Einkaufen in Berlin
: Shop ohne Personal – Bahn eröffnet KI-Selbstbedienung am Ostbahnhof

Einkaufen ohne Warteschlange und schnell weiter zum Zug – am Ostbahnhof in Berlin kann man im neuen „24/7 ServiceStore“ ab sofort rund um die Uhr kassenlos shoppen. So funktionierts.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Premiere: Im neuen Selbstbedienungsladen in der Ladenpassage am Ostbahnhof in Berlin können Kunden rund um die Uhr Snacks und Getränke kaufen ohne anzustehen. Zutritt und Bezahlung erfolgt per App.

    Premiere: Im neuen Selbstbedienungsladen in der Ladenpassage am Ostbahnhof in Berlin können Kunden rund um die Uhr Snacks und Getränke kaufen ohne anzustehen. Zutritt und Bezahlung erfolgt per App.

    Maria Neuendorff
  • Im Inneren wirkt der neue  „24/7 ServiceStore" am Ostbahnhof in Berlin wie eine normaler Bahnhofsshop. Doch statt Kassen gibt es Kameras, die den Einkauf überwachen.

    Im Inneren wirkt der neue „24/7 ServiceStore" am Ostbahnhof in Berlin wie eine normaler Bahnhofsshop. Doch statt Kassen gibt es Kameras, die den Einkauf überwachen.

    Maria Neuendorff
  • Alkohol und Zigaretten sind noch einmal extra in Automaten gesichert. Wer diese Produkte kaufen will, muss über die App eine Altersnachweis erbringen.

    Alkohol und Zigaretten sind noch einmal extra in Automaten gesichert. Wer diese Produkte kaufen will, muss über die App eine Altersnachweis erbringen.

    Maria Neuendorff
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Nicht „Park&Ride“, sondern „Pick&Go“ lautet das neue Konzept, das die Deutsche Bahn seit Dienstag (27.6.) im Ostbahnhof in Berlin testet. Der neue, rund 45 Quadratmeter große Bahnhofsshop in der westlichen Ladenpassage hat weder Kassierer noch Selbstbedienungsterminals, dafür eine gläserne Schranke wie am Flughafen.

Hinein kommt nur, wer sich vorher über die Internetseite oder den QR-Code an der Schaufensterscheibe registriert und online ein Zahlungsmittel wie Paypal oder die Kreditkarte hinterlegt. Denn drinnen kann man sich einfach schnell alles greifen, was man braucht, und kann danach einfach wieder durch eine weitere Lichtschranke hinausspazieren.

Abrechnung erfolgt über Kameras

Abgerechnet wird über ein ausgeklügeltes Kamera-System, das mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) ohne das Zutun von Kunden oder Kassierern unbemerkt abscannt, was jeder einzelne eingekauft hat. Die Rechnung kommt nach dem Verlassen des Selbstbedienungsladens per E-Mail auf das Smartphone.

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Das Sortiment umfasst rund 400 Artikel und erinnert ein bisschen an das Angebot gut sortierter Tankstellen oder Spätis. Wer Brot oder Milch braucht, muss aber weiter in den gerade an Sonn- und Feiertagen überfüllten Berliner Bahnhofs-Supermärkten Schlange stehen. Im „24/7 ServiceStore“ gibt es nur einen Korb mit Äpfeln und Bananen, dafür aber heißen Kaffee und kaltes Bier, ein paar abgepackte Backwaren und Sandwiches sowie salzige Snacks, Süßkram und Tabakwaren. Die Preise liegen gefühlt leicht knapp unter denen der üblichen überteuerten Bahnhofsshops. Manches Softgetränk ist anlässlich der feierlichen Eröffnung schon für einen Euro zu haben.

Wer Zigaretten oder Alkohol mitnehmen will, muss zusätzlich über die App zum Beispiel über seinen Ausweis nachweisen, dass er über 18 Jahre alt ist. Denn eine Registrierung ist schon ab 14 Jahren möglich.

„Der 24/7 ServiceStore ist ein tolles Beispiel dafür, was KI alles leisten kann“, findet Martina Klement (CSU), Staatssekretärin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, die am Dienstag zur Eröffnung das System als eine der ersten persönlich mit dem Handy testete.

Die 18 Monate, die Bahn und Betreiber allerdings warten mussten, bis sie alle Genehmigungen bekommen hätten, seien zu lange gewesen. „Das muss leichter gehen“, betonte Klement. In der Politik sei man gerade dabei, Regularien auszuarbeiten, um Genehmigungsverfahren für solche Innovationen zu vereinfachen.

Dabei hatte die Deutsche Bahn gemeinsam mit einem anderen Franchise-Partner schon 2021 am Bahnhof Ahrensburg in Schleswig-Holstein den ersten 24/7 ServiceStore ein Jahr lang erprobt. „Die Erkenntnisse aus dem Teststandort sind nun in die Entwicklung der neuen Generation des 24/7 ServiceStores eingeflossen“, erklärte eine Bahnsprecherin. Doch auch der Selbstbedienungsladen in Berlin sei ein Pilotprojekt. So könnte man unter anderem auch noch das Warenangebot an die Kundenwünsche anpassen.

Neue Generation des digitalen Bahnhofs-Shops

„Wir sehen den neuen 24/7 ServiceStore als einen echten Meilenstein in der Weiterentwicklung des stationären Handels“, sagt Wenzel Bürger, Geschäftsführer von SSP Deutschland, der den Laden am Ostbahnhof als Franchisepartner betreibt.

„Ich war in den 90er-Jahren selbst Pendler, fuhr regelmäßig von Rostock nach Frankfurt (Oder) und musste am Ostbahnhof umsteigen“, berichtet der Unternehmer, dessen Firma Shops und Cafés in Bahnhöfen, Raststätten und Flughäfen betreibt. „Ich erinnere mich noch gut an das große Centrum Warenhaus und den kleinen Trödelmarkt vor der Tür“, so Bürger. „Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich hier mal den ersten unbemannten Laden eröffne, hätte ich ihm wahrscheinlich einen Vogel gezeigt.“

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