Einkaufen in Polen
: Wie gefährlich sind Snus und Nikotinbeutel?

Rund 30 Prozent der Deutschen rauchen regelmäßig. Doch inzwischen greifen viele statt zur Zigarette zum Nikotinbeutel - unter anderem aus Polen. Die Risiken werden oft unterschätzt.
Von
Karl Baptist
Frankfurt
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Tabakfreie Nikotinbeutel liegen in Dosen auf einem Tisch. (zu dpa: «Drogenbeauftragter hält an Verbot von Nikotinbeuteln fest») +++ dpa-Bildfunk +++

Auch Menschen aus Brandenburg decken sich in Polen damit ein. Welche Risiken stecken in Nikotinbeutel?

Robert Michael/picture alliance/dpa
  • Rund 30% der Deutschen rauchen regelmäßig; Nikotinbeutel werden immer beliebter.
  • Nikotinbeutel, die oft aus Polen stammen, bergen erhebliche Gesundheitsrisiken.
  • Jugendliche greifen zunehmend zu Nikotinbeuteln, oft beeinflusst durch Social Media.
  • Langfristiger Konsum kann Diabetes, Gefäßverengungen und Krebs begünstigen.
  • In Deutschland sind Nikotinbeutel verboten, da sie als Lebensmittel gelten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die kleinen, weißen Beutel, die zumeist in runden Dosen verkauft werden, sehen auf den ersten Blick recht unscheinbar aus. Werden sie jedoch zwischen Lippe und Zahnfleisch gelegt, entfalten sie schnell ihre volle Wirkung. Denn sie enthalten Nikotin, das innerhalb von Sekunden wirkt. Die weißen Taschen, auch Nikotinpouches genannt, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen daherkommen, kann man unter anderem in Polen kaufen - in Deutschland jedoch nicht.

Nicht verwechseln sollte man sie mit Snus, das echten Tabak enthält. Dessen Verkauf ist in der EU (bis auf Schweden) verboten. Aber auch die kleinen weißen Pouches sind nicht ganz ohne. Was viele für eine harmlose Alternative zur Zigarette halten, kann erhebliche Risiken bergen.

Einkauf in Polen – Vor allem Jugendliche greifen zu den Pouches

In den letzten Jahren zeigte sich, dass nahezu 30 Prozent aller Menschen in Deutschland regelmäßig Zigaretten rauchen, sagt Doktor Andrea Rabenstein. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtmedizin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums München und beschäftigt sich in ihrer Arbeit unter anderem mit der Wirkung von Tabak und Nikotin. In Sprechstunden hilft sie Menschen, diese Sucht zu überwinden. Seit etwa fünf Jahren sieht sie auch bei ihren Patienten einen Anstieg im Konsum von Nikotinbeuteln.

Vermehrt greifen junge Menschen zu diesen sogenannten neuen Nikotinprodukten, erklärt die Wissenschaftlerin. Vor allem durch das Internet werden Jugendliche an dieses Thema herangeführt. „Auf Social-Media-Plattformen gibt es dazu ganz viel, das nicht wirklich kontrollierbar ist“, erklärt die Ärztin. Oft sind es dort Influencer, die sich mit solchen Produkten zeigen. Hinzu kommt, dass junge Menschen die Pouches als „gesündere“ Alternative zur klassischen Zigarette sehen und dementsprechend sorgloser zugreifen.

Nikotintaschen sind gesundheitsschädlich

Der Konsum solcher Nikotinbeutel ist nicht gerade gesundheitsförderlich. Langfristiger Konsum begünstigt nicht nur die Gefahr von Diabetes und Gefäßverengungen, sondern unter gewissen Umständen auch die von verschiedenen Krebserkrankungen, erklärt Rabenstein. Vor allem die schnelle Wirkung und das rasche Anfluten des Nikotins im Gehirn sieht die Fachärztin als problematisch an. Denn dadurch erhöht sich das Suchtpotenzial.

Zudem besteht das Risiko, dass es nicht nur dabei bleibt, sondern auch andere Nikotinprodukte, wie beispielsweise Zigaretten, konsumiert werden. „Die Gefahr, die wir sehen, ist, dass man einfach nikotinabhängig wird“, so die Wissenschaftlerin.

Laut deutscher Gesetzgebung werden Pouches als Lebensmittel deklariert. Da Lebensmittel selbstverständlich kein Nikotin enthalten dürfen, ist der Verkauf dieser Produkte in Deutschland verboten, so die Fachärztin. In einigen Nachbarländern ist die gesetzliche Regelung dazu allerdings anders.

Einkauf in Polen – darf man Snus nach Deutschland bringen?

Anders als die Nikotinbeutel fällt das klassische tabakhaltige Snus in Deutschland unter das Tabakerzeugnisgesetz. Nur unter gewissen Umständen darf es aus Ländern wie Schweden zum privaten Gebrauch mitgebracht werden. „Für die Beurteilung, ob ein privater Zweck beim Verbringen von Snus vorliegt, gilt eine Referenzmenge bis einschließlich 100 Gramm“, erklärt eine Sprecherin vom Zoll auf Anfrage. „Liegt die verbrachte Menge darüber, wird ein kommerzieller Zweck angenommen und damit ein Inverkehrbringen, was verboten ist“, führt sie fort.

Im Gegensatz dazu sind Nikotinbeutel für den Zoll nicht klar definiert. „Für die Überwachung des Verbringens oder Inverkehrbringens von reinen Nikotintaschen (ohne Tabak) aus anderen EU-Mitgliedstaaten wie Polen und Schweden haben die Zollbehörden (noch?) keine gesetzlich geregelte Mitwirkungspflicht“, ist der schriftlichen Antwort weiter zu entnehmen.