Energieversorgung
: Stefan Kapferer ist neuer Chef des Netzbetreibers 50Hertz

Er hat in der Kohlekommission über den Ausstieg der Lausitz aus der Braunkohle mitverhandelt: Stefan Kapferer. Seit 1. Dezember steht der 54-Jährige an der Spitze des Netzbetreibers 50Hertz.
Von
Ina Matthes
Frankfurt (Oder)
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  • Schaltzentrale für Strom:  Von Neuenhagen bei Berlin aus betreibt  50Hertz Transmission das Höchstspannungsnetz im Osten Deutschlands sowie im Raum Hamburg.

    Schaltzentrale für Strom:  Von Neuenhagen bei Berlin aus betreibt  50Hertz Transmission das Höchstspannungsnetz im Osten Deutschlands sowie im Raum Hamburg.

    dpa/Patrick Pleul
  • Stefan Kapferer ist neuer CEO von 50 Hertz

    Stefan Kapferer ist neuer CEO von 50 Hertz

    Jan Pauls/50 Hertz
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Kapferer  hat lange Zeit seines Berufslebens in Staatsdiensten gearbeitet. Zuletzt war er Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW.

Stefan Kapferer steht nun einem der vier großen Übertragungsnetz-Betreiber in Deutschland vor.  50Hertz managt vor allem den Stromtransport im Osten und ist Teil des belgischen Elia-Konzerns. Am Dienstag stellte sich der neue Chef der Öffentlichkeit in Berlin vor.

Das Unternehmen steht vor allem vor der Aufgabe, in Zeiten des Umstiegs auf erneuerbare Energien die Stabilität des Versorgungssystems zu gewährleisten. 50Hertz baut Infrastrukturen, die auf 40 bis 60 Jahre ausgelegt sind. Langfristige Entscheidungen zu treffen, ist aber derzeit schwierig. „Wir haben ein hohes Maß an politischer Unsicherheit“, sagte Kapferer. Unklar sei der Zuwachs an Windenergie oder wann welche Kraftwerke in der Lausitz aus dem Betrieb genommen werden.

Kapferer appellierte an die Politik, rasch für einen klaren politischen Rahmen zu sorgen. Eines der großen Probleme der Energiewende ist für 50Hertz der sogenannte Redispatch – wenn Kraftwerke aufgrund schwankender Einspeisung kurzfristig herauf- oder heruntergefahren werden müssen. Bei der Lösung der Probleme der Energiewende setzt der Konzern Elia auf eine engere deutsch–belgische und europäische Zusammenarbeit. Im Dezember will Elia eine Studie vorlegen, die Optionen zeigt, wie Handels- und Transportkapazitäten in Europa künftig entwickelt werden könnten.

„Wir sind ein binationales Unternehmen, denken europäisch und handeln in nationaler Verantwortung“, sagte Kapferer. Auf nationaler und internationaler Ebene setzt 50Hertz derzeit einige große Projekte um. Dazu zählt der Berliner Nordring, eine Höchstspannungsleitung zwischen den Brandenburger Umspannwerken Neuenhagen bei Berlin und Wustermark. Der westliche Abschnitt des Rings ist fertig. Gegen den östlichen Teil, dessen Bau gerade begonnen hat, hat die Gemeinde Birkenwerder Ende Oktober vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt. Offen ist, ob der Bau nun gestoppt werden muss.

In der Ostsee wollen 50Hertz und der dänische Übertragungsnetzbetreiber Energinet einen deutschen und einen dänischen Windpark miteinander verbinden. So kann Windenergie je nach Bedarf nach Deutschland und Dänemark transportiert und gehandelt werden. Der neue Chef Kapferer geht davon aus, dass vor allem die Windkraft auf See ausgebaut wird und die an Land eher moderat zunimmt.

Das dritte große Projekt ist der Süd-Ost-Link, eine geplante Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern, die weitgehend als Erdkabel verlegt wird. Hier werden jetzt Details der Trasse geplant.

Neben Neubau will 50Hertz aber auch bestehende Infrastruktur noch besser auslasten. Man könne nicht endlos neue Leitungen legen, meinte Kapferer und verwies auf das Kosten- und Akzeptanzproblem.  Letzteres bremst auch den Bau der Uckermarkleitung, die Windstrom nach Berlin transportieren soll. 50Hertz hofft hier auf eine baldigen Abschluss des Genehmigungsverfahrens.  Gute Chancen sieht das Unternehmen für einen Anschluss einer geplanten Fabrik von Tesla ans Stromnetz. Das wäre von einem Umspannwerk in Heinersdorf (Oder-Spree)  aus möglich, hieß es, das 2017 für die Verteilung von Windstrom gebaut wurde.

Zur Person

Der neue Geschäftsführer von 50Hertz, Stefan Kapferer, wurde 1965 in Karlsruhe geboren. Er studierte Verwaltungswissenschaften und hat als Staatssekretär in verschiedenen Bundesministerien gearbeitet. Überdies war er von 2014 bis 2016 stellvertretender Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.