Einkaufen in Polen
: Neues Gesetz für Energydrinks – was für unter 18-Jährige gilt

Energydrinks – die Koffein-Brausen in bunten Dosen werden in Polen jetzt wie Alkohol behandelt. An Minderjährige dürfen sie nicht mehr verkauft werden. In Deutschland ist das anders. Noch?
Von
Nancy Waldmann
Słubice / Frankfurt (Oder)
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Palette mit Energydrinks in einem Supermarkt in Słubice in Polen. Erwartet auch Deutschland ein neues Gesetz für unter 18-Jährige?

Nancy Waldmann

Monster, Crazy Wolf, Tiger, Redbull, King of the Night, heißen Energydrinks. Hinter den martialischen Namen in großen Lettern auf bunten Dosen verbergen sich koffeinhaltige Brausen. Laut Werbung sollen sie Kraft, Energie und Vitamine spenden. Ihr Geschmack ist süß und chemisch, getrunken werden sie gerne von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nicht selten in ungesunden Mengen.

Die Verbraucherzentralen warnen vor Gesundheitsrisiken, wie Herz-Rhythmus-Störungen, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Kreislaufkollaps. Besonders nachteilig würden sich Energydrinks in Verbindung mit Alkohol und mit Sport auswirken, und das gerade bei Heranwachsenden. Das Lernvermögen werde vermindert, das Risiko für Depressionen und übermäßigen Alkoholkonsum steige. Im schlimmsten Fall könne es zu Nierenversagen mit Todesfällen kommen.

In Polen Energydrink nur noch mit Ausweis – wie bei Alkohol

Polen hat den Verkauf der süßen Aufputscher nun reglementiert. Seit dem 1. Januar ist der Verkauf von Energydrinks an Unter-18-Jährige verboten. Das heißt auch, dass Verkaufspersonal in Geschäften den Ausweis verlangen kann. In Schulen und Bildungseinrichtungen ist die Abgabe gänzlich verboten, ebenso der Verkauf am Automaten. Damit werden die Koffein-Limos in Polen so behandelt wie jegliche alkoholhaltigen Getränke, die man auch erst mit Erreichen der Volljährigkeit kaufen kann.

Bei Zuwiderhandlungen drohen dem Verkäufer oder der Verkäuferin Geldstrafen von 2000 Złoty (460 Euro). Für nicht korrekte Bezeichnung als „energetisierendes Getränk“ auf der Verpackung droht dem Hersteller 200.000 Złoty Strafe (rund 46.000 Euro). Verabschiedet wurde das Gesetz noch im Sommer unter der nationalkonservativen PiS-Regierung.

Nur wenige Länder setzten bisher Verkaufsverbot durch

Die Diskussion um die ungesunden Wirkungen von Energydrinks ist alt. Polen zieht mit dem Verkaufsverbot für Minderjährige gleich mit Litauen, das die Regelung vor zehn Jahren als erstes EU-Land einführte, etwas später kam Lettland. In den Niederlanden und in England, wo sich gesetzliche Verbote letztendlich nicht durchsetzen, haben die Discounter Aldi und Lidl den Verkauf an Kinder freiwillig gestoppt – in Großbritannien an Unter-16-Jährige, in den Niederlanden an Unter-14-Jährige.

In Deutschland verkaufen Aldi und Lidl die süßen Koffeinkicks aber weiterhin ohne Altersbeschränkung. Hierzulande gibt es auch keinerlei gesetzliche Regelung. Es findet sich nur der EU-weit vorgeschriebene Hinweis auf den Dosen, der sich im Kleingedruckten verliert: „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“.

Kleingedruckte Hinweise auf einer Energydrink-Dose in einem deutschen Supermarkt.

Nancy Waldmann

Preis unterscheidet sich in Polen kaum vom deutschen

In Polen hat der explodierende Markt noch lange nicht das Volumen des deutschen erreicht. Wer aber durch die polnischen Supermarktregale streift, entdeckt eine größere Auswahl an Sport- und Energydrinks, vom Preis nehmen sie sich allerdings nichts im Vergleich zu Angeboten westlich der Oder. Ein Redbull, das man in Frankfurt (Oder) für 75 Cent bekommt, kostet in Słubice im Supermarkt 3,19 Zloty (73 Cent, je nach Kurs). Wie die Deutsch-polnische Verbraucherzentrale in Frankfurt (Oder) auf Nachfrage bestätigt, gehören Energydrinks nicht zu den Produkten, mit denen sich deutsche Einkäufer in Polen eindecken.

Laut dem nun eingeführten Gesetz in Polen gilt als Energydrink, was „mehr als 150 mg Koffein pro Liter oder Taurin“ enthält. Wobei der Taurin-Gehalt nicht geregelt ist. Taurin ist ein wasserlösliches weißes Pulver, das im Labor hergestellt wird. Es handelt sich um eine Aminosäure, die auch im menschlichen Körper vorkommt. Das Taurin soll die belebende Wirkung des Koffeins steigern.

Koffeingehalt dreimal höher als in Cola

Der übliche Koffeingehalt in den typischen Energydrinks beträgt mehr als das Doppelte des im Gesetz festgeschriebenen Definitionswerts für Getränke mit erhöhtem Koffeingehalt. Die Inhaltsangaben auf den Dosen sind dabei etwas verwirrend, denn dort wird der Anteil von Koffein in Milligramm je 100 Milliliter angegeben. Bei Drinks wie Redbull oder Monster sind es 32 Milligramm je 100 Milliliter, also 320 mg/l. Der Taurin-Anteil hingegen wird auf den Dosen in Prozent angegeben, in der Regel sind es 0,4 Prozent. Marktführer Redbull gibt auf seiner Internetseite an, dass eine 250 ml-Dose ein Gramm Taurin und 80 Gramm Koffein enthält. Der Trend geht aber zur 500 ml-Dose. Darin enthalten: 160 Milligramm Koffein.

Zum Vergleich: Kaffee oder Espresso enthalten je nach Sorte und Zubereitungsart zwischen 50 und 130 mg Koffein je 100 ml. Allerdings werde Kaffee normalerweise nicht in so großen Mengen in so kurzer Zeit konsumiert, betont die Verbraucherzentrale. Cola enthält ca. 10 mg je 100 ml, etwa ein Drittel des Gehalts in Energydrinks.

Kinderkardiologen und Verbraucherschützer fordern europaweites Verbot

Damit ist bei vielen Kindern und Jugendlichen bereits die als unbedenklich geltende tägliche Höchstmenge an Koffein überschritten. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind dies 3 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht – bei einem 50 Kilogramm schweren Kind also 150 Milligramm. Die EFSA macht allerdings keinen Unterschied in den Empfehlungen für Erwachsene, die Studienlage gebe das nicht her, heißt es. Womöglich ist das auch der Grund, dass die EU die Abgabe der Koffeingetränke nicht reglementiert. Die Gesellschaft Europäischer Kinderkardiologen fordert hingegen ein europaweites Verkaufsverbot an Minderjährige. Auch die deutschen Verbraucherzentralen sowie die Organisation Foodwatch fordern dies. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfahl schon 2009 den Markt zu reglementieren – ohne politische Folgen.

Auch der hohe Zuckergehalt ist schädlich

Das Verbot für Minderjährige in Polen wird nicht nur mit dem zu hohen Koffeingehalt begründet. Auch der hohe Zuckergehalt sei gesundheitsschädlich und führe Kinder in ein Suchtverhalten, warnen polnische Mediziner. Die Anreicherung mit Vitaminen, die der Körper in diesen Mengen nicht aufnehmen kann, suggeriere dabei, die Drinks seien gesund.

Aktuelle Zahlen zum Konsum von Energydrinks sind schwer zu finden. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA veröffentlichte 2013 eine Studie: Damals tranken 68 Prozent der Kinder zwischen 10 und 18 Jahren Energydrinks, davon 12 Prozent mehr als sieben Liter pro Monat. Rund die Hälfte der jungen Konsumenten trank jeweils in Verbindung mit Alkohol oder mit sportlichen Aktivitäten. In der Altersgruppe der 3- bis 10-Jährigen konsumierten damals bereits 18 Prozent Energydrinks.