. „Alles Weitere ist nun dem Lauf der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Dresden vorzubehalten“, sagte Jürgen Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.

Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro gestohlen und verschwunden

In das Dresdner Residenzschloss war am 25. November 2019 eingebrochen worden. Die Täter schlugen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und rissen die Juwelen heraus. Lange war ihr Verbleib unklar gewesen. Die Täter stahlen Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro. Danach entbrannte eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), die bis heute anhält.
Nach Angaben der Ermittler sind nun etliche Schmuckstücke vollständig wieder da. Dazu zählten der Hutschmuck und der Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens aus der Brillantgarnitur. Insgesamt seien in Berlin 31 Einzelteile gefunden worden. Es fehlten unter anderem die beim Diebstahl beschädigte Epaulette mit dem „Sächsischen Weißen“ und die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste.

Polizei immer betont optimistisch, aber flunkernd

Nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Geithner sind die Ermittlungsbehörden im Laufe der Zeit immer wieder danach gefragt worden, wie realistisch eine Rückkehr der Beute nach Dresden sei. „Wir haben uns immer betont optimistisch gezeigt“, sagte Geithner. Es sei aber auch ein bisschen „Flunkerei“ dabei gewesen. Je länger die Ermittlungen gedauert hätten, desto mehr sei auch die Zuversicht geschmolzen.
Geithner zufolge bleiben die Ermittler trotz der frohen Botschaft aber noch zurückhaltend: „Ich vergleiche das mal ein bisschen mit dem Fußball: Auch dort ist es ja im Moment so, dass man erst jubeln darf, wenn der Videoassistent auch bestätigt hat, dass alles echt und alles regelkonform war. Ähnlich ist es jetzt eben auch.“ Noch fehle ein Gutachten, welches die Echtheit der Stücke bestätigt.

Dank von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer und Kulturministerin Klepsch

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat Polizei und Justiz nach dem Fund eines Großteils der Beute aus dem Grünen Gewölbe für ihre „erstklassige Arbeit“ gedankt. „Sachsen sagt: Danke“, erklärte der CDU-Politiker am Samstag. „Die wertvollen Kunstwerke aus dem Grünen Gewölbe gehören zum kulturellen Erbe unseres Landes. Nur durch die entschlossene und professionelle Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft konnten die Täter ermittelt, festgesetzt und das Verbrechen aufgeklärt werden.“
Auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch zeigte sich am Samstag erleichtert über den Fund der geraubten Schätze. „Nun bleibt abzuwarten, was die Gutachter bei der Sichtung der Stücke feststellen und in welchem Zustand diese sich befinden“, teilte die CDU-Politikerin mit. Der Erfolg der Fahnder zeige, „dass es sich auch drei Jahre nach diesem schmerzhaften Einbruch lohnt, die Hoffnung nicht aufzugeben und alle sich bietenden Spuren zu verfolgen.“

Chefin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden spricht von Weihnachtswunder

Nach dem Fund des Großteils der Beute aus dem Grünen Gewölbe in Dresden wollen die Experten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die wertvollen Stücke untersuchen und überprüfen. Es gehe um den Zustand und die Anzahl, erklärte SKD-Chefin Marion Ackermann am Samstagabend in Dresden. Sie selbst habe die Fundstücke noch nicht gesehen. Die Nachricht von dem Fund habe sich wie ein Lauffeuer verbreitet, die Menschen strahlten.
„Es wird als unglaubliches, großes und wunderbares Ereignis gesehen.“ Sie selbst habe die letzten drei Jahre „tief daran geglaubt“, dass die gestohlenen Juwelen wieder auftauchen. Es habe auch keine Hinweise darauf gegeben, dass die Teile verkauft worden seien, so Ackermann. „Aber wenn man so eine wundervolle Nachricht bekommt kurz vor dem vierten Advent, dann glaubt man an ein Weihnachtswunder.“

Der Einbruch ins Grüne Gewölbe Dresden – Ablauf und Ermittlungen

  • 25. November 2019: Die Täter schlagen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine im Residenzschloss und reißen Schmuckstücke mit 4300 Diamanten und Brillanten im Versicherungswert von mehr als 113 Millionen Euro heraus. Sie fliehen zunächst unerkannt.
  • 30. Mai 2020: Das Grüne Gewölbe öffnet wieder für Besucher. Die Vitrine im Juwelenzimmer bleibt zunächst leer.
  • 17. November 2020: In Berlin nimmt die Polizei bei einer Großrazzia drei Tatverdächtige fest. Die jungen Männer aus einem arabischstämmigen Clan kommen in Untersuchungshaft. Zwei 21-jährige Zwillingsbrüder entkommen und werden mit Haftbefehl gesucht.
  • 14. Dezember 2020: Ein Spezialeinsatzkommando nimmt einen der Zwillinge in Berlin fest.
  • 17. Mai 2021: Auch der zweite Zwilling und zugleich fünfte Tatverdächtige geht der Polizei in Berlin ins Netz.
  • 19. August 2021: Mit der Festnahme des sechsten Clan-Mitglieds in Berlin sind zunächst alle mutmaßlich unmittelbar am Coup Beteiligten ergriffen.
  • 28. Januar 2022: Vor dem Landgericht Dresden beginnt der Prozess gegen die sechs Tatverdächtigen wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung. Der Prozess soll bis mindestens Anfang Februar 2023 dauern.
  • 29. März 2022: Ein Angeklagter gibt vor Gericht zu, an der Vorbereitung beteiligt gewesen zu sein. Die Tat selbst habe er nicht mit begangen.
  • 10. Mai 2022: Ein nunmehr siebter Tatverdächtiger wird im Gericht festgenommen - kommt aber später wieder auf freien Fuß. Das Oberlandesgericht Dresden sieht zunächst keine Haftgründe.
  • 17. Dezember 2022: In der Nacht zum Samstag stellen Ermittler in Berlin 31 Einzelteile sicher. Das ist ein Großteil der Beute.