Einkaufen: Wendepunkt bei der Kartenzahlung

Einkäufe: Auch an Supermarktkassen zahlen die Kunden in Deutschland immer öfter mit EC- oder Kreditkarten.
Armin WeigelWieso bezahlen immer mehr Menschen mit EC- oder Kreditkarte? Zwar sind die Deutschen im Vergleich mit anderen immer noch Bargeld-Liebhaber. Aber inzwischen dominiert nicht nur bei größeren Einkäufen das Bezahlen per Karte. Sondern immer öfter werden auch kleinere Besorgungen bargeldlos erledigt. Einen Schub brachte hier die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens, bei dem die Karte nur kurz an das Terminal gehalten werden muss. „Je komfortabler das elektronische Bezahlen wird, desto häufiger wird es genutzt“, sagt Barbara Engels vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dieser Zeitung. EHI-Mitarbeiter Horst Rüter konstatiert, dass die neue Zahlungsmöglichkeit „viel besser angenommen worden sei, als es selbst Optimisten erwartet haben“.
Um welche Summen geht es? Im stationären Einzelhandel wurden im vergangenen Jahr 209 Milliarden Euro per Karte bezahlt – 12,4 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Bar waren es 208 Milliarden Euro.
Bedeutet die Vorliebe für Plastikkarten, dass das Bargeld bald verschwindet? Sicher nicht. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom kann sich mehr als die Hälfte der Bundesbürger nach wie vor nicht vorstellen, auf Münzen und Scheine zu verzichten. „Das hat mehrere Gründe“, erläutert Engels vom IW. „Unter anderem möchten viele beim Bezahlen gern etwas in der Hand haben. Außerdem glauben viele Menschen, dass sie ihre Ausgaben besser kontrollieren können, wenn sie in bar bezahlen.“ Die Möglichkeiten der Kreditkarte seien potenziell unendlich, im Gegensatz zum Inhalt des Portemonnaies.
In welchen Situationen wird bar bezahlt? Beim Bäcker oder in der Kneipe – geht es um kleinere Beträge, bezahlen die Deutschen in der Regel mit Münzen und Scheinen. Deshalb werden immer noch drei Viertel der rund 20 Milliarden Einkäufe pro Jahr in bar abgewickelt. Dazu trägt auch bei, dass es in vielen Läden die Regel gibt, nach der erst ab einem bestimmten Mindestbetrag – mal sind es fünf Euro, mal zehn – mit Karte bezahlt werden darf. „Aber das ändert sich gerade“, sagt die Ökonomin Engels. „Größere Handelsketten sind davon abgegangen, solche Mindestbeträge zu fordern. Das könnte auch bei kleineren Händlern die Regel werden.“ Bar bezahlt wird nach Engels‘ Einschätzung allerdings auch weiterhin in allen Situationen, in denen jemand Zahlungen verschleiern möchte – auf dem Schwarzmarkt zum Beispiel.
Wie sieht es in anderen Ländern aus? Nur in Italien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien werden Karten noch seltener eingesetzt als in Deutschland. Vorreiter beim elektronischen Bezahlen sind dagegen die skandinavischen Länder, Frankreich, Großbritannien, Polen und Russland.
Bleibt beim elektronischen Bezahlen der Datenschutz auf der Strecke? „Die Gefahr besteht sehr wohl“, erklärt Barbara Engels vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Zum einen könne man nie genau wissen, was die Unternehmen mit den Transaktionsdaten anfangen. Zum andern könnten Informationen auch gehackt werden, so die Ökonomin.
Studie mit 435 Firmen
Bei seiner Studie erfasste das EHI 435 Unternehmen mit rund 85 000 Betrieben. Sie erreichen zusammen einen Bruttoumsatz in Höhe von rund 275 Milliarden Euro.
Das Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute e.V. hieß früher EuroHandelsinstitut. Daher kommt auch die Abkürzung EHI. Es besteht seit 1989 und hat seinen Sitz in Köln.
EHI-Präsident ist seit 2006 Götz Wolfgang Werner, Gründer und langjähriges Aufsichtsratsmitglied der Drogeriemarkt-Kette dm.⇥mg/dpa
