Ernährung: Tofu-Geschnetzeltes mit Kokos-Shake

Guten Appetit: In der TU-Cafeteria hat Berlins erste vegane Mensa eröffnet. Koch Johannes Grieß zeigt Geschnetzeltes und Bauernfrühstück ohne tierische Produkte.
Maria NeuendorffSchon die Einrichtung in der ehemaligen Cafeteria der Technischen Universität (TU) an der Hardenbergstraße zeugt davon, dass etwas Neues geschaffen wurde. Über den gläsernen Eingängen hängen Monitore mit den Tagesmenüs. Schicke hölzerne Sitzecken und runde Sitzhocker erinnern eher an eine moderne Hotellobby als an eine Studenten-Kantine. Neben stylischem Backshop, Sparkassenautomat und Info-Point kann man vom Foyer aus beobachten, wie ein Mensa-Mitarbeiter in der gläsernen Nudelmanufaktur täglich die Pasta-Maschine mit eierfreiem Teig bestückt.
In Berlins erster veganer Mensa gibt es nicht nur fleisch- und milchfreie Gerichte, sondern auch handgemachte Nudeln und hauseigenen Kirschkuchen. Jonas Bulik will aber erst mal etwas Deftiges. "Ich habe gelesen, dass gestern die vegane Mensa eröffnet hat, und bin gleich hergekommen“, sagt der Informatikstudent, während er Sojageschnetzeltes mit Spargel, Champignons und Kartoffeln für 2,75 Euro ordert.
360 vegane Rezepturen
Vor fünf Jahren hat Bulik langsam angefangen, Fleisch wegzulassen. Nach einem fetten Entenbraten bei seinen Eltern stand seine Entscheidung fest: "Das will und kann ich nicht mehr.“ Doch Vegetarier zu sein, sei ihm irgendwie nicht konsequent genug vorgekommen, „wenn ich wirklich will, dass kein Tier wegen mir leidet“, erklärt der 23-Jährige. Probleme, täglich unterwegs eine warme Mahlzeit zu bekommen, habe er als Veganer aber auch vorher nicht gehabt. „In Berlin ist das eigentlich kein Problem“, so Bulik
In der Millionenmetropole ist vegane Kost fast schon normal geworden. Eigene Portale im Internet listen zwischen 70 und 100 Imbisse und Restaurants auf, die sich auf den Ernährungs-Trend spezialisiert haben. Die meisten findet man in hippen Bezirken wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln. Von veganer Pizza bis hin zu eier- und milchfreien Donuts ist fast alles zu haben.
Dazu kommen zahlreiche Cafés und Bistros, wo zumindest eine vegane Alternative angeboten wird. All das sei auch ein Tourismus-Faktor, erklärt Christian Tänzler, Sprecher von Visit Berlin. „Die Vegan-Szene passt zum nachhaltigen Lebensstil, den vor allem ausländische Gäste mit Berlin verbinden.“
Das gilt auch für die Berliner Uni-Mensen. "Wir bieten in allen Einrichtungen sowohl vegetarische als auch vegane Alternativen an“, erklärt Jana Judisch, Sprecherin des Berliner Studierendenwerks, das 57 Mensen und Coffeebars betreibt und rund 33 000 Gäste pro Tag versorgt. Obwohl es keine öffentlichen Kantinen sind, sind auch Gäste willkommen. Allerdings muss man sich eine Mensa-Karte besorgen und sie an einem Automaten mit Guthaben aufladen. Die meisten Kantinen sind inzwischen bargeldlos. Die Preisspanne in den normalen Cafeterien beträgt für Studierende 1,45 bis 3,80 Euro. Gäste zahlen einen Aufpreis.
„Der aktuelle zentrale Speiseplan des Studierendenwerks hat einen veganen Anteil von 41 Prozent“, berichtet Jana Judisch. Weitere 15 Prozent der Speisen seien vegetarisch. Inklusive der Vorspeisen, Beilagen und Desserts gebe es derzeit 360 vegane Rezepturen, mit denen man wöchentlich rotiert.
Die nach eigenen Angaben bundesweit erste und bisher einzige vegane Mensa hat 2017 in Nürnberg eröffnet. Seit 2010 gibt an der Freien Universität in Berlin-Dahlem die vegetarische Mensa „Veggie No. 1“, die laut Judisch überrannt wird. Der Name der neuen veganen TU-Mensa in Charlottenburg ist „Veggie 2.0“ und wurde daran angelehnt.
Angeboten werden dort seit der Eröffnung am Dienstag täglich ein Aktionsgericht, zwei Tagesgerichte, eine Tagessuppe, Antipasti, verschiedene Desserts und Kuchen – alles vegan. An diesem Mittwoch steht unter anderem „Saisongemüse aus dem Garten mit Kartoffeln, Tofu und gerösteten Erdnüssen“ für 4,95/5,95 Euro auf den Monitoren.
An dem schicken Café-Tresen können Studenten und Gäste auch Ananas-Kokos-Chili-Smoothies ordern. Sie sehen nicht nur aus wie ein leckerer Milchshake, sondern schmecken auch, als hätte die Kuh noch mitgeholfen. Doch Johannes Grieß füllt die Barista-Kaffee-Maschine mit Hafermilch auf. Der Mensa-Mitarbeiter wollte sich anfangs den eigenen Cappuchino für die Pause ein Stockwerk höher holen, gesteht er. In der zweiten TU-Mensa im Obergeschoss mit täglich 4500 Gästen kommen weiter auch noch tierische Produkte auf die Teller. „Ich habe mich aber schnell an die Hafermilch gewöhnt, sie schmeckt echt gut“, sagt Grieß.
Als Springer wird er in verschiedenen Mensen und Bereichen eingesetzt. Wie man das Ei im Kuchen durch Öl und das Fleisch in der Boulette durch Hülsenfrüchte ersetzen kann, weiß der gelernte Koch schon lange.
Von Fleisch-Imitaten wie Soja-Wurst in den Supermärkten hält Johannes Grieß allerdings wenig. „Die wenigsten werden Veganer, weil sie den Geschmack von Pappe mögen“, sagt 38-jährige Koch lachend. „Dann doch lieber eine China-Knusper-Schnitte an sauer-scharf-Soße oder einfach nur frisches Gemüse aus dem Wok.“
Infos: „Veggie 2.0 – die tiefgrüne Mensa“, Hardenbergstraße 34 in Charlottenburg, Mo bis Fr geöffnet von 11 bis 14.30 Uhr. Mehr vegane Gastronomie: www.berlin-vegan.de/map/gastro
