Einkaufen in Polen: Rückkehr der Mehrwertsteuer – sind Lebensmittel jetzt teurer?

„O la la!“: In einem Intermarché-Supermarkt in Polen wird Rapsöl in Drei-Liter-Flaschen angeboten. Ist Rapsöl mit der Rückkehr zur Mehrwertsteuerpflicht teurer geworden?
Frank GronebergMehr als zwei Jahre lang waren Grundnahrungsmittel in Polen von der Mehrwertsteuer befreit. Zum 1. Februar 2022 hatte die damalige Regierung die Steuer außer Kraft gesetzt, um die Verbraucher wenigstens ein bisschen von den Folgen der Inflation zu entlasten.
Seit dem 1. April 2024 müssen Händler in Polen für den Verkauf von Obst und Gemüse, Fleisch, Milchprodukten und anderen Grundnahrungsmitteln wieder 5,0 Prozent Mehrwertsteuer an den Staat abführen. Welche Auswirkungen hat das auf die Preise im Einzelhandel?
Preisvergleich im Discounter und Supermarkt in Polen
Für einen Vergleich haben wir die günstigsten Grundpreise für verschiedene Lebensmittel am 16. Januar 2024 und am 27. Juni 2024 notiert, und zwar jeweils in einer Filiale des Discounters Biedronka und in einem Intermarché-Supermarkt. Sonderangebote blieben dabei unberücksichtigt. Was ist teurer geworden, was möglicherweise trotz der Steuerpflicht preiswerter?
Unser Vergleich zeigt: Vieles ist mit der Wiedereinführung der Mehrwertsteuerpflicht teurer geworden, einige Preise sind aber auch unverändert geblieben. Die fettarme H-Milch zum Beispiel kostet wie zu Jahresbeginn 3,29 Złoty je Liter. Das sind laut dem offiziellen Wechselkurs der polnischen Zentralbank (1 Euro gleich 4,30 Złoty) umgerechnet 76 Cent. Auch der Butterpreis ist mit 29,95 Złoty je Kilogramm (6,96 Euro) in beiden Kaufhallen unverändert geblieben.
Preise für Milch und Butter in Polen unverändert
Fettarmer Joghurt kostet bei Biedronka nach wie vor 4,23 Złoty/kg (98 Cent), bei Intermarché knapp 8,5 Prozent mehr als im Januar. Unverändert sind bei Intermarché die Preise für Hähnchenbrustfilet (25,49 Złoty/kg) und für Salami-Pizza. Bei Biedronka dagegen kostet Hähnchenbrustfilet mit 36,74 Złoty/kg jetzt 47,5 Prozent mehr und die gleiche Pizza 38,7 Prozent mehr als im Januar.
Gestiegen ist der Preis für Käse. Der Edamer-Aufschnitt kostet im Discounter jetzt 33,27 Złoty/kg (plus 23,5 Prozent), im Supermarkt 33,30 Złoty/kg (plus 11,74 Prozent). Das sind umgerechnet jeweils 7,74 Euro/kg – der Edamer-Aufschnitt ist in Polen damit wieder teurer als in Deutschland.
Spaghetti sind in Polen teurer geworden
Auch Eier gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Die Zehnerpackung Eier der Größe M aus Bodenhaltung kostet bei Intermarché jetzt mit 10,49 Złoty (2,44 Euro) genau 5,0 Prozent mehr als im Januar – hier wurde offenbar die Mehrwertsteuer in exakter Höhe auf den Verkaufspreis aufgeschlagen. Bei Biedronka dagegen ist der Preis um 15,2 Prozent gesunken – von 9,99 Złoty auf 8,47 Złoty (1,97 Euro).
Erheblich mehr Geld müssen Verbraucher für Spaghetti ausgeben. Bei Intermarché stieg der Preis des günstigsten Produkts von 7,98 Złoty/kg auf 10,99 Złoty/kg (2,56 Euro), ein Plus von 37,7 Prozent. Im Discounter von Biedronka kletterte der Preis von 7,98 Złoty/kg auf nun 8,98 Złoty/kg (2,09 Euro). Und auch Wurst ist teurer geworden, Salami-Aufschnitt zum Beispiel um bis zu 10,3 Prozent.

„Z mlecznej drogi – Von der Milchstraße“: Mit diesem Wortspiel wirbt der polnische Supermarkt Intermarché für seine Milchprodukte. Der Preis für Milch ist in Polen trotz der Rückkehr zur Mehrwertsteuerpflicht nicht gestiegen.
Frank GronebergDie Preise für einige Backwaren sind bei den Anbietern in unserem Vergleich zum Teil deutlich gestiegen. Das Sonnenblumenkernbrot kostet bei Biedronka mit 8,31 Złoty/kg exakt 5,0 Prozent mehr als im Januar. Bei Intermarché beträgt die Teuerung sogar 35,5 Prozent: von 13,98 Złoty/kg auf nun 18,98 Złoty/kg.
Rapsöl ist in Polen jetzt billiger als Anfang 2024
Unverändert geblieben sind bei beiden Anbietern die Preise für Senf, für gemahlenen Kaffee (im Vergleich: Jacobs Krönung, 59,98 Złoty/kg) und für Wasser. Alle drei Produkte gehören aber genauso wenig zu den Grundnahrungsmitteln wie Rapsöl, dessen Preis sogar leicht gesunken ist. Toilettenpapier dagegen ist jetzt um mehr als 30 Prozent teurer als im Januar.
Ob die Wiedereinführung der Mehrwertsteuerpflicht sich auch auf die Preise für Obst und Gemüse ausgewirkt hat, lässt sich nicht sicher beurteilen, da es sich bei Obst und Gemüse um Saisonware handelt und deren Preise generell das Jahr über schwanken. Sicher ist nur: Der Preis für Äpfel ist nicht verändert worden. Äpfel kosten bei Biedronka 3,49 Złoty/kg (81 Cent) und bei Intermarché 3,00 Złoty/kg (70 Cent).
Vergleich der Grundpreise lohnt sich
Fazit: In Polen sind nach der Rückkehr zur Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel die Preise für einige Produkte gestiegen, für andere nicht. Neben der Mehrwertsteuer dürfte aber die anhaltende Inflation Hauptursache für Preissteigerungen sein. Generell gilt: Wer beim Einkaufen in Polen sparen möchte, sollte auf jeden Fall die Grundpreise in Deutschland und in Polen miteinander vergleichen.



