Nicht nur beim Tanken und bei der Heizkostenabrechnung ist die Inflation zu spüren – auch im Supermarkt haben die Preise für Lebensmittel zum Teil erheblich angezogen. Derzeit liegt die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland bei etwa 11 Prozent. Besonders drastisch ist der Anstieg bei Eiern. Laut einer Erhebung von Statista aus dem Oktober, stieg ihr Preis zwischen September 2021 und September 2022 um 24,1 Prozent.
Der gleichen Statistik zufolge sind Eier seit 2015 sogar um 57,5 Prozent teurer geworden. In Polen liegt die durchschnittliche Inflationsrate noch deutlich höher als in Deutschland: Sie beträgt satte 17 Prozent. Lässt sich beim Kauf von Eiern im Nachbarland trotzdem noch sparen?

Fast 30 Cent billiger

Zehn Eier aus der billigen, aber nicht artgerechten Bodenhaltung kosten in Deutschland durchschnittlich 1,99 Euro. Zehn Eier der gleichen Kategorie waren in einem Słubicer Supermarkt für 7,99 Złoty, also umgerechnet 1,70 Euro, zu haben – keine große Ersparnis, doch immerhin 29 Cent weniger als in Brandenburg.
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Frankfurt (Oder)

Wer lieber an einem Stand auf dem Markt kauft, wird auf dem Kleinen Bazar in Słubice fündig. Hier kostet das Zehner-Pack Eier zwischen 2,50 Euro und vier Euro. Wem es allein um den Preis geht, spart also auf dem Słubicer Bazar nicht, in polnischen Supermärkten jedoch schon ein wenig. Doch das hat auch steuerliche Gründe.

Polen hat Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vorläufig gestrichen

Im Februar setzte die Regierung in Polen die üblicherweise fünf Prozent betragende Mehrwertsteuer auf Lebensmittel gänzlich aus. Eigentlich sollte diese „Inflationsbremse“ nur bis Juli gelten, wurde aber bis einschließlich November verlängert. Auch die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel wurden abgesenkt, somit fallen die Transportkosten niedriger aus als in Deutschland. Wann endgültig wieder die normalen Sätze gelten, ist unklar. In Deutschland werden im Vergleich sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel erhoben und eine Senkung ist nicht geplant.

Frankfurt (Oder)/Słubice

Die meisten Gründe dafür, dass Eier so teuer geworden sind, betreffen beide Staaten. Zum einen haben sich Futtermittel für die Hühner seit Beginn des Ukrainekrieges enorm verteuert. Die Ukraine gilt traditionell als „Kornkammer Europas“, viele Zweige der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion bezogen ihre Produkte aus dem Staat in Osteuropa, die nun anderswo teurer eingekauft werden müssen.
In Deutschland kommt noch hinzu, dass die Zahl der Legehennen durch eine politische Entscheidung deutlich gesunken ist: Das Ende 2021 von der Bundesregierung beschlossene Verbot, männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen zu töten. Sie müssen mit aufgezogen werden. Das macht die Eierproduktion teurer. Die hohen Energie- und damit auch Transportkosten tun ihr Übriges. Müssten Eier gekühlt werden, wäre ihre Teuerung dies- und jenseits der Oder mit Sicherheit noch drastischer ausgefallen.

Deutsche „Eier sind alle“

Und zu allem Überfluss nimmt außerdem die Vogelgrippe durch den herbstlichen Verkehr der Zugvögel Fahrt auf. Für viele Landwirte lohnt es sich schlicht nicht mehr, Legehennen zu halten. Der Vorsitzende des Bundesverbands Ei (BVEi), Henner Schönecke, bilanziert in einer Mitteilung gar: „Die Eier sind alle.“ Was man bereits im Frühjahr befürchtet habe, sei nun Realität geworden: „Die Versorgung mit Eiern deutscher Herkunft ist nicht mehr gewährleistet.“

Wem das Tierwohl am Herzen liegt, sollte Bio-Eier kaufen

Doch Ei ist nicht gleich Ei. Die Lebensbedingungen der Legehennen, die die Eier ausbrüten, unterscheiden sich je nach Haltungsform beträchtlich. Hier im Folgenden die Unterschiede kurz erklärt:

Bio-Eier (Code 0)

  • Haltung nur in offenen Ställen mit Sitzstangen und Auslauf, Käfige sind verboten.
  • In einem Stall dürfen nicht mehr als 3000 Hühner leben.
  • Im Stall kommen höchstens sechs Hühner auf einen Quadratmeter, im Auslauf müssen es vier Quadratmeter pro Huhn sein.
  • Tierfutter muss ökologischen Kriterien entsprechen.
  • Systematisches Kürzen der Schnäbel ist verboten.

Eier aus Freilandhaltung (Code 1)

  • Haltung nur in offenen Ställen mit Auslauf, Käfige sind auch hier verboten.
  • Im Stall kommen höchstens neun Hühner auf einen Quadratmeter, im Auslauf müssen es vier Quadratmeter pro Huhn sein.
  • Ökologisches Futter ist nicht vorgeschrieben

Eier aus Bodenhaltung (Code 2)

  • Haltung in Ställen ohne Auslauf
  • Im Stall kommen höchstens neun Hühner auf einen Quadratmeter, teilweise auf mehreren Etagen.

Jedes Ei hat eine Kennung

Selbstredend steigt mit einer besseren Haltung auch der Preis pro Ei. Wem das Tierwohl am Herzen liegt, sollte jedoch mindestens auf Eier aus Freilandhaltung, besser noch auf Bio-Eier zurückgreifen. In Brandenburg bieten viele Höfe Eier von den eigenen Hühnern an. Im Idealfall kennt man den Anbieter persönlich oder kann sich vor Ort direkt von den Haltungsbedingungen überzeugen. In Hofläden werden zehn Eier meist etwa zwischen 3,50 Euro und 4,50 Euro gehandelt.
Ein genauer Blick auf die Eierkennung lohnt sich. Sie verrät einiges über Herkunft und Haltungsform.
Ein genauer Blick auf die Eierkennung lohnt sich. Sie verrät einiges über Herkunft und Haltungsform.
© Foto: Wolfgang Kumm / dpa

So entziffern Sie den Code auf dem Ei

0-DE-1234567 - die Aufschrift auf dem Ei klingt zunächst kryptisch, doch eigentlich ist sie ganz leicht zu dekodieren.
Die erste Ziffer steht für die Haltungsform:
0: Bio-Ei
1: Ei aus Freilandhaltung
2: Ei aus Bodenhaltung
3: Ei aus Käfighaltung (bei unverarbeiteten Eiern nicht mehr erlaubt)
Die zwei Buchstaben danach kennzeichnen das Herkunftsland, beispielsweise DE für Deutschland, PL für Polen, AT für Österreich, etc.
Die siebenstellige Nummer am Ende ist einem bestimmten Erzeuger zugeordnet.
Wichtig: Immer die Nummer auf dem Ei betrachten und nicht die auf der Verpackung.